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Öffentliche Sitzung des Gemeinderats am 20. Februar 2018 - Historisches erhalten - Modernisierung zulassen

Gestaltungssatzung und Bebauungsplanentwurf im Gemeinderat

Das ist die Bildunterschrift

Das "alte" Walldorf mit typischen Häusern soll erhalten bleiben (Foto: Stadt Walldorf)


Mit der Altstadtsatzung und der künftigen Entwicklung des historisch bedeutsamen Bereichs im „Dreieck“ Schwetzinger Straße/Heidelberger Straße/Adlerstraße befasste sich der Gemeinderat in seiner Sitzung am 20. Februar.


Stadtbaumeister Andreas Tisch stellte den Entwurf eines Bebauungsplans vor, dem der Gemeinderat mehrheitlich bei drei Gegenstimmen zustimmte und der nun bis 27. April im Rathaus offengelegt ist. Anlass für den Bebauungsplan war der Wunsch, diesen Bereich von wichtiger „städtebaulicher Bedeutung“, so Stadtbaumeister Andreas Tisch, zu erhalten und trotzdem Modernisierungen und eine Weiterentwicklung der baulichen Substanz zu ermöglichen. Tisch verdeutlichte, dass der Bereich hinter dem wichtigen Kulturdenkmal „Pfälzer Hof“ mit eingeschossigen ehemaligen Bauernhäusern eine der wenigen Situationen sei, an der die Stadtentwicklung Walldorfs von der Hauptstraße in die ehemaligen Außenbereiche noch ablesbar sei. Diese „bauliche Zäsur“ sei auch künftig für das Verständnis der historischen Stadtentwicklung Walldorfs wichtig. Würde man nichts tun, seien ein Ausbau und Umbau des Quartiers mit einem zusätzlichen Geschoss mit deutlich höheren Traufen zu erwarten. Der Bebauungsplan sieht vor, dass auf der Straßenseite weiterhin der Eindruck der Eingeschossigkeit mit festgesetzten Traufhöhen bestehen bleibt, wobei in zweiter Reihe, hinter den steilen Dächern zur Schwetzinger Straße und von vorn nicht erkennbar, ein zweites höheres Haus möglich sein soll.

Bausünden vermeiden

„Walldorf soll erkennbar bleiben“, führte Dr. Gerhard Baldes (CDU) aus, der meinte, dass in der Vergangenheit bereits viele „Bausünden“ den Charakter Walldorfs „unwiederbringlich“ verändert hätten. Die gewachsenen Strukturen müssten erhalten bleiben. Er sah daher die Pflicht, die Bebauung zu regeln. Die Entwicklung in der zweiten Reihe sah er als guten Kompromiss an. In seiner Fraktion gebe es auch konträre Stimmen hierzu, erklärte Baldes, doch könne die CDU "knapp mehrheitlich" zustimmen. Manfred Zuber (SPD) erklärte für seine Fraktion, dass man gerne zustimme. Mit dem Bebauungsplan könne man sowohl das alte Walldorf erhalten mit den typischen ehemaligen Bauernhäusern und trotzdem eine Weiterentwicklung nach modernen Wohnaspekten ermöglichen. Auch Hans Wölz (Bündnis 90/Die Grünen) sprach sich dafür aus, die historische Entwicklung sichtbar zu erhalten und eine Nachverdichtung zu ermöglichen. Ein „Ja“ kam auch von der FDP, für die Fredy Kempf sprach. Er sah allerdings die Nachverdichtung in der zweiten Reihe kritisch, denn „wo sollen die Pkw hin?“, fragte er. Die Anfahrbarkeit der Stellplätze müsse überprüft werden.

Das Gespräch suchen

In derselben Sitzung war auch die Neufassung der Gestaltungssatzung für die Altstadt Thema. Mit dieser Satzung will die Stadt dazu beitragen, dass das Ortsbild des alten Walldorf insgesamt erhalten bleibt. Anlass für die Überarbeitung der aus dem Jahr 1986 stammenden Gestaltungssatzung war, die im Rahmen von gesetzlichen Vorgaben notwendige solare Nutzung zuzulassen. Da gerade der „Dachlandschaft“ in der Altstadt eine besondere Bedeutung zukommt, wie Stadtbaumeister Andreas Tisch ausführte, schreibt die neue Satzung vor, dass Photovoltaik- und Solarthermieanlagen  auf den straßenzugewandten Dachflächen nur begrenzt erlaubt sind. Die Satzung gilt für den Kernbereich von Walldorf und umfasst insgesamt Bauvorschriften für die Gestaltung von Bauwerken, Bauteilen und Freiflächen. Wie in der Präambel der Gestaltungssatzung ausgeführt wird, ist dem Gemeinderat in erster Linie das Gespräch mit den Betroffenen wichtig. Eine Anordnung aufgrund der Satzung „kommt nur in Frage, wenn der Verhandlungsspielraum trotz intensiven Bemühens der Verwaltung um eine Einigung erschöpft ist“, heißt es.

„Manche mögen die Satzung als starken Eingriff empfinden, aber ohne Reglementierung geht es nicht“, stellte Werner Sauer (CDU) fest. Er hoffte, dass die Vernunft der Bauwilligen überwiege und betonte, dass das Gespräch mit den Bürgern Vorrang habe. Manfred Zuber sah in der Neufassung der Satzung einen „ausgewogenen Kompromiss“, der aktuelle Aspekte integriere. Obwohl „bekennender Schwarzdach-Fan“, konnte auch Fredy Kempf (FDP) zustimmen. Die Satzung schreibt rot gedeckte Dächer vor. Hans Wölz (Bündnis 90/Die Grünen) stellte den Antrag, dass Solarthermie- und Photovoltaikanlagen auch auf den sichtbaren Dachflächen vollflächig angebracht werden dürften. „Wir sind nicht für eine Begrenzung, denn was möglich ist, sollte auch zugelassen werden“, erklärte Wölz. Dieser Antrag fand aber keine Mehrheit und wurde bei vier Zustimmungen, zehn Gegenstimmen und zwei Enthaltungen abgelehnt. Die Neufassung der Gestaltungssatzung wurde mit dreizehn Ja-Stimmen, einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen beschlossen.


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