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Stadt, Kreis und Arbeitskreis Asyl informierten gemeinsam

Freiwillige Helferinnen und Helfer und leer stehender Wohnraum dringend gesucht

Das ist die Bildunterschrift

Dr. Rainer Eder, Erster Beigeordneter Otto Steinmann, Zeeshan Rahab aus Pakistan , Alfusdinay Gagigo aus Gambia, Shervan Sido aus Syrien, Michael Jungbauer, der Flüchtlings- und Integrationsbeaufragte der Stadt, und Karl Winkler, Leiter der Koordinierungsstelle des Rhein-Neckar-Kreises für die Flüchtlingsunterbringung (v.l.n.r./Fotos: Pfeifer)


Zu einer gemeinsamen Informationsveranstaltung luden am 10. Februar die Stadt und der Arbeitskreis Asyl in das Evangelische Gemeindehaus ein.


Erster Beigeordneter Otto Steinmann dankte Dr. Rainer Eder, dem Sprecher des  Arbeitskreises Asyl, stellvertretend für alle, die sich für die Geflüchteten engagieren. Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Rhein-Neckar-Kreises lobte er für ihren außerordentlichen Einsatz.

Aus den Gemeinschaftsunterkünften des Kreises werden die meisten Flüchtlinge noch dieses Jahr auf die Kreiskommunen verteilt. 170 Flüchtlinge sind aktuell noch in Walldorf, viele davon bereits in der Anschlussunterbringung. 52 weitere sollen im Laufe des Jahres durch die Kommune untergebracht werden. Knapp 70 Prozent sind Männer, zwei Drittel kommen aus Syrien. Die Stadt allein könne die Integration nicht leisten, betonte Steinmann und warb dafür, dass die bisher schon freiwillig Engagierten dabei blieben und weitere hinzukämen. „Sie können uns auch helfen, wenn Sie leer stehenden Wohnraum anbieten“, sagte Steinmann und ergänzte, dass die Stadt als Zwischenmieterin auftrete.

Als Leiter der Koordinierungsstelle für die Flüchtlingsunterbringung des Landratsamts ging Karl Winkler auf die Entwicklung der Flüchtlingszahlen im Rhein-Neckar-Kreis ein. Demnach werden dem Kreis aktuell nur noch rund 50 Personen pro Monat zugeteilt. 4.600 Menschen befinden sich noch in der vorläufigen Unterbringung des Kreises. Die meisten von ihnen werden im Laufe dieses Jahres im Rahmen der Anschlussunterbringung auf die Kreisgemeinden verteilt. Seine Aussage, wonach in Walldorf die Philipp-Reis-Straße in der zukünftigen Planung des Kreises keine Rolle mehr spiele, sorgte für verwunderte Mienen. In die neu errichtete Containeranlage waren erst im November die Bewohner der vormaligen Notunterkunft in der Industriestraße umquartiert worden. Doch im Januar mussten sie schon wieder ausziehen, da die Wasserleitungen eingefroren waren. „Das Mietverhältnis wurde beendet, das ist ein laufendes Verfahren“, sagte Winkler und räumte ein: „In diesem Fall ist leider einiges schiefgelaufen.“ Winkler bedauerte, dass die Flüchtlinge in umliegenden Orten untergebracht werden mussten, da der Umbau der Gewerbehalle in der Industriestraße in eine reguläre Gemeinschaftsunterkunft noch nicht fertig sei. „Kommen diese Flüchtlinge dann wieder zurück?“, wollte eine Helferin wissen. Und ein anderes Mitglied forderte, individuell genauer zu schauen. Denn ein 61-Jähriger inmitten lauter junger lebhafter Männer, das gehe doch nicht. Nur in diesem konkreten Fall könne man versuchen, eine Rückkehr zu ermöglichen, erwiderte Winkler und verwies auf die nach wie vor großen Herausforderungen, denen sich sein Amt gegenüber sehe. Der Umbau der Gewerbehalle in der Industriestraße sei sehr durchdacht, es gebe eine Freifläche, Räume für die Ehrenamtlichen und einen 24-Stunden-Security-Dienst. „Die Flüchtlinge werden sich wohlfühlen“, versicherte er.

David Kurlberg, der Leiter des Begegnungshauses (links), mit einem Flüchtling. Die roten Fäden verbinden mit der Heimat

Rainer Eder blickte nach vorn und wies auf die zahlreichen Aktivitäten des Ak Asyl hin. „Es gelingt uns gut, Probleme gemeinsam zu lösen“, sagte er über die Zusammenarbeit mit der Stadt, aber auch mit weiteren Kooperationspartnern wie der Kleiderstube, der Tafel, den Kirchen und den Moscheegemeiden. Als Ansprechpartner stellte er den Leiter des Begegnungshauses, David Kurlberg, vor. In dem früheren Pfarrhaus in zentraler Lage, das die Stadt gekauft und zur Verfügung gestellt hat, finden (fast) alle Aktivitäten statt: das Frauenfrühstück, Sprachkurse, die Fahrradwerkstatt, für die noch dringend „Schrauber“ gesucht werden, und auch Veranstaltungen zum Kennenlernen von Walldorferinnen und Walldorfern und Flüchtlingen, wie das Improvisationstheater „Stehgreif & Guck“, das am Samstag, 18. Februar, um 20 Uhr im Begegnungshaus gastiert oder die Länderabende, an denen die Flüchtlinge ihre Heimat vorstellen. Außerdem werden Patenschaften vermittelt, Kompetenzprofile erstellt, Praktika vermittelt und Probleme aller Art geklärt - von Fragen zu den Verfahren bis hin zu der Bedeutung des Begriffs „Kehrwoche“. Das Sprachcafé bezeichnete Eder als Erfolgsmodell. „Hier wird in Gruppen oder zu zweit heftig Deutsch gebüffelt.“ Fotos und Darstellungen an den Stellwänden vermittelten am Informationsabend ein lebendiges Bild der vielfältigen Aktivitäten.

 

Gut hier angekommen
Drei Mut machende Beispiele

Mit einem pakistanischen Lied begrüßte Zeeshan Rahab die Gäste eingangs musikalisch. Dabei begleitete der Pakistaner sich selbst auf dem Harmonium, einem Instrument, das auch „Missionarsorgel“ genannt wird und sich in Pakistan großer Beliebtheit erfreut.

Rahab hat einen Arbeitsvertrag und arbeitet im „Crowne Plaza“ in Heidelberg als Servicekraft. Er werde als Christ in Pakistan verfolgt. Den Status der Anerkennung habe er aber noch nicht bekommen, sagte er und bat die Zuhörer: „Nehmen Sie mich in Ihr Gebet auf!“

Zeeshan Rahab sorgte für eine
musikalische Begrüßung

 

Zwei weitere gut integrierte Flüchtlinge stellten sich vor: Shervan Sido aus Syrien ist 21 Jahre alt und hat sein Abitur noch in Aleppo gemacht. Er ist im August 2015 nach Deutschland gekommen und hat im Sprachcafé in Walldorf schnell Anschluss gefunden und Deutsch gelernt. Der 21-Jährige hilft im Arbeitskreis Asyl bei Übersetzungen und hat sich jetzt an der Universität Heidelberg eingeschrieben.

Alfusdinay Gagigo, angehender Krankenpfleger aus Gambia, pendelt mit dem Fahrrad abwechselnd in die Philipp-Bronner-Schule nach Wiesloch und zu einer Tagespflegeeinrichtung in St. Leon-Rot. Sein Hobby sei Boxen, verriet der junge Mann, doch dafür habe er jetzt keine Zeit mehr. „Auch das Radfahren hält mich fit“, sagte er augenzwinkernd. 

Sabine Hebbelmann


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