Menüpunkt Aktuelles
Inhaltsübersicht Aktuelles  Im Überblick ► Mitreißendes Konzert auf höchstem Niveau

Mitreißendes Konzert auf höchstem Niveau

"Konzert der Stadt" mit Michael Hauber und Laurent Albrecht Breuninger

Das ist die Bildunterschrift

Violinist Laurent Albrecht Breuninger und Pianist Michael Hauber  wurden mit Bravo-Rufen verabschiedet (Foto: Pfeifer)


Einen atemberaubenden Kammermusikabend durfte das Publikum beim zweiten Konzert der Stadt Walldorf in diesem Jahr am 9. März erleben.


Musikbeauftragte der Stadt Walldorf, Prof. Gerald Kegelmann, zwei herausragende und überaus virtuose Musiker in die Laurentiuskapelle geholt. Beide Künstler harmonierten perfekt als Duo und zündeten an diesem Abend ein überaus mitreißendes musikalisches Feuerwerk. Mit Wolfgang Amadeus Mozarts 1778 entstandener Sonate für Klavier und Violine B-Dur KV 378 wurde das anspruchsvolle Programm eröffnet. Der damals neue Sonatentyp, in dem Klavier und Violine gleichberechtig dialogisieren, wurde zur Sensation. Ein zeitgenössischer Kritiker beschrieb die B-Dur Sonate als „einzigartig“ und „brillant“. Heiter und beschwingt floss das Allegro moderato dahin. Herrlich sprudelten die Klaviertöne, während die Geige die schönsten und lieblichsten Melodien sang. Pianist Hauber bestach mit seinem exzellenten, leichten und klaren Anschlag. Ganz ohne Noten, mit meist geschlossenen Augen gab sich Violinist Breuninger Mozarts Musik hin. Ungemein ausdrucksstark und gefühlvoll entlockte er seiner Geige die schönsten Töne und tanzte geradezu beim Spielen. Wie ein Traum schwebte das Andantino sostenuto e cantabile leicht und gefühlvoll dahin, um dann zart zu verwehen. Temperamentvoll und schnell wurde der Schlusssatz interpretiert. Herrlich, wie Klavier und Geige in atemberaubendem Tempo in einen anregenden Dialog traten und sich die heiteren Melodien und Themen zuwarfen. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen, jede kleinste Nuance wurde gemeinsam gestaltet, ein gemeinsamer Ton getroffen, gemeinsam geatmet. Dabei wirkte alles so selbstverständlich, einfach und natürlich. In Wirklichkeit ist Mozarts Musik alles andere als einfach, aber gerade das ist die Kunst, den Hörer nie merken zu lassen, wie komplex die Komposition eigentlich ist.

Ganz andere Klänge waren in César Francks Sonate für Violine und Klavier A-Dur zu hören. Der Komponist ist vor allem als großer Organist, Kirchenmusiker und Komponist für die Orgel bekannt. Neben der Chormusik widmete er sich aber auch der Kammermusik. Die A-Dur Sonate war ein Hochzeitsgeschenk für den Geigenvirtuosen und Komponisten Eugène Ysaye. Francks Violinsonate ist für viele der Inbegriff romantisch-schwelgerischer Musik. Tatsächlich liegt hier aber auch schon eine impressionistische Stimmung in der Luft. Die strenge kontrapunktische Konstruktion der Sonate ist verquickt mit einem intensiven emotionalen Ausdruck, dem Schwelgen im süßen Duft der Harmonien. Hochromantisch begann der erste Satz. Zart, gefühlvoll und melancholisch sang die Geige über großen Klavier-Akkorden. Immer dramatischer und düsterer wurde es im zweiten Satz. Voller Leidenschaft schwang sich die Geige empor, während das Klavier in einem aufwühlenden Tastengewitter tobte. Haubers Finger jagten in unglaublicher Geschwindigkeit über die gesamte Klaviatur. Ein rasantes Wüten, in dem sich die beiden Instrumente in nichts nachstanden, begann, um sich kurz darauf plötzlich wieder zu beruhigen und anschließend in einen grandiosen Schluss zu münden. Neben dem munteren Plätschern des Klaviers im dritten Satz, ließ die Geige eine verträumte Melodie erklingen, bevor die Idylle ins Dramatische abglitt. Entfesselnde Energien, hämmernde Klavierkaskaden, leidenschaftliches Toben und Wüten, Breuningers Geigenbogen musste dabei einige Haare lassen, steigerten sich bis zum grandiosen Finale. Beide Musiker verstanden es, Energie ebenso wie Zartheit ausdruckstark zu gestalten und die unterschiedlichsten Farben aufs Schönste aufleuchten zu lassen. Wunderbar wurde die Laszivität dieser Musik, die Kombination von Poesie und Sinnesfreude, Raffinesse und Leidenschaftlichkeit spürbar. Die extremen spieltechnischen Anforderungen meisterten beide dabei virtuos und mit absoluter Perfektion.

Ludwig van Beethovens Sonate für Klavier und Violine Nr. 9 A-Dur op. 47, die sogenannte „Kreutzersonate“ sorgte für den krönenden Abschluss des Abends. Das 40-minütige Werk übertraf sowohl in seiner Länge als auch in seinem Anspruch an die Interpreten alles bisher Dagewesene. Für unspielbar erklärte der französische Geigenvirtuose Rodolphe Kreutzer, das ihm gewidmete Werk. Breuninger konnte in der Laurentiuskapelle mühelos das Gegenteil beweisen. Mit Intensität, Kraft, Ausdrucksstärke und großer Virtuosität entfesselte er ein sprühendes musikalisches Feuerwerk.  Schon mit den ersten Takten, durchweg in Doppelgriffen gespielt, zog er das Publikum in seinen Bann. Nach dem ruhigen Beginn steigerte sich die Musik bis in rasante Tremoli und halsbrecherische Läufe. Hauber stand dem Violinisten dabei in nichts nach. Ruhiger wurde es im zweiten Satz mit seinen kontrastreichen Variationen. Hauber beeindruckte mit unglaublich schnellen und langen Trillern, mit denen das Thema verziert wurde. Lieblich ließ Breuninger seine Geige singen. Nur kurz verdunkelte sich die Atmosphäre. Mit einem zarten Flageolett-Ton endete der Satz. Jäh wurde die Ruhe durch den virtuosen und überschwänglichen letzten Satz beendet. Ungebändigte Kraft, souveräne Freiheit und Mut zu den Extremen der Dynamik und des Tempos strahlte dieses Finale aus. Das Publikum wurde von dieser aufregenden und spannenden Musik wie von einem Strudel mitgerissen. Wie benommen und mit klopfendem Herzen saß es nach den letzten grandiosen Tönen da, um dann in begeisterten Applaus und Bravo-Rufe auszubrechen. Versöhnliche und ruhige Klänge aus Mozarts Violinsonate KV 296 gab es nach all der Aufregung als Zugabe mit auf den Nachhauseweg.

Carmen Diemer-Stachel


Zum Seitenanfang ▲

Text Schriftgröße
Impressum