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Öffentliche Sitzung des Gemeinderats am 25. April 2017 - Menschen unterstützen, wo immer es geht

Sozialbericht 2016/2017 online - Schulsozialarbeit stärken - Dank an Ehrenamt

Ein umfassender Bericht über die soziale Entwicklung Walldorfs für 2016/2017 lag dem Gemeinderat in seiner Sitzung am 25. April zur Kenntnisnahme vor.

Wie Erster Beigeordneter Otto Steinmann erläuterte, würden in dem Bericht neben Ausführungen zur Arbeitsmarktsituation, der Drogenberatung oder der „Plattform“ bis hin zu Angeboten für Senioren, dem Walldorf-Pass und der Möglichkeit, den Öffentlichen Nahverkehr günstig zu nutzen, die vielfältigen Bereiche abgebildet. Besonders hob er hervor, dass ein eigenes Kapitel dem „überaus breiten Angebot von privaten Initiativen und Vereinen im sozialen Bereich“ gewidmet sei. Hier zeige sich auch das breite ehrenamtliche Engagement und die Bereitschaft ganz vieler, zu helfen und Unterstützung zu leisten“, stellte Steinmann fest. „Neben den finanziellen Aufwendungen, die die Stadt im Rahmen ihrer sozialen Angebote einsetzt, ist dies ein mindestens genauso wichtiges und erwähnenswertes Element des Sozialberichts. Für dieses ehrenamtliche Engagement in den Gruppen und Vereinen kann man nicht laut genug ‚Danke' sagen“, erklärte der Erste Beigeordnete. Dem pflichteten auch die Rednerinnen und Redner aller Gemeinderatsfraktionen in ihren Stellungnahmen bei. Angesichts des Umfangs des Sozialberichts von 47 Seiten gingen sie nur schlaglichtartig auf die für sie jeweils wichtigsten Handlungsfelder ein. Alle gaben den „Lesetipp“, den Sozialbericht, der unter www.walldorf.de eingepflegt worden ist, zu studieren – es sei eine lohnende Lektüre.

Wohnungsnot  lindern

Die „drastisch gestiegenen“ Nutzerzahlen der Erziehungsberatungsstelle und der Schulsozialarbeit im Schulzentrum hätten nachdenklich gemacht, erklärte Stadträtin Hannelore Blattmann (CDU). Die Stadt habe schon frühzeitig Schulsozialarbeiter eingesetzt, um Kinder zu betreuen. Was das Schulzentrum mit knapp 2.000 Schülerinnen und Schülern angehe, müsse man zeitnah über eine Erhöhung der Schulsozialarbeit nachdenken. Das hier investierte Geld für die intensivere Betreuung der Schülerinnen und Schüler sei gut angelegt, war sich Hannelore Blattmann sicher. Angesichts der Wartelisten für städtische Wohnungen mit 132 Bewerbern mit Berechtigungsschein regte sie an, die weiteren Wohnungsbauprojekte in der Heidelberger Straße/Hebelstraße und der St. Ilgener Straße/Kolpingstraße vorrangig zu behandeln. Dank der im Herbst 2017 fertiggestellten 26 Wohnungen in der Bürgermeister-Willinger-Straße würde die Liste zwar etwas kürzer, doch wie schon von 2015 auf 2016 würde sich die Bewerberzahl sicher wieder erhöhen. Sie äußerte auch die Sorge, dass viele Bewerber um altersgerechtes betreutes Wohnen nicht in den Genuss einer solchen Wohnung kommen würden. Eine neue Wohnanlage solle zwar Formen annehmen, aber könne man nicht die Caritas oder die Diakonie sowie die Kirchenschaffnei, die ja auch Grundstücke habe, mit ins Boot holen, fragte Blattmann. Dr. Andrea Schröder-Ritzrau (SPD) ging zunächst auf die Kinderarmut in Walldorf ein. Mit Hinweis auf einen Bericht des Magazins „Der Spiegel“ (vom 15. April 2017, Anm. d. Red.), in dem von „Rundum-sorglos-Paketen“ für die Walldorfer Bürger geschrieben wird, meinte sie, dass die Kinderarmut hier leider nicht erwähnt werde. In Walldorf lebten sechs Prozent der Kinder in Armut. Gerade in Walldorf sei es daher wichtig, freiwillige soziale Angebote zu machen. Sie sei sich sicher, dass jeder Cent, der in präventive, unterstützende und beratende Maßnahmen gesteckt werde,  dem gesellschaftlichen Zusammenhalt diene und auf lange Sicht auch finanziell entlaste. Weiterhin bat sie darum, sobald die Zahlen der Erziehungsberatungsstelle für 2016 vorlägen, zu beraten, ob hier aufgestockt werden solle. „Eine Steigerung der Beratungszahlen um fünfzig Prozent ohne höhere Personalkosten – wir sehen da Klärungsbedarf“, so Schröder-Ritzrau. Die Erziehungsberatung könne als niederschwelligstes der Angebote gesehen werden, bevor die Schulsozialarbeit greife oder mit ihr „Hand in Hand“ gehe. Bei der Schulsozialarbeit in allen Schulformen, besonders aber am Schulzentrum, sei ein enormer Zuwachs an Bedarf entstanden. Einer notwendigen Aufstockung werde die SPD zustimmen, kündigte sie an. Das Geld werde hier nicht in Beton, sondern in Menschen investiert und amortisiere sich gerade deswegen. Dranbleiben müsse man auch an der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, erklärte Andrea Schröder-Ritzrau, zu der bestehenden Wohnungsnot. Ein weiterer Punkt des Sozialberichts beschäftigte sie noch, für den sie eine redaktionelle Änderung anregte. Erwähnt wird im Sozialbericht, dass sich Einwohnerinnen und Einwohner mit Migrationshintergrund nicht immer an die im Mietvertrag festgelegten Alltagspflichten halten. Darin könne man eine  „unangemessene Verallgemeinerung“ sehen. Die SPD-Fraktion distanziere sich von diesem Absatz, erklärte Schröder-Ritzrau, und empfahl der Verwaltung, den Passus nochmals zu überdenken. „Wenn es in Walldorf Probleme gibt, müssen sie auch im Sozialbericht aufgezeigt werden dürfen. Aus falsch verstandener ‚political correctness‘ sollten keine Sachverhalte ungesagt bleiben. Denn nur wenn unerwünschte Sachverhalte ehrlich und richtig bewertet werden, können Lösungen gefunden werden“, war dazu die Meinung der FDP-Fraktion, die Stadträtin Dagmar Criegee äußerte. „Eine Rundum-sorglos-Stadt sind wir leider nicht“, sagte Horst Dobhan (Bündnis 90/Die Grünen), aber es gebe viele gute und nachhaltige Leistungen für die Bürger. Trotz Reichtum gebe es auch in Walldorf von Armut bedrohte Personen. In den Armutsstatistiken lägen vor allem Frauen mit 86 Prozent vorn. Die Arbeitslosigkeit sei immer noch hoch, wobei sich die Jugendarbeitslosigkeit geradezu „kometenhaft verdreifacht“ habe. Dobhan ging auch auf die Anzahl der im Jahr 2016 bei der Stadt gestellten Leistungsanträge ein, darunter 534 Anträge auf einen Walldorf-Pass. „Die Angebote der Stadt sind umfangreich, sind aber dennoch immer wieder zu prüfen und zu ergänzen“, meinte Horst Dobhan. Stadträtin Hannelore Blattmann stimmte er zu, aufgrund der Wohnungsnot die angedachten Baumaßnahmen zügig umzusetzen.

Sozialticket bekannter machen

Dobhans Fraktionskollege Wilfried Weisbrod nahm noch Stellung zum Thema Sozialticket. „Es ist ein Armutszeugnis, was aus dem Antrag auf Einführung des Sozialtickets geworden ist, der im Juli 2016 befürwortet wurde“, lautete seine Kritik. Nachdem der Rhein-Neckar-Kreis sich nicht in der Lage gesehen habe, das Sozialticket einzuführen, habe man dies in Walldorf auf den Weg gebracht. Von 371 Anspruchsberechtigten hätten jedoch bisher nur sieben einen Antrag gestellt. Hier gebe es noch „Entwicklungsbedarf nach oben“. Er schlug vor, die Information an die Körperschaften zu schicken, die mit den Betroffenen zu tun haben, wie zum Beispiel der Rhein-Neckar-Kreis, die Jobcenter oder Arbeitsagenturen. Der Zuschussbedarf betrage 39,60 Euro, die Leistungsempfänger zahlten ihren mobilen Anteil, rund 40 Euro, selbst.

Dagmar Criegee (FDP) erklärte noch, dass an den im Sozialbericht erwähnten Projekten, die der Lösung sozialer Schwierigkeiten dienten, zur Hälfte ehrenamtlich Engagierte beteiligt seien. Deren Motivation sei, etwas für andere tun zu wollen, Mut zu machen und sich gegenseitig besser kennenzulernen, was vor allem den Umgang mit Zugewanderten erleichtere, für die Walldorf Heimat werden könne. Sie sprach noch den Sozialfonds der Stadtwerke an, der die Möglichkeit eines Zuschusses zu Rechnungen der Stadtwerke für Bedürftige eröffne. Auf diese Möglichkeit sollten die Mitarbeiter der Stadtwerke stärker hinweisen, wenn man man sich zum Beispiel nach Ratenzahlung bei Nachzahlungen bedürftiger Familien erkundige. Diesen Hinweis vermisste sie.

„Wir mildern individuelle Armut, die es überall gibt, an allen Ecken und Enden ab“, erklärte Bürgermeisterin Christiane Staab. Der Sozialbericht zeige auf, dass in Walldorf ein hohes Bewusstsein bestehe, Menschen zu unterstützen, wo immer es gehe. Ihr herzlicher Dank ging in diesem Zusammenhang an alle Ehrenamtlichen.

Stadtrat Hans Wölz (Bündnis 90/Die Grünen) regte abschließend noch an, sich eventuell in einer Klausurtagung mit der „demografischen Zukunft“ Walldorfs zu befassen. Man müsse Gedanken entwickeln, die „über den Horizont hinaus wirken“.


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