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Öffentliche Sitzung des Gemeinderats am 19. Juni 2018 - innoWerft auf gutem Kurs

Das ist die Bildunterschrift


Wichtige Weichenstellungen für die innoWerft nahm der Gemeinderat in seiner öffentlichen Sitzung am 19. Juni vor. Er hatte über eine freiwillige Zuzahlung in die Kapitalrücklage der innoWerft um bis zu 2,5 Millionen zu entscheiden. Einstimmig sprach sich das Gremium dafür aus und gibt damit dem in Walldorf angesiedelten Technologie- und Gründerzentrum „Rückenwind für weitere zehn Jahre“, worum Geschäftsführer Dr. Thomas Lindner gebeten hatte.


In der 2010 ins Leben gerufenen innoWerft beteiligen sich die Stadt Walldorf, die SAP SE und das Land Baden-Württemberg, vertreten durch das Forschungzentrum Informatik Karlsruhe (FZI). Die innoWerft verstehe sich als „Inkubator“ für Start-ups und habe seit ihrer Gründung über tausend Gründer in mehr als zweihundert Start-ups beraten, so Lindner. Aktuell gebe es zehn aussichtsreiche Beteiligungen.

2010 wurde die innoWerft mit Eigenkapital in Höhe von fünf Millionen Euro ausgestattet, davon stammten 42,5 Prozent, damals 2,12 Millionen Euro, aus Walldorf.  Anlass für den Tagesordnungspunkt war die Tatsache, dass das vorhandene Kapital nur noch bis Ende 2020 reicht. Anders als andere Unterstützungsprogramme „versprechen wir unseren Start-ups, sie über ihre Lebenszeit zu begleiten“, erklärte Thomas Lindner und auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der innoWerftb rauche man Gewissheit in Sachen Finanzen. Von der SAP, mit der Gespräche wegen des finanziellen Nachschusses geführt wurden, seien positive Signale gekommen, sofern die anderen Gesellschafter teilnähmen, berichtete Lindner. Heute müsse der Walldorfer Gemeinderat entscheiden, danach folgten die Gespräche mit dem Land.

Stärken ausgebaut - aus Fehlern gelernt

„In der innoWerft wurde viel richtig gemacht“, stellte Lindner fest, aber zu Beginn habe man die falsche Beteiligungsform gewählt. „Wir haben aus Fehlern gelernt und heute haben wir ein besseres Unterstützungsprogramm als zu Beginn.“  Ursprünglich sei geplant gewesen, dass die Anschubfinanzierung ausreichen sollte, um die innoWerft aus Beteiligungserlösen zu finanzieren. „Das war schon 2010 ein kühnes Projekt“, meinte Linder, bei dem dies  2015, als er Geschäftsführer wurde, für Sorgenfalten gesorgt habe. Mit einem verbesserten Finanzierungsmodell soll die innoWerft nun in ruhigeres Fahrwasser kommen. Dazu gehört als ein wichtiges Standbein das Einwerben von Fördermitteln. Im Verbund mit Mannheim und Heidelberg sei hier 2017 ein wesentlicher Erfolg gelungen. Für das Projekt „Up2B“ bekam das Trio eine Million Euro aus dem Europäischen Sozialfonds und aus Landesmitteln. Lindner sieht dies als „Regionenaufgabe“. „Walldorf allein hat nur schwer die nötige Sichtbarkeit in Europa und der Welt“, so Lindner, der aber auch einen Imagegewinn und viel Aufmerksamkeit für Walldorf sieht. So habe Ministerpräsident Winfried Kretschmann „uns mehrmals als Vorzeige-Public-Private-Partnership“ bezeichnet.

Drittelfinanzierung

Lindners Ziel ist es, die Finanzierung künftig gleichermaßen aus den drei schon bestehenden aber noch ungleich sprudelnden Quellen zu speisen. Heute stammengut 80 Prozent aus der Stammeinlage, knapp 20 Prozent aus Förderprojekten und ein zu vernachlässigender Anteil von Unternehmen und aus der Beteiligungsbörse. Für Unternehmen könne die Zusammenarbeit mit der innoWerft einen Mehrwert schaffen, so Lindner. Vor allem mittelständische Betriebe müssten sich Innovationen in der Informationstechnologie stellen, meinte er. Er glaube zwar an  Beteiligungserlöse, doch böten sie keine gute Planungsgrundlage, da die Start-ups der innoWerft sich in der Regel in einem sehr frühen Stadium befänden. Die Wartezeit sei daher sehr lang. Die von ihm favorisierte Drittelfinanzierung will er bis 2025 aufbauen. Mit diesem Konzept und dem Nachschuss für die Kapitalrücklage sei die innoWerft „für die nächsten zehn Jahre gut gewappnet“.

„Wir hoffen, dass aus dem zarten Pflänzchen ein Erfolgsmodell wird“, meinte Stadtrat Dr. Gerhard Baldes (CDU). Walldorf sollte es sich als Standort der SAP leisten, Innovation und Ideen zu fördern. Wenn die SAP und das Land sich in gleicher Höhe beteiligten, schlage man einen sicheren Weg ein, so Baldes. Er sei hier zuversichtlich. Das Geld sei gut angelegt. Er erinnerte daran, dass Walldorf ja selbst von dem Mut und dem Unternehmergeist der SAP-Gründer „in ungeahnter Weise“ profitiert habe. So sei es richtig, dass Walldorf einen Beitrag leiste und einen kleinen Teil der gewaltigen Gewerbesteuereinnahmen, die die SAP Jahr für Jahr generiere, zurückgebe. Die Start-ups bräuchten über 2020 hinaus eine sichere Basis. Auch wenn Walldorf keine Universität habe, sei Walldorf als Standort der SAP ein „perfekter Ort“ für die innoWerft, meinte Stadträtin Dr. Andrea Schröder-Ritzrau (SPD). Der Name „Inkubator“ sei der richtige, denn das Technologie- und Gründerzentrum sei wie ein Brutkasten, ein geschützter Raum, um zu wachsen und selbständig zu werden.  Maximaler Gewinn sei nicht das Ziel. Die innoWerft sei kein „Brutkasten“ von der Stange.  Fehler habe man erkannt und  die Richtung gewechselt, maßgeblich mit Dr. Lindner als Strategen. Die innoWerft könne Erfolge vorweisen. Sie habe sich einen guten Ruf erarbeitet und sei überregional gut eingebunden. Ob das Land seinen Teil zuschieße, wisse man noch nicht. Wenn das Geld vom Land nicht käme, würde das aber nicht bedeuten, dass man dem Inkubator den Strom entziehe. Der Finanzplan sei realistisch. Stadtrat Walter Hecker (Bündnis 90/Die Grünen) berichtete, dass man in der Fraktion viel diskutiert habe, da es sich um keine geringe Summe handle. Man müsse vom schlimmsten Fall, dem „worst case“ ausgehen. Selbst falls es bei den Start-ups nur Fehlschläge gebe, nähmen die jungen Unternehmer die bei der innoWerft erhaltenen Erkenntnisse und Erfahrungen mit. Es sei also volkswirtschaftlich nicht schädlich, denn die Saat könne auch später noch in einem anderen Feld aufgehen. Walldorf sollte sich diese Art der Wirtschaftsförderung leisten, denn wenn man in den letzten Jahrzehnten wirtschaftlich soviel Glück gehabt habe wie Walldorf, müsse man ins Risiko gehen. Die Zustimmung sei aber davon abhängig, dass die „Gesellschafter bei der Stange bleiben“. Beim innoWerft-Gesellschafter FZI sei ein Schwerpunkt der Forschung Energie. Falls ein Start-up in dieser Richtung unterwegs sei, habe man mit der MVV einen guten strategischen Partner. „Die innoWerft ist gut etabliert“, meinte Stadtrat Fredy Kempf (FDP). Natürlich könne nicht jeder Stapellauf von Erfolg geprägt sein. Junge dynamische Leute könnten hier kreativ und innovativ wirken. Die Zusage der SAP im Hintergrund habe die Entscheidung der FDP-Fraktion erleichtert. Man sei, sicher, dass der „worst case“ bis 2025 nicht eintrete. Bei den letzten Geschäftszahlen seien die Kosten nicht mehr so gestiegen wie die Gewinne aus Beteiligungen, auch wenn diese zunächst gering seien.

„Sie haben einen großen Vertrauensbeweis erhalten“, meinte  Bürgermeisterin Christiane Staab zu Geschäftsführer Thomas Lindner. Lindner habe geholfen, einen neuen, erfolgsversprechenden Kurs für die innoWerft zu finden, den man nun verfolge.


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