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Öffentliche Sitzung des Gemeinderats am 19. Februar 2019 - Wie kommt der Verkehr wieder in Fluss

Das ist die Bildunterschrift
Wie viele Autos sind tagtäglich ins Walldorfer Gewerbegebiet-Süd unterwegs? Dieser Frage geht ein vom Gemeinderat in Auftrag gegebenes Verkehrsgutachen auf den Grund. Der Analyse sollen Lösungsvorschläge folgen. Hier ein Eindruck vom "Monsterknoten" (Foto: Pfeifer)


Das Thema Verkehr beschäftigt Walldorf und die Region. In Walldorf hat vor allem die erfolgreiche Weiterentwicklung des Gewerbegebiets-Süd mit dem SAP-Campus dazu geführt, dass das Verkehrssystem die Grenzen der Belastbarkeit erreicht.

Zukünftig sollen bei der SAP im Bereich Walzrute noch weitere 3.000 Arbeitsplätze entstehen. Mit der Promega GmbH am Gutenbergring und John Deere am Bahnhof Wiesloch-Walldorf kommen zwei große Firmen nach Walldorf mit insgesamt über 400 Mitarbeitern, von denen die meisten nach Walldorf pendeln dürften. Vor diesem Hintergrund und auch auf Grundlage des mit dem Land und weiteren Kooperationspartnern geschlossenen Mobilitätspakts hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am 19. Februar ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben.

Wie Stadtbaumeister Andreas Tisch in der Sitzung ausführte, sollen „die Leistungsfähigkeit des Verkehrssystems und die noch in ihm steckenden Potentiale“ untersucht werden. Der Auftrag in Höhe von knapp 70.000 Euro geht an die Karlsruher PTV-Gruppe, die schon mehrfach für Walldorf tätig war und ein umfangreiches Angebot zur Verkehrsanalyse abgegeben hatte, das bereits im Ausschuss für Technik, Umwelt, Planung und Verkehr (TUPV) diskutiert worden war. Die Analyse soll die Grundlage liefern für weitere „intensivere Betrachtungen“, stellte Andreas Tisch fest.

Verbesserungen ausloten

Stadtrat Dr. Gerhard Baldes (CDU) sprach angesichts der an sich sehr positiven Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Walldorf und des damit einhergehenden hohen Verkehrsaufkommens von „Segen und Fluch“ zugleich. “Wir stoßen verkehrstechnisch an unsere Grenzen“, sagte er. Es sei daher notwendig, die Gesamtsituation zu betrachten. Der Mobilitätspakt mit dem Land und weiteren Projektpartnern sei ein Ansatz, Verbesserungen auszuloten. Der geplante Ausbau der L 723 in Richtung Rauenberg sei zwar gut, komme aber zu spät, so Baldes. Er befürchtete, dass diese Verbesserung durch den geplanten Ausbau der A 5 wegen des Umleitungsverkehrs „wieder aufgefressen“ werde. Er fand es aber wichtig, durch das Gutachten Daten zu bekommen, auch in Hinblick auf die Situation am Monsterknoten. Enttäuscht zeigte er sich erneut von der Planvorstellung des Regierungspräsidiums zum Ausbau der Bundesautobahn A 5 (siehe „Walldorfer Rundschau Nr. 7/2019), in der keine zusätzliche Ausfahrt am Bründelweg vorgesehen ist. „Wir hoffen, dass das Schreiben an das Regierungspräsidium doch noch zur Umkehr führt und ein Teil des Verkehrs nach St. Leon-Rot und zu den Parkplätzen auf dem SAP-Campus direkt abfließen kann. Hier sind aber noch dicke Bretter zu bohren“, so Baldes. Die Stadt sei zwar nicht alleinige Herrin des Verfahrens, meinte er, doch man sei es den Bürgern schuldig, die Leistungsfähigkeit des Verkehrssystems „optimal zu erhalten“. Dies sei auch für die SAP wichtig. Er sei gespannt auf die Ergebnisse. „Man kann und muss sagen, dass unsere Verkehrssituation am Anschlag ist“, stellte Stadträtin Dr. Andrea Schröder-Ritzrau (SPD) fest, die auch von einem „Kollaps“ sprach. Sie sprach sich ebenfalls für die „ganzheitliche Betrachtung der Verkehrsströme“ aus, auch um belastbare Zahlen für den dringenden Wunsch nach einer zusätzlichen Ausfahrt im Zuge des A5-Ausbaus zu bekommen. Angesichts der Tatsache, dass „gut ein Drittel“ der Kohlendioxidemissionen durch die auf der Walldorfer Gemarkung fahrenden Autos komme, müsse man zusehen, „einen Hebel zu finden, der wirklich etwas bewirkt bei der CO₂-Reduktion“, erklärte sie. Wenn die SAP es schaffen könne, den Auto-Pool um die Hälfte zu reduzieren, „müssten wir uns gar nicht um Photovoltaik-Anlagen streiten“. Sie sprach sich für einen „sicheren, funktionsfähigen, gut abgewickelten Verkehr aus, vor allem im Industriegebiet, wo der meiste Verkehr auftrete. Neben Anregungen zu den Aufgabenstellungen für das Gutachten, bat sie noch um die Information, wer die eigentliche Verkehrszählung durchführen werde und was diese koste. „Täglich bleibt viel Lebensqualität im Stau hängen“, stellte Stadtrat Günter Lukey (FDP) fest. Der Elektromobilität gehöre zwar ohne Zweifel die Zukunft, aber dadurch gebe es nicht weniger Autos. „Wir brauchen zielführende Maßnahmen“, so Lukey. Es fehle der Platz für neue Trassen, daher müssten die bestehenden ausgebaut und optimiert werden. Diese Aufgabe sei so umfangreich, meinte Lukey, dass das Verkehrsgutachten nur ein Teilaspekt sein könne. Es liefere hilfreiche Aspekte, aber noch keine Lösung. Er sprach sich dafür aus, Druck auf das Regierungspräsidium auszuüben hinsichtlich der Bahn und einer zweiten Autobahnausfahrt. Der öffentliche Personennahverkehr müsse  besser getaktet sein, man brauche mehr Raum für Radfahrer und intelligente Ideen für Pendler. Stadtrat Hans Wölz (Bündnis 90/Die Grünen) begrüßte es, dass die PTV-Gruppe Grundlagen liefern werde, um einen Gesamtüberblick zu bekommen. Er gab noch zu bedenken, dass man sehen müsse, wo die Stadt tatsächlich Einwirkungsmöglichkeit habe. Ihn beschäftigten auch die Parkflächen und deren Lage.

Stadtbaumeister Tisch versicherte, die Anregungen als Auftrag mitzunehmen, intensiv über das Thema einer weiteren Ausfahrt nachzudenken. „Wir sind hier alle gefordert“, erklärte Bürgermeisterin Christiane Staab. Mit der SAP würden die Ergebnisse des Verkehrsgutachtens auf jeden Fall besprochen, zumal sie auch Partnerin im Mobilitätspakt sei.


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