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Öffentliche Sitzung des Gemeinderats am 19. Februar 2019 - Bezahlbarer Wohnraum in städtischer Regie

Das ist die Bildunterschrift

Ein neues Gesicht bekommt die aktuell noch "unschöne Ecke" an der Heidelberger Straße und der verlängerten Hebelstraße. Hier das Modell des Architektenbüros Jöllenbeck und Wolf


Die weiteren Planungsschritte für die Neuordnung des Areals an der Heidelberger Straße und Hebelstraße hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am 19. Februar mehrheitlich beschlossen bei einer Enthaltung und einer Gegenstimme.


Stadtbaumeister Andreas Tisch erläuterte in der Sitzung nochmals kurz die Entwürfe der vier Büros, die im Rahmen einer Mehrbeauftragung konkurrierten. Die Jury unter Vorsitz von Stadtbaudirektor Johannes Klauser aus Freiburg hatte sich Mitte Januar einstimmig für den Entwurf von zwei Wohngebäuden mit achtzehn Wohnungen des Walldorfer Büros Jöllenbeck und Wolf entschieden (siehe „Walldorfer Rundschau“ Nr. 5 vom 2. Februar 2019), was der Gemeinderat mit seinem Votum nun bestätigte. Die Entwürfe hatte Stadtbaumeister Tisch gemeinsam mit Bürgermeisterin Staab am 22. Januar öffentlich vorgestellt. Das Gremium stimmte auch zu, die Umsetzung des Projekts als planerische Einheit zunächst in städtischer Regie fortzuführen und das Architekturbüro Jöllenbeck und Wolf mit der Erstellung der Planung bis zur Genehmigungsplanung zu beauftragen. Der Gemeinderat hatte auch über das notwendige Vergabeverfahren nach Vergabeverordnung zu befinden und beauftragte die Verwaltung mit dessen Umsetzung.

Moderate Mieten ermöglichen

Stadtrat Werner Sauer (CDU) klärte in seiner Stellungnahme die nicht so eingefleischten Walldorfer darüber auf, dass das Quartier einerseits nicht von der Hebelstraße, sondern eigentlich von der Ziegelstraße, ja vielmehr vom „Hasenwegl“ begrenzt werde. Unstrittig war für ihn, dass „die Ecke“ der Überplanung bedürfe, zumal es großen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum gebe. Als Mitglied der Jury unterstrich er, dass alle Entwürfe „hohe architektonische Qualität“ aufgewiesen hätten. Der Siegerentwurf füge sich gut ein, es gebe aber noch Optimierungsbedarf, so Sauer. Er erwähnte noch die Wohnungssuchenden, die „knapp über der Grenze des Wohnberechtigungsscheins“ lägen und an die man auch denken solle. Es sprach deshalb aus seiner Sicht viel dafür, die Planungen in städtischer Hand zu lassen und nicht einen Teil an einen Investor zu übergeben. „Die SPD-Fraktion beobachtet mir großer Sorge den angespannten Wohnungsmarkt in Walldorf“, erklärte Stadträtin Dr. Andrea Schröder-Ritzrau (SPD). Menschen in unterschiedlichen Einkommenssituationen sollten weiterhin gut in Walldorf leben und arbeiten können. Moderate Mieten müssten für Familien mit nur einem Einkommen, zum Beispiel einem mittleren Angestelltengehalt, und für junge Leute, die ihre erste eigene Wohnung suchen, möglich sein. Sie befürwortete, das Projekt in städtischer Regie zu lassen, wobei dies auch noch eine gute Geldanlage für die Stadt sei. Die Aufteilung der Wohnungen lobte sie – „das passt alles“ – plädierte aber noch dafür, einen Fahrstuhl einzubauen für Menschen mit Gehbehinderung. Insgesamt meinte sie, dass ihrer Fraktion „bezahlbares Wohnen wichtig“ sei, daher schlucke man auch „die Kröte“, dass für die Wohnungen einige Stellplätze für Autos wegfallen müssten. Im Vorfeld habe man keine Vorgaben für eine Tiefgarage gemacht, weil man überlegt habe, einen Teil der Wohnungen an einen Bauträger zu übergeben. Dieser hätte aufgrund der Kosten für den Bau einer Tiefgarage sicherlich andere Maßstäbe an die Rendite gelegt. Das könne man nun „nicht mehr heilen“. Man solle aber über eine Car-Sharing-Station für das Areal nachdenken, so Schröder-Ritzrau. Außerdem mahnte sich noch ein schon längere Zeit eingefordertes Parkraumkonzept an.

Zwei neue Wohngebäude entstehen (Visual: Jöllenbeck & Wolf)

Parkprobleme lösen

Ihre Fraktionskollegin Petra Wahl stimmte wegen des Wegfalls von Auto-Stellplätzen „schweren Herzens“ gegen das Projekt. Die engen Straßen könne man zwar nicht ändern, so Wahl, doch müsse die neue Bebauung auf den Parkdruck Rücksicht nehmen. Schon bei dem Bauprojekt Stresemannstraße/Ebertstraße habe sie nur mit „schlechtem Gewissen“ zugestimmt. Zum Wohnraum gehöre auch Parkraum und hier sei der Unmut bereits vorprogrammiert. Stadtrat Hans Wölz (Bündnis 90/Die Grünen) lobte die „qualitätvollen Arbeiten“. Auch seine Fraktion habe noch Verbesserungsvorschläge, zum Beispiel in Hinblick auf die Stellplätze für Fahrräder. Er sprach sich ebenfalls dafür aus, das Projekt in städtischer Regie zu realisieren. Man könne dann auch besser Einfluss auf die Quadratmeter-Preise nehmen. Rendite zu erzielen sei nicht das oberste Gebot der Stadt. Stadtrat Fredy Kempf (FDP) sah „gute Weiterentwicklungsmöglichkeiten“ für das Quartier dank des Wettbewerbsergebnisses. Die Trägerschaft sah er ebenfalls in städtischer Hand. Was die Auto-Stellplätze anging, machte er darauf aufmerksam, dass noch zehn öffentliche Stellplätze erhalten blieben. Es sei vielmehr „unsere Aufgabe, die Leute dazu aufzufordern, ihre Garagen nicht zweckzuentfremden“. Stadtrat Werner Sauer ergänzte noch, dass dies auch bei vielen Hofeinfahrten der Fall sei.

Auch Bürgermeisterin Christiane Staab  sprach die ungenutzten Garagen an. Der öffentliche Raum sei kein Parkplatz. „Wir müssen umdenken und unser Verhalten reflektieren“, stellte Staab fest. Allein über Parkraumkonzepte bekomme man keinen einzigen weiteren Parkplatz.  Man müsse sich „behutsam vom Auto für jeden verabschieden“, meinte sie.


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