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Öffentliche Sitzung des Gemeinderats am 5. November 2019 - Nachhaltiger Schutz für das Gewann Röhrig

Das ist die Bildunterschrift
Die Artenvielfalt soll hier über Generationen erhalten bleiben (Foto: Pfeifer)


Die Storchenwiese im Gewann Röhrig soll als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Den entsprechenden Antrag beim Regierungspräsidium Karlsruhe kann die Stadt nun stellen, nachdem der Gemeinderat sich am 5. November mehrheitlich dafür ausgesprochen hat.


Der Entscheidung, für die es dreizehn Zustimmungen gab bei vier Ablehnungen und sechs Enthaltungen, fiel nach einer längeren Diskussion. Diese machte deutlich, dass alle Mitglieder des Gemeinderats die jahrelange Entwicklung des Biotops an der Nußlocher Straße begrüßen und diese auch nachhaltig erhalten wollen, nur das „Wie“ wurde unterschiedlich gesehen.

Die Anregung, das Gewann Röhrig als Naturschutzgebiet ausweisen zu lassen, war von der Ortsgruppe Walldorf-Sandhausen des Naturschutzbundes (Nabu) gekommen, wie Klaus Brecht, Leiter des städtischen Fachbereichs Ordnung und Umwelt, erläuterte. Die Bestandsaufnahme der Nabu-Gruppe hatte ergeben, dass die so genannte Storchenwiese sich durch konsequente Pflege und durchdachtes Mähmanagement zu einem bedeutenden Brut- und Rastgebiet für mindestens 80 Vogelarten entwickelt hat. Eine beachtliche Artenvielfalt mit 168 Blütenpflanzenarten, mindestens 120 Insektenarten, darunter 42 Schmetterlingsarten, konstatiert die Nabu-Bestandsaufnahme. Insgesamt sind 38 Arten, die auf der Roten Liste, der vom Aussterben bedrohten Flora und Fauna stehen, hier zu finden. Klaus Brecht sprach von der „hervorragenden Entwicklung“ des Gewanns Röhrig, für das der Gemeinderat 2003 die Umsetzung des Biotopentwicklungskonzept beschlossen hatte. Auf den einstigen Maisäckern links der Nußlocher Straße, zwischen Wald und Hardtbach, waren in diesem Jahr alle vier Nisttürme von Störchen belegt, sogar einen Hochsitz und einen Baum beanspruchten brütende Storchenpaare für sich. Brecht erwähnte lobend, dass die Bevölkerung das Storchenaufzuchtgebiet zwar „weitgehend respektiere“, die Stadt aber den guten Zustand dauerhaft sichern und weiterentwickeln wolle. Da nicht alle Flächen der Stadt gehörten und einige Flächen, aber auch nicht alle, nur gepachtet seien, solle der Schutzstatus für die Zukunft gesichert werden.

Stadtrat Dr. Joachim Ullmann (CDU) konnte für seine Fraktion zustimmen. Er meinte, dass das Ziel der dauerhaften Wiederansiedlung des Weißstorchs erreicht worden sei. Diese „Erfolgsgeschichte“ müsse man stabilisieren. Das Naturschutzgebiet sei ein Gewinn für Mensch und Tier und bedeute aktiven Umweltschutz. Er plädierte dafür, dass die Balance zwischen Freiraum und Wohnraum stimmen müsse. Wenn man dazu nun einen Beitrag leisten könne, solle man dies tun, auch wenn dieser nicht zum Nulltarif zu haben sei. „Wir brauchen eine gesetzliche Regelung“, stellte Stadtrat Max Himberger (Bündnis 90/Die Grünen) fest. Er sei froh darüber, dass die Storchenwiese von der Bevölkerung so gut angenommen werde, doch könne man nicht sagen, wie das in zehn bis fünfzehn Jahren aussehe. Ein anderer Gemeinderat könne später auch anders entscheiden und man wisse auch nicht, wie kommende Generationen dazu stünden, gab er zu bedenken. Für die Artenvielfalt müsse man einen sicheren Lebensraum ermöglichen. Er sprach sich für rechtliche Sicherheit aus, damit das bleiben könne, was geschaffen worden sei. Die Bürger mit Grundstücken im Gewann Röhrig, sollten einen fairen Ausgleich erhalten, so Himberger.

Anders sah dies Stadträtin Dr. Andrea Schröder-Ritzrau (SPD). Sie bezweifelte Sinn und Zweck einer formalen Ausweisung. „Ist diese Ausweisung als Naturschutzgebiet notwendig?“ fragte sie. Das Konzept funktioniere und es gebe keinerlei Hinweise, dass Eigentümer von Flächen diese anders nutzen wollten. Der Vertrag mit den Grundstückseigentümern habe sechzehn Jahr gehalten, sie sehe es nun „fast als Vertrauensbruch“, eine restriktivere Situation zu schaffen. Sie konnte zwar das Ziel des Nabu verstehen, sah das Gewann Röhrig aber „per se als Naturschutzgebiet“, auch wenn dies nicht amtlich verbrieft sei. „Die Bevölkerung respektiert das Gebiet doch“, meinte sie. Die Ausweisung als Naturschutzgebiet bringe potentiell hohe Auflagen mit sich. Sie fragte noch nach, ob es die Möglichkeit eines „Bremswegs“ gebe, wenn jemand aus dem Generationenvertrag aussteigen wolle. Es sei momentan zwar keine Gefahr in Verzug, aber es gebe auch keinen „Bremsweg“, erklärte Klaus Brecht. SPD-Stadträtin Petra Wahl sah das Ansinnen von Stadt und Nabu fast als „Enteignung“ der Grundstückseigentümer an. Stadtrat Lorenz Kachler (SPD) würdigte das „Erfolgsmodell“ der Arbeit von Stadt und Nabu, kündigte aber an, nicht zustimmen zu können. Er sah die Gefahr, etwas zu blockieren. Man komme auch ohne äußere Regulierung aus, so Kachler, und müsse die Vernunft betonen. Stadträtin Dagmar Criegee (FDP) konnte für ihre Fraktion ebenfalls kein grünes Licht geben. Das Gewann Röhrig habe seine Artenvielfalt vergrößert, obwohl das Gebiet von jedem genutzt werden dürfe. Auch ohne Schutzstatus respektiere die Bevölkerung es weitgehend. Mit dem Schutzstatus, so befürchtete sie, gebe die Stadt jegliche Einflussmöglichkeit ab, da dann das Regierungspräsidium zuständig sei. Man gebe das Vertrauen zwischen Stadt und Grundstückseigentümern preis. Alles in allem sah auch sie die Ausweisung als Naturschutzgebiet als nicht notwendig an. Stadtrat Dr. Günter Willinger (FDP) sah den Eingriff in die Rechte der Eigentümer skeptisch. Man müsse kommunzieren, dass die Stadt die Flächen übernehmen wolle. Klaus Brecht bestätigte, dass die Stadt gegenüber den Eigentümern bereits mehrfach Kaufinteresse bekundet habe.

Auf Nachfrage erklärte Bürgermeisterin Christiane Staab, dass es im Moment keine akute Notwendigkeit für die Unterschutzstellung gebe, die Ausweisung als Naturschutzgebiet aber für den Nabu die „Krönung des Handelns“ sei. Auch die Stadt empfehle die Ausweisung als Naturschutzgebiet.


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