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Öffentliche Sitzung des Gemeinderats am 11. Februar 2020 - Walldorfer Blühwiesen übernehmen Pilotfunktion im Land

Das ist die Bildunterschrift
  Aufgeblühter Acker: Das Blühwiesen-Projekt soll Artenvielfalt und Landwirtschaft gleichermaßen gerecht werden (Fotos: Pfeifer)


Auf eine erfolgreiche bisherige Pilotphase der Blühwiesen auf Ackerflächen kann die Stadt Walldorf zurückblicken. Der Gemeinderat stimmte am 11. Februar einstimmig zu, das Projekt, das zunächst auf ein Jahr festgelegt war, fortzusetzen.


„Wir sind einen Weg gegangen, der relativ neu ist“, stellte Bürgermeisterin Christiane Staab fest, die berichten konnte, dass sowohl das Landwirtschaftsministerium in Stuttgart als auch das Amt für Landwirtschaft und Naturschutz des Rhein-Neckar-Kreises auf das in Baden-Württemberg bisher einmalige Projekt aufmerksam geworden seien. Beide Stellen regten bei einer Besprechung mit der Stadt an, das Blühwiesenprojekt als „Produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahme“ (PIK) fortzusetzen. Dieses Konzept verfolgt das Ziel, der Landwirtschaft weder Flächen noch den Ackerstatus zu entziehen, trotz der Verpflichtungen, die Landwirte eingehen, wenn sie ökologisch wertvolle Blühwiesen anlegen. Für die Stadt hat dieses Konzept den Vorteil, dass die Blühwiesen auf das Ökokonto als Ausgleichsmaßnahme angerechnet werden. „Das ist eine riesige Chance für das ganze Land“, meinte Staab zu diesem Projekt, für das Walldorf nun eine Pilotfunktion übernimmt. Die Lage der in die Maßnahme integrierten Flächen wechselt dabei in längstens vierjährigem Turnus.

So sah die Fläche im Jahr 2019 vor der Aussaat ökologischen Saatguts aus

Wie Klaus Brecht, Leiter des städtischen Fachbereichs Ordnung und Umwelt, ausführte, habe das von einem Walldorfer Fachbüro durchgeführte Monitoring die Nachhaltigkeit des Projekts nachgewiesen. Der Gemeinderat hatte im April 2019 zugestimmt, auf 22 Hektar Ackerfläche westlich der A 5 eines engagierten Landwirts Blühwiesen anlegen zu lassen. Im Sommer 2019 ergab das Monitoring „erfreulich viele Wildbienenarten“. Blühwiesen können „wichtige Habitate für Vögel, Wildbienen und Falter des Offenlandes darstellen“, heißt es weiter. Das Büro empfahl, dass sich die einzelnen Blühwiesen aber deutlich in ihrer Lage und Struktur unterscheiden sollten, da festgestellt wurde, dass auf zwei Blühwiesen, die für Insektengruppen sehr bedeutend waren, keine Feldlerchen brüteten. Und umgekehrt zeigten sich nur wenige Wildbienen und Falter, wo die Feldlerche sich niederließ. „Bei einer Fortsetzung der Blühwiesenaktion ist darauf zu achten, die für bestimmte Wildbienen- und Falterarten relevanten Pflanzenarten auszusäen, das Aufkommen von Wildkräutern zuzulassen und bei der Ansaat auf die ohnehin häufigen und weit verbreiteten Kulturpflanzen zu verzichten. Die Ansaatdichte sollte insgesamt reduziert werden“, so der Monitoringbericht.

Klaus Brecht berichtete, dass sich – auch auf Nachfrage der Stadt – weitere drei Landwirte für eine Projektteilnahme interessierten, so dass nun auf 27 Hektar, westlich und auch östlich der A 5, unterschiedlich strukturierte Blühwiesen angelegt werden können. Die Kosten bezifferte Brecht auf rund 63.000 Euro, bedingt durch die vergrößerten Flächen, das ökologische Saatgut und das Monitoring, das weitergeführt werden soll. In diesem Betrag sind die Entschädigung der Landwirte für Mindererträge und für ihren Mehraufwand enthalten.

Artenschwund entgegenwirken

„Die Blühwiesen sind eine Rettungsinsel für Insekten, von der ebenfalls Vögel und Kleinsäuger profitieren“, meinte Stadtrat Uwe Lindner (CDU). Dem „dramatischen Insektensterben und Artenschwund“ setze man mit dem Projekt etwas entgegen. Lindner regte noch an, den Blühstreifen entlang der Wieslocher Straße wieder aufleben zu lassen und appellierte an die Bürger, im eigenen Garten etwas für die Artenvielfalt zu tun. Flächen, die mit Steinen „zugepflastert“ seien, seien kein Beitrag. Auch Stadtrat Lorenz Kachler (SPD) freute sich über die „erfolgreiche Phase 2019“, auch wenn die Artenvielfalt noch nicht „übermäßig groß“ sei. „Das war ja erst der Anfang“, meinte Kachler. Dass die Walldorfer Initiative sogar dem Landwirtschaftsministerium aufgefallen sei, spreche für die „Einzigartigkeit“ des Projekts, das sich positiv auf das Ökokonto der Stadt auswirke und auch Vorteile für die Landwirte habe. „Das Geld ist gut angelegt für etwas Besonderes.“ Man erlebe gerade das größte Artensterben nach dem Aussterben der Dinosaurier, stellte Stadtrat Maximilian Himberger (Bündnis 90/Die Grünen) fest. Dem wirke Walldorf nun auf kommunaler Ebene entgegen. Er regte an, ein kleine biologische Exkursion in die Blühwiesen anzubieten. Weiterhin erklärte er, dass seine Fraktion die Blühwiesen auch „in die Stadt bringen“ wolle. FDP-Stadträtin Dagmar Criegee meinte, dass die freiwillige Kooperation die Biodiversität fördere. Landwirtschaft und Artenschutz würden verbunden. Auch sie appellierte an Gartenbesitzer, den Artenschutz im eigenen Garten zu fördern und „nicht ganz so gründlich aufzuräumen“. Zur Belohnung gebe es Vogelgezwitscher und Blütenduft.


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