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Öffentliche Sitzung des Gemeinderats am 17. März 2020 - Querspange soll Verkehr entlasten

Basis für weitere Gespräche mit dem Regierungspräsidium

Das ist die Bildunterschrift

Am 17. März wurde auch bei der Gemeinderatsitzung auf genügend Abstand geachtet  (Foto: Pfeifer)


Die Ergebnisse und Empfehlungen des Verkehrsgutachtens für das Walldorfer Gewerbegebiet im Süden der Stadt wurden am 17. März im Gemeinderat vorgestellt.


In dieser öffentlichen Sitzung in Zeiten der Corona-Pandemie saßen Bürgermeisterin, Verwaltungsspitze und die Mitglieder des Gemeinderats in gebührendem Abstand voneinander. Im Rund des Ratssaals war eine weitere Reihe mit Tischen und Stühlen platziert worden, um einer Infektionsgefahr vorzubeugen. Die Fraktion der FDP war der Sitzung geschlossen ferngeblieben. Die wenigen Zuhörerinnen und Zuhörer nahmen auf der Empore Platz.

Der Gemeinderat hatte das Verkehrsgutachten im Februar 2019 bei der PTV-Group Karlsruhe in Auftrag gegeben, die schon mehrfach für Walldorf tätig war. Vor dem Hintergrund, dass das Land die Autobahn A5 bei Walldorf sechsspurig ausbauen wird, das aktuelle Verkehrssystem im Gewerbegebiet-Süd an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gekommen ist und man im Mobilitätspakt Walldorf-Wiesloch gemeinsam mit Projektpartnern aus Politik, Wirtschaft und Verkehr nach Lösungen für das Dilemma sucht, sollte das Gutachten die Grundlage dafür liefern, „mit welchem Vorschlag wir an das Regierungspräsidium herantreten“, so Bürgermeisterin Christiane Staab. „Die Prognosezahlen für 2030 sind schon jetzt fast erreicht“, stellte Stadtbaumeister Andreas Tisch zum Verkehrsaufkommen fest. Mit den bei der SAP SE geplanten weiteren 3.000 bis 4.000 Arbeitsplätzen und 400 Beschäftigten bei den neuen Unternehmen Promega GmbH am Gutenbergring und John Deere am Bahnhof Wiesloch-Walldorf “stößt das System an seine Grenzen“, bestätigte Tisch. Der vom Walldorfer Gemeinderat ursprünglich in die Diskussion eingebrachten und favorisierten Variante, am Bründelweg eine weitere Ausfahrt zu schaffen, musste eine Absage erteilt werden. Verschiedene Gespräche und auch Korrespondenz mit dem Verkehrsministerium des Bundes, dem Verkehrsministerium in Stuttgart und dem Regierungspräsidium hätten deutlich gemacht, dass keine Chance auf diese zusätzliche Anschlussstelle bestehe, hieß es. Auch Gutachter Norbert Schick von der PTV kam zu diesem Ergebnis und sah eine Anschlussstelle am Bründelweg als nicht realistisch an. Man konzentrierte sich daher im Technischen Ausschuss für Planung, Umwelt und Verkehr (TUPV), dem die Konzeptansätze des Gutachtens vorgestellt worden waren, darauf, ein Konzept zu verfolgen, für das man auch die Zustimmung der übergeordneten Behörden bekommen könne.

Ziel ist, vor allem im Bereich des so genannten „Monsterknotens“ an der Kreuzung von L 598, B 291 und L 723, die Leistungsfähigkeit möglichst zu erhöhen. Dabei soll möglichst wenig Fläche verbraucht und die Wohnstadt nicht stärker von Verkehrslärm beeinträchtigt werden. Die Variante, die A5-Anschlussstelle zum Vollknoten auszubauen und die Monsterkreuzung umzubauen, die das Regierungspräsidium Anfang 2019 vorgeschlagen hatte, stieß in Walldorf nicht auf Gegenliebe. Die Verkehrsflächen würden durch den Ausbau der Monsterkreuzung näher an die Wohnstadt und vor allem an die neuen Stadtquartiere in Walldorf-Süd heranrücken. Dies will Walldorf vermeiden. „Ein solcher Umbau wäre der Supergau für Walldorf“, meinte Bürgermeisterin Christiane Staab. Ein „jahrelanges Chaos“ prognostizierte Stadtbaumeister Andreas Tisch für einen Umbau des Monsterknotens.

Die Querspange ist hier rot dargestellt und führt
vom Autobahnanschluss zur L 598 (Grafik: PTV Group)

Favorisiert wurde eine Querspange zwischen dem Autobahnanschluss West und der Roter Straße (L 598) mit einer Autobahnauffahrt nach Norden in Richtung Heidelberg. Für den Verkehr von und nach Süden und den SAP-Campus müsste eine ergänzende Anbindung geschaffen werden. Wie Stadtbaumeister Andreas Tisch ausführte, sei der TUPV dafür, die Querspange weitgehend auf der Ostseite der A 5 verlaufen zu lassen, um das große Feld nicht zu sehr  in Anspruch zu nehmen. Die PTV spricht von einer Verkehrsentlastung von sechzehn Prozent durch diese Variante.

„Wir müssen das Straßennetz planvoll ertüchtigen“, meinte Stadtrat Mathias Pütz (CDU). Von der Variante Bründelweg habe man sich „verabschiedet“, so Pütz, der die Querspangenlösung auch wegen des geringeren Eingriffs in das große Feld befürworten konnte. Stadtrat Manfred Zuber (SPD) hob hervor, dass der derzeitige Rückstau an der Autobahnausfahrt in Walldorf auch eine „große Unfallgefahr“ darstelle. Ein Grund dafür sei die völlig überlastete Monsterkreuzung. „Hier muss dringend etwas gemacht werden“, so Zuber. Er stellte aber auch fest, dass ein Umbau des Monsterknotens nicht die Lösung sein könne. Viel Fläche müsse versiegelt werden, die Kreuzung würde näher an den dritten Bauabschnitt von Walldorf-Süd heranrücken und das Baugebiet verkleinern, die Lärmbelästigung würde steigen. Zuber sprach sich daher für die Querspange aus und ein zusätzliche Einfahrt Richtung Heidelberg am Bründelweg. Dies käme der Idee einer zweiten Anschlussstelle „ziemlich nahe“, meinte er. Seine Fraktionskollegin, Dr. Andrea Schröder-Ritzrau, meinte, dass die Querspangenvariante morgens und abends eher für „zähen Verkehr“ sorgen könne, um überhaupt „vorwärts zu kommen“. Die Querspange tangiere die letzte Bebauung von Walldorf-Süd nicht zu stark. Den „absolut gefährlichen Rückstau“ könne man mit ihr mindern. „Jede neue Verbindung, jede neue Anschlussstelle bringt mehr Verkehr“, meinte Stadtrat Wilfried Weisbrod (Bündnis 90/Die Grünen). Man könne weiteren Straßen nur zustimmen, wenn auch die Betriebe bereit seien, Alternativen zu entwickeln. Er wies darauf hin, dass sich die Zahl der Pendler nach Walldorf innerhalb von fünf Jahren um 4.000 gesteigert habe. Die wenigsten Mitarbeiter der neuen Firmen kämen wohl aus Walldorf, ergänzte er. Er sprach auch den Ausbau der Arbeitsplätze bei der SAP in Walldorf und St. Leon-Rot an und forderte Gespräche mit den Firmen vor Ort, um andere Lösungen zu finden. „Wir müssen ein Signal setzen, dass etwas geschehen muss“, so Weisbrod. Auch sein Fraktionskollege Hans Wölz meinte, dass mehr Straßen nicht das Problem lösen könnten. Er sah auch den weiteren Flächenverbrauch für eine Verkehrsentlastung von etwa sechzehn Prozent kritisch und „nicht vertretbar“.

Bürgermeisterin Christiane Staab sagte, dass zu viele mit dem Auto zur Arbeitsstadt unterwegs seien, man sich aber tunlichst überlegen solle, wie man mit den Arbeitgebern umgehe. „Partnerschaft ist mir wichtig“, erklärte sie. Die SAP habe bereits Nextbike-Stationen und denke über Shuttle-Verbindungen nach. Gerne wolle man auch weiterhin für alternative Mobilität sensibilisieren. Sie zählte auch auf, dass mit der neuen Regiobuslinie zwischen Sinsheim und Walldorf, zusätzlichen Waggons der S-Bahnen, Carsharing und den Überlegungen zu einem Radschnellweg bereits viel auf den Weg gebracht worden sei. Der Straßenbau sei dabei nur ein Baustein, um der Situation Herr zu werden.

Mit zehn Stimmen sprach sich der Gemeinderat für die Querspangen-Variante für die weiteren Verhandlungen mit dem Regierungspräsidium aus. Drei Enthaltungen und zwei Gegenstimmen kamen von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.


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