Menüpunkt Kultur
Inhaltsübersicht  Kultur ► Kunstpreis 2018

Kunstpreis 2018

4. Kunstpreis der Stadt Walldorf „Skulpturen und Objekte im öffentlichen Raum“

 

 

 

Die Stadt Walldorf hat in den Jahren 2001, 2005 und 2013 Kunstpreise für Malerei sowie Skulpturen und Objekte ausgelobt. Nach fünf Jahrenist es wieder an der Zeit, einen Kunstpreis auszuschreiben für „Skulpturen und Objekte im öffentlichen Raum“ in der städtebaulichen Achse vom westlichen bis zum östlichen Ortseingang.

 

Ausloberin:    

Stadt Walldorf, Nußlocher Straße 45, 69190 Walldorf

 

Zweistufiger Wettbewerb:

Aus den eingegangenen Bewerbungen wird eine Jury 11 Beiträge zum Kunstpreis-Wettbewerb auf den von der Stadt vorgeschlagenen Standorten zulassen.

 

Teilnehmer:     

Künstlerinnen und Künstler mit Wohnsitz oder Geburtsort in der Metropolregion Rhein-Neckar und Baden-Württemberg
 

Bewerbungsunterlagen:

Die Bewerbungsunterlagen können schriftlich bei der Stadt Walldorf, "Kunstpreis", Nußlocher Straße 45, 69190 Walldorf, oder unter kunstpreis[at]walldorf.de angefordert werden.

Einzureichen sind das ausgefüllte Anmeldeformular, ein kurzer Lebenslauf mit künstlerischem Werdegang. Dazu jeweils drei Fotos von maximal zwei bereits fertigen Skulpturen, Plastiken und Objekten. Alternativ jeweils drei Skizzen von maximal zwei Objektvorschlägen, die vor Ort geschaffen oder vollendet werden sollen. Zu den vorgeschlagenenen Kunstwerken sind Angaben über die künstlerische Intention, den gewünschten Standort, Material und Größe mitzuliefern. Die Bewerbungsunterlagen werden nach Abschluss des Wettbewerbs nur nach Anforderung zurückgeschickt.

Hier geht es zum Anmeldeformular

 

Abgabetermin:

21. Februar 2018

 

Künstlerauswahl / Festlegung der Standorte: 

Die 10-köpfige Jury setzt sich aus füfn Künstlern, der Bürgermeisterin und vier Vertretern der Fraktionen zusammen. Sie wird am 1. März 2018 aus den eingereichten Unterlagen die Kunstobjekte auswählen, die für den Kunstpreiswettbewerb zugelassen werden und deren  Standorte festlegen, die gegebenenfalls auch vom ursprünglichen Vorschlag abweichen können.

Präsentation der Kunstobjekte:         

Die zugelassenen Kunstobjekte können am 3. März 2018 besichtigt werden.

Preissumme und Bewertung:             

Der Kunstpreis ist mit insgesamt 15.000 € dotiert. Davon sind 7.500 € für den ersten, 4.500 € für den zweiten und 3.000 € für den dritten Preis vorgesehen. Die Jury behält sich vor, die Preissumme anders aufzuteilen. Die Jury vergibt den Kunstpreis voraussichtlich in der 17. Kalenderwoche. Ihre Entscheidung ist                unanfechtbar, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ankäufe:

Der Gemeinderat behält sich vor, eine Arbeit anzukaufen.  Sollte es sich um eine prämierte Arbeit handeln, wird die Preissumme beim Erwerb angerechnet.

Transport und Montage:

Die Teilnehmer transportieren, erstellen bzw. montieren ihre Objekte auf eigene Kosten. Für die zugelassenen Objekte, die keinen Preis erhalten, werden 700 € Transportpauschale ausbezahlt. Die Objekte müssen in der 16. Kalenderwoche, spätestens am 20. April aufgestellt sein und in der 41. KW wieder abtransportiert werden.  
 

Risiko/Versicherung:

Die Skulpturen und Objekte sind Eigentum der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler. Ein Anspruch auf Erwerb durch die Stadt besteht nicht. Der Veranstalter des Wettbewerbs wird die aufgestellten Kunstobjekte nicht versichern. Die Teilnehmer tragen das volle Risiko bei Diebstahl und Sachbeschädigun. Werden bei Aufstellen der Objekte Fundamente bzw. Verankerung erforderlich, sind diese einvernehmlich mit dem Fachbereich Planen und Bauen der Stadt herzustellen. Der Bauhof wird hierbei behilflich sein.  

Walldorf, 1. November 2017

Hier geht es zu den Informationen zu den Standorten

 

      

 

 

 

 


                      


     


Kunstpreis nimmt Gestalt an

Das ist die Bildunterschrift

Die Jury bei der Arbeit: (v.l.n.r.) Hartmuth Schweizer, Tom Feritsch, Bürgermeisterin Christiane Staab, Elvira Dick, Ursula Schöndeling, Professor Dr. Andreas Franzke, Dr. Gerhard Baldes, Lorenz Kachler, Günter Lukey. Keine Jury-Mitglieder, aber ebenfalls bei der Sitzung unterstütztend dabei: (2. Reihe, v. l.n.r.) Erster Beigeordneter Otto Steinm ann, Stadtbaumeister Andreas Tisch, Heike Schweizer und Lisa Schönberger (Fotos: Pfeifer)


Bereits zum vierten Mal hat die Stadt Walldorf einen Kunstpreis ausgeschrieben. Unter dem Thema „Skulpturen, Plastiken und Objekte im öffentlichen Raum“ konnten Künstlerinnen und Künstler seit November 2017 ihre Arbeiten einreichen. Nach Ablauf der Bewerbungsfrist am 21. Februar hat am 1. März eine fach- und sachkundige Jury darüber entschieden, welche Werke es bis zur Präsentation an zehn bereits festgelegten Standorten schaffen.


„Bei einer Gemeinde unserer Größenordnung zeigt sich die Nähe des Gemeinderates zur Kunst und ihrer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“, zeigte sich Bürgermeisterin Christiane Staab sehr erfreut darüber, dass der Gemeinderat wieder beschlossen hatte, nach fünf Jahren Pause erneut einen Kunstpreis auszuloben. Ihr besonderer Dank galt dem Ersten Beigeordenten Otto Steinmann und seiner Mitarbeiterin Heike Schweizer, die gemeinsam dafür verantwortlich zeichnen, „dass die Kunst ein so zentrales Thema in Walldorf ist und ein solcher Preis, wie ihn sonst nur große Städte ausloben, in Walldorf machbar ist.“

Die zehnköpfige Jury unter Vorsitz von Professor Dr. Andreas Franzke, dem früheren Rektor der Akademie der bildenden Künste Karlsruhe, hatte die Qual der Wahl, aus 34 anonymisierten  Bewerberinnen und Bewerbern mit insgesamt 54 Arbeiten die besten auszuwählen. Hartmuth Schweizer, selbst Künstler und Kunstbeauftragter der Stadt Walldorf, betonte die hohe Qualität der eingereichten Arbeiten, die als Fotos, Fotomontagen, Skizzen und wenigen Modellen vorlagen. Die schwierige Aufgabe der Jury bestand vor allem darin, die Interessen der Öffentlichkeit mit den Anforderungen der Kunst sowie der Künstlerinnen und Künstler abzuwägen. Als Sachpreisrichter fungierten Bürgermeisterin Christiane Staab sowie Dr. Gerhard Baldes, Horst Dobhan, Lorenz Kachler und Günter Lukey als Vertreter des Gemeinderats. Diese fünf Vertreter der Kommunalpolitik entschieden nach Aussage von Hartmuth Schweizer quasi als „Geldgeber“ sehr engagiert und ernsthaft an Kunst interessiert. Der Kunstpreis ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert. Davon sind 7.500 Euro für den ersten, 4.500 Euro für den zweiten und 3.000 Euro für den dritten Preis vorgesehen. Für die hohe fachliche Kompetenz sorgten im Preisgericht Ursula Schöndeling, Direktorin des Kunstvereins Heidelberg, der freischaffende Künstler Tom Feritsch, die Walldorfer Künstlerin Elvira Dick und Hartmuth Schweizer. „Kunst ist das, was den Menschen zum Menschen macht. Diese Form des Menschseins muss unterstützt werden und darin ist Walldorf vorbildlich“, erklärte Hartmuth Schweizer, der die Neuauflage des Kunstpreises ebenfalls sehr begrüßte.

Auch auf eine "Sitzende" darf sich Walldorf wieder freuen: "Anette Aussicht" heißt diese Skulptur von Birgit Feil

Andreas Franzke beurteilte die Arbeiten als „ausnahmslos gute und sehr gute Ideen“. Franzke, der bereits 2005 und 2013 den Vorsitz der Jury hatte, lobte die Vielfalt und Qualität der Arbeiten und betonte, dass er die Aufgabe eines Jurors in Walldorf auch wegen der „hervorragenden Organisation“ immer wieder gern übernehme. Da die Wirkung eines Kunstwerkes im öffentlichen Raum im Wesentlichen von der Wechselwirkung zwischen Raum, also Standort, und dem Objekt selbst, dessen Material und Größe, abhängt, prüfte  Stadtbaumeister Andreas Tisch im Vorfeld geeignete Standorte. In die Diskussion war auch sein Vorgänger im Amt, Dieter Astor, einbezogen.  „Wir wollen mit den zehn ausgewählten Standorten ganz bewusst eine Verbindung schaffen vom östlichen Ortseingang bis zum Ikea-Kreisel im Westen“, erklärte Erster Beigeordneter Otto Steinmann die Wahl der städtebaulichen Achse zwischen dem Kreisel an der Nußlocher Straße über die Hauptstraße, den Kasernenhof am Pflegezentrum Astor-Stift bis zum Kreisel in der Josef-Reiert-Straße. In den kommenden Wochen werden die Künstlerinnen und Künstler bis Mitte April dafür sorgen, dass ihre Werke an Ort und Stelle ihren Platz finden. Voraussichtlich am 25. April erfolgt dann die endgültige Jury-Prämierung der drei besten Arbeiten. Spannend wird es dabei bei zwei Künstlern. Bei dem Aktionskünstler Adam Cmiel, der bereits beim Kunstpreis 2013 mit einer Arbeit vertreten war, besteht das Werk an sich in einer Live-Performance und bei Wolfgang Folmer erlebt man den Künstler ebenfalls live in Aktion, was die Entstehung von Kunst sichtbar macht. Bei beiden ist der Dialog mit dem Künstler möglich und erwünscht.

"Kartenhaus" von Manfred Emmenegger-Kanzler

Auf Anregung aus der Bevölkerung beim letzten Kunstpreis 2013 wird es in diesem Jahr, wie vormals beim Kunstpreis 2005,  auch einen Publikumspreis geben. Das Publikum ist also aufgerufen, im Laufe des Sommers die Kunstwerke, die bis zum Herbst vor Ort bleiben, auf sich wirken zu lassen und ihre Stimme abzugeben. Zum Ablauf dieser Publikumswahl wird es zu einem späteren Zeitpunkt noch weitere Informationen geben. Nach der Prämierung im April soll es einen offiziell geführten Rundgang geben. Einen Blick auf die eingereichten Arbeiten konnten Interessierte am Samstag in den Integra-Räumen werfen, wo auch die Jury getagt hatte. Künstler Klaus Proissl, der zu den "Ausgewählten" zählt, kam ebenfalls vorbei. 

Kerstin von Splényi

 

Die Künstlerinnen und Künstler und ihre Werke

Frank Altmann, Vogelhaus
Adam Cmiel, unsichtbares sichtbar
Manfred Emmenegger-Kanzler, Kartenhaus
Birgit Feil, Anette Aussicht
FEROSE, Eisenplastik ohne Titel
Wolfgang Folmer, beschrifteter Baumstamm (namenlos)
Frieder Kobler, TriColore
Klaus Proissl, Allmende-Baum
Claudia Urlaß, Turm(garten)
Konrad Wallmeier, Unplugged
Ralf Weber, gate II


Kunstpreis 2018: Auftakt mit der TriColore

TriColore von Frieder Kobler


Als erster der elf für den Kunstpreis 2018 der Stadt Walldorf ausgewählten Künstler hat Frieder Kobler aus Assmannshardt dieser Tage sein Objekt TriColore aufgestellt.


Der Standort ist am östlichen Walldorfer Ortseingang an der Nußlocher Straße. Die drei Stelen in den Farben Grundweiß, Grundrot und Grundgrün „wachsen“ aus einer Stahlplatte. Durch die Anordnung der Stelen in verschiedenen Winkelgraden ergibt sich ein interessantes Licht- und Schattenspiel. Das Objekt will umrundet werden, denn es bietet bei jedem Schritt eine neue Farbkombination und einen veränderten Lichtdurchlass. Die Standorte der kommenden Kunstwerke liegen auf einer Achse von Ost nach West.
__________________________________________________________________________________________

Schöner wohnen?

Das ist die Bildunterschrift
Frank Altmann bei der "Arbeit" (Foto: Stadt Walldorf)


Hoch hinauf musste der Künstler Frank Altmann dieser Tage, als er am Lindenplatz sein innovatives Vogelhaus anbrachte. „Vogelhaus – Versuchsanordnung, um herauszufinden, was Spatzen von der Moderne halten 3“ nennt er seinen Beitrag zum „Kunstpreis 2018“ der Stadt Walldorf. Damit Spatzen und vielleicht auch andere Vögel eine Chance haben, sich ihre Meinung zu bilden, entsprechen die Innenmaße und das Einflugloch der kunstvollen Behausung den regulären Vogelhäusern. Nach der "TriColore" am Kreisel an der Nußlocher Straße ist das "Vogelhaus" der zweite Beitrag zum diesjährigen Kunstwettbewerb, der installiert wurde. Es folgen noch neun weitere.


Inspirierende Bäume ...

Hier fliegen bei Wolfgang Folmer noch die Späne (Fotos: Pfeifer)


Von Bäumen ließen sich offensichtlich drei Künstler inspirieren, die dieser Tage ihre für den Kunstpreis der Stadt ausgewählten Werke aufstellten.


An die Natur

Das Gedicht „An die Natur“ von Friedrich Hölderlin aus dem Jahr 1795, erstmalig gedruckt erschienen 1846, hat Wolfgang Folmer in die Oberfläche eines Eschenstamms geschnitten. Auf dem Rathausvorplatz liegt der in schwungvollen Lettern beschriftete Stamm, den der Künstler in rund fünfzigstündiger Arbeit vor Ort bearbeitet hat. Er wurde entrindet, gehobelt, mit schwarzer Farbe gestrichen. Es folgte danach die Feinarbeit des Holzschnitts. Zum Schutz lackierte Wolfgang Folmer den „Gedichtbaum“ noch. Wolfgang Folmer legt Wert auf die Feststellung, dass es sich um eine Esche handelte, die sowieso gefällt werden musste. Der Baum sei rund 150 Jahre alt gewesen, so Folmer, stamme also etwa aus der Zeit, in der Hölderlins Gedicht publiziert wurde. Am Vorabend der Industrialisierung erspüre das Gedicht bereits die damals beginnende und bis heute anhaltende Entfremdung des Menschen von der Natur, meint Folmer zu seiner Arbeit. Dem enthäuteten Baumstamm habe er mit dem Hölderlin’schen Gedicht ein „neues Kleid gegeben“, erklärt Folmer. Seine Arbeit wurde von Passanten mit großem Interesse verfolgt und Wolfgang Folmer nahm sich gerne die Zeit, Fragen zu beantworten. Wer den Anfang des Gedichtes auf dem Baumstamm sucht, der rundherum beschriftet ist, muss die Zeilen „Da ich noch um deinen Schleier spielte, Noch an dir, wie eine Blüte, hing …“ suchen.

Konzentriertes Arbeiten bei wunschgemäß sonnigem und trockenem Wetter

Allmende-Baum

Mit seinem bunten Allmende-Baum will Klaus Proissl das menschliche Zusammenleben symbolisieren. Passender Standort dafür ist die „Drehscheibe“, Walldorfs zentraler Platz. Mit „Allmende“ greift Proissl auf einen Begriff aus dem Hochmittelalter zurück, der für den Besitz und das Grundeigentum einer Dorfgemeinschaft stand. „Der Allmende-Baum steht für das gesellschaftliche aktive Leben der Bürger“, meint Klaus Proissl, der ihn auch in enger Verbindung zur Walldorf sieht, das in seinem Wappen eine Eiche trägt. Der Allmende-Baum ist aus Holz als markanter Wegmarke, die Neonfarbe soll das Individuum personifizieren und das Blätterdach aus Latten schützt vor der Umwelt und versinnbildlicht die Auseinandersetzung mit dem gemeinsamen Sein. So eine der sicherlich vielen Interpretationsmöglichkeiten. Beim Aufbau erwies sich der Künstler als guter und standfester Akteur auf hoher Leiter vor Publikum.

Klaus Proissl beim Aufbau seines weithin leuchtenden Allmende-Baums auf der "Drehscheibe"

Unplugged

Wenn Wind aufkommt, vermeint man tatsächlich ein „Blätterrauschen ohne elektronische Verstärkung“ in dem großen Baum am zu vernehmen, in den Konrad Wallmeier verschiedenfarbige Textilkabel mit Steckern gehängt hat. Am Ende der Hauptstraße an der Einfahrt zum großen Parkplatz entdeckt man die Installation „Unplugged“ – ein Begriff, der aus der Musik kommt. Die Natur unverfälscht und ursprünglich zu erleben und „mit allen noch so kleinen Facetten auf eine neue Weise zu erfahren und wahrzunehmen“, ist Konrad Wallmeiers Anliegen.

Konrad Wallmeier inmitten seiner Installation "Unplugged"

 

 

Verbindungen geschaffen
FEROSE, Ralf Weber, Claudia Urlaß beim Kunstpreis - Performance von Adam Cmiel am 24. April

Das ist die Bildunterschrift
Claudia Urlaß' Turm(garten) an der Westumgehung

 

Die Walldorfer Kunstmeile füllt sich nach und nach. „Schweres Eisen in die Leichte gehoben“ hat die Künstlerin, die sich FEROSE nennt.

Ihre Eisenplastik ohne Titel steht auf der Grünfläche an der Ecke Nußlocher Straße und Sambugaweg. Die Künstlerin schweißt neues Eisen mit der offenen Flamme. Nachdem das Eisen erwärmt, gebogen und verflüssigt worden ist, gestaltet sie die Form. Tropfen für Tropfen baut sie die Plastik von innen nach außen auf und modelliert sie. „Das starre Eisen wird blau, rot, orange, gelb, weiß, durchsichtig flüssig, dann erkaltet es wieder – graues Metall, gewonnenes Licht“, beschreibt sie den Prozess. Die Spuren von Flamme und Hitze bleiben sichtbar. Die für den Kunstpreis ausgewählte filigran wirkende Arbeit zeigt eine stark strukturierte und intensiv durchgearbeitete Oberfläche. Im Laufe der Zeit darf sich auf ihr Rost bilden.


FEROSE, Eisenplastik ohne Titel, auf der Grünfläche Ecke
Nußlocher Straße und Sambugaweg (Fotos: Pfeifer)

Brücken bilden und Verbindungen schaffen will Ralf Weber, dessen „gate II“ vor der Alten Apotheke seinen Platz gefunden hat. Auch Ralf Weber arbeitet mit Metall. Zwei Stahlstreben scheinen bei seiner Skulptur aus der Erde herauszuragen. Als verbindendes Element hat der Künstler einen Bogen aus Stein auf die Stahlstreben gesetzt. Der steinerne Bogen besteht aus schwedisch-schwarzem Granit. Dieser Granit sei durch den raschen Aufstieg von Magma in Spalten und Klüften des baltischen Schildes entstanden, erklärt Weber. Der Untergrund Schwedens bestehe aus diesem Granit. In seiner Skulptur wird der Granit sichtbar, ist in Form gebracht und „bekrönt“ den Pylonen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Vorsichtig wird der Granitbogen aufgesetzt                                   "gate II" steht und erlaubt Durchblicke

 

Ein ungewöhnlicher Turm(garten) erwartet die Betrachter an der Westumgehung, an der Einmündung in die Carl-Zeiss-Straße. Claudia Urlaß, die vor kurzem gemeinsam mit ihrem Mann Mario Urlaß bei „Kunst im Rathaus“ ausstellte, hat sägerauhe Kieferlatten glänzend schwarz lackiert. Sie hat sie aufeinandergestapelt und verschraubt, so dass im Inneren ein geschützter, nicht begehbarer Raum entstanden ist. „In diesem Raum darf die Natur unbeeinflusst wachsen und entzieht sich der Pflege durch Menschen “, so Claudia Urlaß. Allerdings ist dieser Raum umso schwieriger einsehbar, je näher man dem Turmgarten kommt, entzieht sich also auch in diesem Sinne dem Menschen.

 

Performance mit Adam Cmiel

"Unsichtbares sichtbar" machen will Adam Cmiel, der am Dienstag, 24. April, ab etwa 13 Uhr seinen Wettbewerbsbeitrag auf dem Ikea-Kreisel an der Josef-Reiert-Straße aufbaut. Adam Cmiel, der beim Kunstpreis 2013 mit seiner Installation "The Otherworld" vertreten war, will mit seiner neuen Installation vor unsichtbaren Gefahren warnen und lädt Interessierte zu der Performance ein.

 

Nette Aussichten und Ernst im Spiel

Manfred Emmenegger-Kanzler, Birgit Feil und Adam Cmiel beim Kunstpreis

 

Das ist die Bildunterschrift

Manfred Emmenegger-Kanzler mit seinem stabilen Kartenhaus (Fotos: Pfeifer)


Die Walldorfer Kunstmeile ist komplett. Am Donnerstag, 17. Mai, gibt die Jury ihr Votum bekannt. Um 16.30 Uhr findet an diesem Tag im Rathaus die Preisverleihung statt, zu der alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler und alle Interessierten eingeladen sind. Im Anschluss bietet Walldorfs Kunstbeauftragter, Hartmuth Schweizer, einen Rundgang zu den elf Stationen an.


Die erste Station befindet sich gleich vor dem Rathaus, wo sich zu Wolfgang Folmers Baumstamm mit dem Hölderlin-Gedicht in den letzten Tagen noch ein „Kartenhaus“ gesellt hat. Sein „Erbauer“, Manfred Emmenegger-Kanzler, verbindet mit dem kindlichen Spiel, Bierdeckel zu einem Haus aufeinander zu stapeln, in seiner Version Vergangenheit und Gegenwart. Anstelle von Bierwerbung befinden sich auf den Karten verschiedene QR-Codes. Das Kartenhaus wird so – für alle, die den QR-Code mittels Smartphone „knacken“ können – zum Informationsträger. Es geht bei den gespeicherten Informationen um Klimawandel, Überbevölkerung, Umweltzerstörung, Steuerhinterziehung und mehr. „Das Kunstwerk ist sowohl als abstrakt konkrete Skulptur, die allein auf dem Wechselspiel von weißen und schwarzen Quadraten basiert, lesbar als auch als lebendiger Informationsträger für den aktuellen Zustand unserer Erde“, meint Manfred Emmenegger-Kanzler, der das „Kartenhaus“ gemeinsam mit Thomas Weiss konzipiert hat.

Nehmen Sie Platz!

Ganz konkret präsentiert sich „Anette Aussicht“ von Birgit Feil. Im Kasernenhof am Spielplatz vor dem Pflegezentrum Astor-Stift sitzt besagte Anette, die fest auf ihrem Stuhl fixiert ist. Sie lädt dazu ein, sich ihr gegenüber auf den noch freien Platz zu setzen und Teil des Kunstwerks zu werden. Beim Aufstellen hat die Künstlerin Birgit Feil selbst kurzzeitig den Platz auf dem Stuhl aus Stahl eingenommen.

"a nette Aussicht" bietet Birgit Feils Skulptur

Strahlende Kunst?

Mit Anhänger auf dem drei strahlend gelbe Tonnen geladen waren, kam Adam Cmiel nach Walldorf zum Verkehrskreisel bei Ikea an der Josef-Reiert-Straße. Mit eingeschalteter Warnblinkanlage fuhr er vorsichtig heran, um schließlich im weißen Schutzanzug und mit Atemschutzmaske seinem Auto zu entsteigen.
Zwei Mitarbeiter des städtischen Bauhofs erwarteten ihn und seine geheimnisvolle Fracht bereits.

Vorsicht! Adam Cmiel ist am Werk!

Vorsichtig wurden die drei Fässer abgeladen, aus denen eine grünlich phosphorisierende undefinierbare Masse herauszuquellen schien. Ja, alles Schein, denn bei Adam Cmiels Installation mit dem Titel „unsichtbares sichtbar“ handelt es sich nicht um Atommüll aus einem der nahegelegenen Atomkraftwerke, sondern um Kunst. „Wir sind alle einer unsichtbaren Gefahr ausgesetzt. Atomkraft machte die Menschen jahrelang nervös. Im Zeitalter alternativer Energien hat sich schon vieles verbessert, aber alle Gefahren sind noch nicht gebannt. Drei Fässer stehen in der Öffentlichkeit. Keiner weiß warum. Ist die Lage ernst?“, fragt sich und die Betrachter Adam Cmiel.


Unplugged gewinnt Kunstpreis 2018

Das ist die Bildunterschrift
  Konrad Wallmeier mit seiner preisgekrönten Bauminstallation "Unplugged (Fotos: Pfeifer)


„Es war ein spannendes Bewerberfeld“, stellte Bürgermeisterin Staab bei der Verleihung des Kunstpreises 2018 der Stadt Walldorf am 17. Mai fest. Nach 2001, 2005 und 2013 hat die Stadt zum vierten Mal einen Kunstpreis ausgelobt. Wie schon 2005 und 2013 wurde er auch dieses Mal für Skulpturen und Objekte im öffentlichen Raum vergeben.


Christiane Staab freute sich besonders darüber, dass einige der zunächst anonym ausgewählten elf Objekte eigens für den Kunstpreiswettbewerb entstanden und deren Entstehungsprozess vor Ort mitverfolgt werden konnte. Sie sah es als Privileg an, an der Entstehung von Kunst unmittelbar teilhaben zu können, auch um darüber ins Gespräch zu kommen. „Es darf auch gestritten werden“, erklärte sie schmunzelnd. Ihr Dank galt vor allem den Künstlerinnen und Künstlern, von denen einige anwesend waren, sowie den Jurymitgliedern unter Vorsitz von Professor Dr. Andreas Franzke, dem früheren Rektor der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Die Arbeit des Preisgerichts sei „intensiv und langwierig“ gewesen, erklärte Staab. Für die intensive Vorbereitung und Begleitung des Wettbewerbs dankte die Bürgermeisterin auch dem Ersten Beigeordneten Otto Steinmann und seinem Team sowie Stadtbaumeister Andreas Tisch und seinem Amtsvorgänger Dieter Astor, der bei der Vorauswahl unterstützte. Ein besonderer Dank ging an Gitarrist Timo Niento für die musikalische Umrahmung.

Große Bandbreite

Den ersten Preis, der mit 7.500 Euro dotiert ist, konnte sie an Konrad Wallmeier übergeben für dessen Baum-Installation „Unplugged“. Der von Wolfgang Folmer mit dem Hölderlin-Gedicht „An die Natur“ kunstvoll beschriftete Eschenbaumstamm wurde mit dem zweiten Preis in Höhe von 4.500 Euro gewürdigt. „Anette Aussicht“, die im Kasernenhof beim Astor-Stift Platz genommen hat, und deren Schöpferin Birgit Feil freuten sich über den 3. Preis mit 3.000 Euro. Walldorfs Kunstbeauftragter und Jurymitglied Hartmuth Schweizer gab bei der Preisverleihung im Ratssaal schon einen kurzen Überblick über die elf Werke, die zur Wahl standen, und anschließend bei einem ausführlichen Kunstrundgang. Auch er lobte die „sehr interessante Bandbreite“ der elf Arbeiten mit unterschiedlicher Technik und Herangehensweise der Künstlerinnen und Künstler. Er dankte der Stadt für ihr Engagement in Sachen Kunst, das keineswegs selbstverständlich sei, und erwähnte in diesem Zusammenhang auch die Ausstellungen im Rathaus und die Kunstankäufe sowie das Atelierstipendium. Im Stadtraum erinnerten noch einige Skulpturen an die früheren Kunstpreiswettbewerbe, so Schweizer. Hartmuth Schweizer machte sich in seiner Rede und beim anschließenden Rundgang immer wieder dafür stark, sich mit Kunst auseinanderzusetzen, auch wenn sie einen im ersten Moment vielleicht nicht anspreche. „Wir müssen über Kunst nachdenken“, lautete sein Appell. „In ihren besten Momenten versprüht Kunst den Charme erhabener Nutzlosigkeit“, zitierte er. Auch die allererste von Menschen geschaffene Flöte sei eigentlich nutzlos gewesen, habe jedoch zur Oper, zum Jazz, zu den Beat-les oder David Bowie geführt, erklärte er. Gerne erläuterte Hartmuth Schweizer auch, dass der mit dem ersten Preis prämierte „Unplugged“-Baum von Konrad Wallmeier am Ende der Hauptstraße „überhaupt nichts mit der Arbeit eines Elektrikers zu tun hat“. An dem Baum hängen an langen, unterschiedlich farbigen textilen Schnüren Stecker in mehr oder weniger einheitlichem Abstand vom Boden. Ein Passant hatte gemeint, dass wohl „jeder Elektriker nun Künstler sei“. Dass dem nicht so ist, erfuhren die Rundgangteilnehmerinnen und –teilnehmer, denn Schweizer lobte zwar das energetische Potential der Installation, doch mit Elektrik habe dies nichts zu tun. Mit sehr sparsamen, zurückhaltenden Mitteln hätte Konrad Wallmeier eine intensive Wirkung erzielt und eine eher meditative Arbeit geschaffen. Die Fremdkörper am Baum führten dazu, dass man den Baum und damit die Natur ganz anders wahrnehme als sonst. „Unplugged“, also mit gezogenen Steckern, sei die Natur „unverstärkt wahrnehmbar“, meinte Konrad Wallmeier, der auf kinetisch-interaktive Arbeiten spezialisiert ist. So hat er in Freiburg, wo er lebt, einer Trauerweide schon mit Lockenwicklern Dauerwellen verpasst. „Der Baum bestimmt die Struktur“, so Wallmeier, der feststellte, dass sich der Abstand der Stecker zum Boden schon verändert habe, da der Baum inzwischen mehr Blätter habe. Sein besonderer Dank galt einer „Walldorfer Baumpatin“, die immer wieder nach dem Rechten sieht. Auf Wolfgang Folmers Baumstamm, der am Rathaus zu bewundern ist, befindet sich tatsächlich das vollständige – sehr lange – Gedicht „An die Natur“ von Friedrich Hölderlin. Dass es wirklich so aufging, sei „Zufall“ gewesen, meinte Wolfgang Folmer. Er betonte nochmals, dass die Esche nicht wegen ihm gefällt worden sei, er dem Baum aber auf diese Weise nochmals ein neues Leben verschafft habe. Auf vielen Ebenen erfahrbar ist das „Kartenhaus“ von Manfred Emmenegger-Kanzler, das zur Interaktion via Smartphone einlädt. Über den QR-Code, der zunächst als rein dekoratives Element wirkt, gelangt man zu den sieben Todsünden, die der Künstler wiederum mit Nachrichtenportalen zu aktuellen Themen verknüpft hat. Hochmut ist verlinkt mit dem Klimawandel, zur Völlerei gibt es einen Artikel über Massentierhaltung.

Das Finale - die Preisträger sind gekürt und präsentieren ihre Urkunden (v.l.n.r.) Konrad Wallmeier
(1. Preis), Wolfgang Folmer (2. Preis) und Birgit Feil (3. Preis), mit denen sich
Bürgermeisterin Christiane Staab, Stadtbaumeister Andreas Tisch,
Erster Beigeordneter Otto Steinmann und Hartmuth Schweizer (li.) freuen

Kunst schafft Begegnungen

Mit Birgit Feils naturalistischer Arbeit „Anette Aussicht“ nahm Hartmuth Schweizer sofort den Dialog auf, indem er gegenüber der sitzenden Frau auf dem freien Stuhl Platz nahm. Die „nette Aussicht“ kann man durchaus gegenseitig auffassen, denn sowohl die sonst einsame Frau, die Birgit Feil zunächst in Ton modelliert und danach einen Abguss erstellt hat, bekommt mit dem Gegenüber eine nette Aussicht als auch der Platznehmende. Der meditative Gesichtsausdruck der Figur und die Tatsache, dass das Individuum aus dem Zusammenhang genommen sei, biete eine gute Projektionsfläche, meinte Hartmuth Schweizer. Stadtbaumeister Andreas Tisch stellte fest, dass der kleine, überschaubare Platz sehr gut zu dem Kunstwerk passe. Über sehr reges Interesse an seiner Arbeit konnte Klaus Proissl, Schöpfer des bunten Allmende-Baums auf der „Drehscheibe“, berichten. „Es gab spannende Treffen mit den Beobachtern“, sagte er. Das Thema Mensch und Gemeinschaft beschäftigt Klaus Proissl sehr. Mit der Walldorfer Geschichte hat er sich intensiv beschäftigt. Die Eiche im Walldorfer Wappen hat ihn zu seinem Werk inspiriert. Über den vielfarbigen Individuen, die den Stamm seines Baums bilden, thront das einfarbige Blätterdach, das noch Entwicklungsraum bietet. Beim Rundgang wurde die Frage gestellt, warum der Allmende-Baum von einer „Barriere“ umgeben wurde. Aus versicherungsrechtlichen Gründen blieb dem Künstler hier leider keine andere Wahl, war zu hören.

Dass das kunstvolle Vogelhaus auf dem Lindenplatz, das mit Fläche, Farbe und Linien an Mondrian erinnert, nicht nur bei Menschen, sondern auch - wie gewünscht - bei Vögeln auf Interesse stößt, dürfte den Künstler Frank Altmann freuen. Tatsächlich wurde ein Vöglein am Einflugloch gesichtet und sogar fotografisch festgehalten. Es schien viel von der Moderne zu halten, was Frank Altmann mit seiner „Versuchsanordnung“ ja auch herausfinden wollte. Die eher „zurückhaltende Arbeit mit beiläufigem Charakter“ gebe dem (Park)Platz etwas Poetisches, meinte Stadtbaumeister Andreas Tisch.

Hartmuth Schweizer wird voraussichtlich noch einen weiteren Kunstrundgang anbieten, auf den rechtzeitig hingewiesen wird. Die Kunstwerke bleiben noch bis Anfang Oktober stehen.

Kunstwerke und Standorte

Frieder Kobler, TriColore
Standort: Kreisel am Ende der Nußlocher Straße, Nähe Kleingärten


FEROSE, Eisenplastik ohne Titel
Standort: Grünfläche Nußlocher Straße/Sambugaweg


Wolfgang Folmer, Beschrifteter Baumstamm (ohne Titel)
Standort: Rathaus

 

Manfred Emmenegger-Kanzler, Kartenhaus
Standort: Rathaus


Frank Altmann, Vogelhaus, Versuchsanordnung
Standort: Lindenplatz
 

Klaus Proissl,  Allmende-Baum
Standort: Drehscheibe


Birgit Feil, Anette Aussicht
Standort: Kasernenhof/Astor-Stift


Ralf Weber, Gate II
Standort: Alte Apotheke


Konrad Wallmeier, Unplugged
Standort: Einfahrt zum Friedhofsparkplatz am Ende der Hauptstraße


Claudia Urlaß, Turm(garten)
Standort: Grünfläche westlich der Umgehungsstraße B 291
 

Adam Cmiel, unsichtbares sichtbar
Standort: Ikea-Kreisel, Josef-Reiert-Straße


Zum Seitenanfang ▲

Text Schriftgröße
Impressum

Datenschutz