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Öffentliche Sitzung des Gemeinderats am 24. Juli 2018 - Klimastabilen Wald aufbauen und erhalten

Das ist die Bildunterschrift
  Esel auf der Waldweide im Schonwald Reilinger Eck - ein schöner Anblick (Foto: Pfeifer)


Im Dezember dieses Jahres wird der Gemeinderat über die Forsteinrichtung für die kommenden zehn Jahre, also für den Zeitraum von 2019 bis 2028, entscheiden. Diesem Beschluss über die „Betriebsplanung“ für die Walldorfer Wälder in kommunaler Hand sind bereits wichtige Schritte vorausgegangen.


Forstdirektor Sebastian Eick, Leiter des Forstbezirks Rheintal/Bergstraße, und Revierförster Gunter Glasbrenner stellten in öffentlicher Sitzung des Gemeinderats am 24. Juli die Zielsetzung der Waldeigentümerin, also der Stadt Walldorf vor, der der Gemeinderat einhellig zustimmte. Diese dient wiederum als Grundlage für die Planungsvorschläge der Forstexperten, die bei einer Waldbegehung mit Bürgermeisterin und Gemeinderat noch vorgestellt und erörtert werden. Wie Forstdirektor Eick in der Sitzung des Gemeinderats erklärte, seien auch die Anregungen des erstmalig durchgeführten Bürgerworkshops zum Thema „Herzenssache Wald – schützen, was wir nutzen“ vom 4. Mai dieses Jahres in die Eigentümerzielsetzung eingeflossen. Dies mache sich vor allem bei den Wünschen und Anregungen zur Erholungsfunktion des Waldes bemerkbar. „Walldorf hatte auch bisher schon anspruchsvolle Ziele“, stellte Eick in diesem Zusammenhang fest, und stellte in Aussicht, dass eine Erholungskonzeption erarbeitet werde. Bürgermeisterin Christiane Staab freute sich, dass das „Experiment“ des Bürgerworkshops so gut geklappt hatte und dass die Ergebnisse sich in der Forsteinrichtung widerspiegeln würden.

Eick verdeutlichte zunächst nochmals die aktuelle Situation in dem rund 512 Hektar großen Stadtwald. Während im Jahr 2009, zu Beginn der letzten Forsteinrichtung, noch 59 Prozent der Bäume aus den für die Region typischen Kiefern und 41 Prozent aus Laubhölzern bestanden, hat sich dieses Verhältnis durch das Kiefernsterben zugunsten der Laubhölzer verändert. Den Gesundheitszustand der Kiefernbestände nannte Eick „besorgniserregend“. Dies nicht nur wegen der trockenen Dünen- und Flugsandböden, die den Nadelbäumen zu schaffen machen, sondern auch wegen Wurzelfraßes durch Maikäferengerlinge. Neophythen, wie die Kermesbeere und die spätblühende Traubenkirsche, breiten sich in den lichter werdenden Wäldern aus und vertreiben einheimische Pflanzen. Die Forstarbeiter hätten daher, so Eick und Glasbrenner, fast nur noch absterbende Kiefern geerntet.   Eines der aus dieser schwierigen Situation abgeleiteten Ziele für die Forsteinrichtung ist daher, Handlungsoptionen aufzuzeigen und auch in Zeiten des Klimawandels einen stabilen Wald aufzubauen und zu erhalten.

Der Maulbeerbuckel ist eines der Beispiele für herausragenden Arten- und Biotopschutz. Wer hier gerne unterwegs ist, kann das Terrain auf klar definierten Wegen erkunden (Foto: Pfeifer)

Individuelle Distrikte

Mit dem Hochholz, dem Reilinger Eck und dem Dannhecker Wald habe Walldorf, so Eick, drei sehr unterschiedliche Distrikte mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Im Landschaftsschutzgebiet Hochholz sollen auch weiterhin Naturschutz und Erholung Vorrang haben und weiterentwickelt werden. „Das Ziel ist ein artenreicher, stabiler, ökologisch hochwertiger und landschaftlich attraktiver Dauerwald“, heißt es in der Eigentümerzielsetzung. Mit dem Waldklassenzimmer „Waldlupe“ liegt hier nach wie vor der Schwerpunkt der Waldpädagogik. Die Waldpädagogik in Walldorf sei „eine Erfolgsgeschichte“, meinte Eick, die Nachfrage ungebrochen, was zu erhöhtem Personalbedarf führe. Im Hochholz befindet sich mit vier Waldrefugien außerdem ein Schwerpunkt der Umsetzung des Alt- und Totholzkonzepts. Leitbild im Reilinger Eck ist der lichte Kiefernwald auf Dünen und Flugsandböden. In diesem als Schonwald ausgewiesenen Wald sind die Schäden an Kiefern am augenfälligsten. Ganze Kiefernbestände seien in Auflösung, berichtete Sebastian Eick. Die kommende Forsteinrichtung soll daher Vorschläge zur Verjüngung des Bestands bringen, denn die Kiefer soll in diesem Areal mit historischem Waldlehrpfad erhalten bleiben. Besonders eng verzahnt sind Schul-, Sport- und Vereinsanlagen mit dem Dannhecker Wald als stadtnahem Erholungswald. Ein stufiger, gemischter Dauerwald ist hier das Ziel, wobei im Dannhecker Wald an die Stelle der sich auflösenden Kiefernbestände auch nichtheimische, klimastabile Baumarten treten könnten. Alles in allem seien in Walldorf angesichts des starken Engagements für Biotop- und Landschaftspflege, Waldpädagogik und Erholungsleistungen keine finanziell positiven Betriebsergebnisse zu erzielen, sagte Eick, doch sei man sich ja einig, dass die Vermarktung von Holz nicht im Vordergrund stehe. Großes Lob gab es von Seiten Eicks und Glasbrenners wie auch vom Gemeinderat für „die jungen und schlagkräftigen Forstwirte“ sowie die Waldpädagogin.

Alle genannten Ziele seien auch die Ziele der CDU-Fraktion, stellte Stadtrat Dr. Gerhard Baldes (CDU) fest. Der Stadtwald sei der wichtigste Naherholungsraum, auch für Mitarbeiter großer Firmen, so Baldes. Der Wald müsse den Klimaveränderungen standhalten, was nicht zum Nulltarif zu bekommen sei. „Wir müssen Geld in die Hand nehmen, um unsere Ziele zu erreichen“, erklärte Baldes. Auch die Kinder und Enkel sollten den Wald „noch so erleben können wie wir“. „Der Wald ist lebensnotwendig“, sagte Stadtrat Lorenz Kachler (SPD). Auch er erwähnte die Waldpädagogik, die für die Kinder im Vordergrund stehen müsse. Dass die Trockenheit die Bodenstrukturen „total verändere“ und auch die Neophythen auf dem Vormarsch seien, bereite auch seiner Fraktion große Sorge, so Kachler. Auch wenn der Forsthaushalt Verluste einfahre - diese beliefen sich auf rund sechs Euro pro Einwohner/in und sogar nur 2,50 Euro, wenn man die in Walldorf arbeitenden Menschen mitrechne - hatte Kachler errechnet, biete der Wald nur Vorteile für alle. Die Biodiversität sah Stadtrat Hans Wölz (Bündnis 90/Die Grünen) als wichtige Aufgabe. Auch seine Fraktion könne die Zielsetzung sowie den unausgeglichenen Haushalt mittragen, meinte er. Man müsse künftig „optimale Bewirtschaftungsformen finden“ und gemeinsam mit der Forstlichen Versuchsanstalt klimastabile Baumarten anpflanzen. „Wir müssen den Wald für kommende Generationen erhalten“, so auch Wölz‘ Credo. Den „Dialog mit den Nutzerinnen und Nutzern“ empfand Stadtrat Günter Lukey (FDP) als „wesentlichen Bestandteil“, um der Erholungsfunktion mit immer neuen Freizeitaktivitäten gerecht zu werden. Auch er sprach die notwendigen menschlichen Eingriffe an, um einen klimastabilen Wald zu schaffen. Er sagte in Sachen Verstärkung der Waldpädagogik Unterstützung zu und sprach noch die „einzigartigen Lebensräume“ in den Hot-Spot-Gebieten am Saupfergbuckel und Maulbeerbuckel an. Auch das Monitoring und angepasste Pflegepläne erwähnte Lukey als wichtige Aufgaben. Dass die Einnahmen aus der Forstwirtschaft zurückblieben, sei so gewollt, das ließe sich nicht ändern, meinte Lukey.

Revierförster Gunter Glasbrenner dankte dem Gemeinderat, von dem er noch nie ein „Nein“ in forstwirtschaftlichen Angelegenheiten gehört habe. Seinen Dank richtete er auch nochmals an Waldpädagogin Sabrina Ehnert und sein Forstwirtteam.


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