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Öffentliche Sitzung des Gemeinderats am 25. September 2018 -Städtische Umweltförderprogramm zu wenig gefragt

Zwischenbilanz für 2018 im Gemeinderat vorgestellt - neues Konzept kommt

Das ist die Bildunterschrift
  Auch Photovoltaikanlagen werden von der Stadt gefördert (Foto: Stadt Walldorf)


Eine Zwischenbilanz in Sachen städtische Umweltförderprogramme legte Christian Horny vom Fachdienst Umwelt dem Gemeinderat am 25. September vor. Betrachtet wurde der Zeitraum von Januar bis August 2018.


32 Anträge auf Förderung aus dem städtischen Topf konnte die Stadt in diesem Zeitraum bewilligen. Am stärksten nachgefragt von den 13 Umweltförderprogrammen war dabei der Fensteraustausch, gefolgt vom Umweltschutz-Bonusprogramm und dem Zuschuss zum  Fahrrad-Shopper. In die aktuelle Bilanz fließen auch bewilligte Maßnahmen aus Vorjahren ein, die erst jetzt abgerechnet werden können. Insgesamt 71 noch nicht abgerechnete Bewilligungen aus Vorjahren nannte Horny. Von Januar bis August 2018 wurden rund 34.000 Euro für knapp 50 Maßnahmen ausbezahlt. Hochgerechnet auf das ganze Jahr 2018 ergäbe sich für alle bewilligten Maßnahmen ein Förderumfang von rund 102.000 Euro und damit deutlich weniger als noch 2017, als 125.000 Euro ausgeschüttet wurden. Im Haushalt hat die Stadt 250.000 Euro bereitgestellt. Die Kohlendioxid-Einsparung, die ja maßgebliches Ziel der Umweltförderprogramme ist, lag bis August bei 36,8 Tonnen. Der Trend geht seit dem Jahr 2009, in dem über 300 Tonnen an Kohlendioxid eingespart werden konnten, kontinuierlich nach unten. Alles in allem „unbefriedigend“, wie Christian Horny feststellte. Er ging auch noch auf die Sanierungsrate von Gebäuden ein, bei der Walldorf deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt. Im Zeitraum von 2002, als Walldorf seine ersten Umweltförderprogramme auflegte, bis August 2018 gab es insgesamt elf Gebäude, bei denen vier Bauteile dank städtischer Fördermittel ausgetauscht wurden. Zwei Bauteile wurden bei 107 Häusern ausgetauscht, drei Bauteile bei 56 und ein Bauteil bei 309 Gebäuden. Die Walldorfer Sanierungsrate liegt bei 0,4 Prozent und damit unter dem Bundesdurchschnitt von 1,1 Prozent. Rund 50 Prozent der Gebäude in Walldorf stammen aus den Jahren 1950 bis 1980. Christian Horny wies noch darauf hin, dass natürlich auch weitere Gebäude in Walldorf saniert wurden, auch ohne städtische Förderung, worüber es keine Statistik gibt. „Unser Ziel ist, die Sanierungsrate, Sanierungstiefe und das Sanierungsniveau positiv zu beeinflussen“, erklärte Horny, der für den 2. Oktober die Vorstellung des erarbeiteten Konzept im Technischen Ausschuss ankündigte.

"Zahnloser Tiger"

„Jede einzelne Fördermaßnahme ist ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Umwelt“, meinte Stadtrat Uwe Lindner. Man sei auf dem richtigen Weg, was auch die erfolgreiche Re-Zertifizierung für den „European Energy Award“ gezeigt habe. Vor allem für die privaten Haushalte seien die Förderprogramme interessant, würden aber leider nur mäßig in Anspruch genommen. Lindner regte daher an, dass die einzelnen Förderprogramme in der „Walldorfer Rundschau“ vorgestellt werden sollten. „Stagnation erfordert Anpassung“, stellte Stadträtin Dr. Andrea Schröder-Ritzrau fest. Die Umweltförderprogramme steckten seit einigen Jahren in einer „Sackgasse“ und hätten sich als „zahnloser Tiger“ erwiesen. Über die Hälfte der bereitgestellten Mittel würden nicht abgerufen, bedauerte sie. Rund 200.000 Tonnen an Kohlendioxid-Ausstoß entfiele pro Jahr auf Walldorf, davon etwa 45.000 Tonnen auf die Privathaushalte. 2017 seien über die Förderprogramme nur 100 Tonnen an 
Kohlendioxid eingespart worden. Das sei zu wenig, zumal das vorhandene Potential so groß sei. Gebäudebesitzer würden sich nicht für umfangreiche Sanierungen entscheiden, da es auch an Vorbildern fehle. Sie plädierte für ein Quartierskonzept, das auch altersgerechtes Sanieren mit dem Abbau von Barrieren beinhalte. Sie sah daher der nächsten Sitzung des Technischen Ausschusses nach dem Motto „besser spät als nie“ positiv entgegen. Man müsse sich Gedanken über die mangelnde Resonanz machen, meinte Walter Hecker (Bündnis 90/Die Grünen). Es gebe viele Hürden bei den Bürgern in Sachen Sanierung, denn die Baustellen brächten wochenlang „Dreck und Staub als Begleiter mit sich“. Er machte darauf aufmerksam, dass man dank der Installation einer Photovoltaikanlage rund neun Tonnen Kohlendioxid im Jahr einsparen könne. Acht dieser Anlagen würden so viel einsparen wie 26 andere aufwändige Maßnahmen. Außerdem werde man – weitgehend staubfrei – damit an einem Tag zum Sonnenkönig oder zur Sonnenkönigin. Er schlug außerdem vor, dass die Verwaltung und die Stadtwerke den Stand ihrer jeweiligen Förderprogramme vorstellen sollten. Energetische Sanierung rechne sich erst nach und nach und wirke sich nicht unmittelbar aus, gab Stadträtin Dagmar Criegee (FDP) zu bedenken. Wer bauen wolle, müsse von der Stadt alle nötigen Informationen erhalten. Sie erwähnte auch, dass Kohlendioxid nicht generell „verteufelt“ werden solle, denn „ohne Kohlendioxid gäbe es uns nicht“. Schädliche Stick- und Schwefeloxide würden überhaupt nicht mehr erwähnt. Ihr Fraktionskollege Fredy Kempf forderte noch „viel mehr und regelmäßige Werbung“ für die Umweltförderprogramme. Stadtrat Werner Sauer (CDU) regte an, zu überprüfen, in welchen Fällen Antragsteller keine Förderung bekommen hätten. Gegebenenfalls müsse man die Kriterien für eine Förderung modifizieren, denn manche Häuser könne man gar nicht so dämmen, wie es vorgegeben sei.

Es gebe eine extrem hohe Verunsicherung in der Bevölkerung, was man als einzelner denn zum Umweltschutz beitragen könne, stellte Bürgermeisterin Christiane Staab fest. Man müsse jedoch „die Euphorie am Leben halten“.


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