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Wir brauchen eine Südausfahrt

Planungen des Regierungspräsidiums für Ausbau der A5 teils in der Kritik

Das ist die Bildunterschrift

Die Walldorfer Monsterkreuzung soll entlastet werden, fordert der Gemeinderat (Fotos: Pfeifer)


Über den aktuellen Stand der Planungen für den sechsstreifigen Ausbau der Autobahn A5 auf Walldorfer Gemarkung informierten Kai Zumkeller und Frank Hildenbrand vom Regierungspräsidium Karlsruhe den Gemeinderat am 18. Dezember 2018.


Bereits im Oktober 2014, in einem noch sehr frühen Planungsstand, hatten Kai Zumkeller und damals Axel Speer vom Regierungspräsidium dem Gemeinderat in öffentlicher Sitzung über die Planungen berichtet, nachdem das Projekt 2013 wieder Fahrt aufgenommen hatte. Bei der Bürgerversammlung im April 2015 war der Ausbau der A5 ebenfalls Thema. Der Walldorf betreffende Bauabschnitt umfasst das Walldorfer Kreuz mit den Einmündungsbereichen an der A6 und den Ausbau der A5 bis zum Parkplatz hinter der Querung der B 291 in Richtung Schwetzingen. Zum Ausbau der A5 gehört nicht nur die Verbreiterung der Fahrbahnen um 3,5 Meter in jeder Richtung, sondern auch der Umbau des Autobahnkreuzes Walldorf. Nicht mehr nur über die jetzigen „Autobahnohren“, sondern über zwei halbdirekte zweistreifige Rampen soll der Verkehr geleitet werden.

Die "Autobahnohren" werden teilweise der Vergangenheit angehören

Wie Kai Zumkeller (Referat Straßenplanung) im Dezember sagte, habe man aus der Bürgerversammlung 2015 viele Anregungen mitgenommen, vor allem zur künftigen Gestaltung der Unterführung an der Rennbahnstraße, die zu einer Überführung werden soll. Eine Brücke in der Form des griechischen Buchstabens Omega, die auch von Rettungs- und Einsatzfahrzeugen befahren werden kann, wird für die notwendige Verbindung sorgen. Die Autobahn wird dafür um etwa zwei Meter tiefer gelegt. Wie die Stadt die verlängerte Rennbahnstraße weiter ausbauen wird, steht noch nicht fest. Bei Ikea, der engsten Stelle, gestaltet sich der Ausbau laut Zumkeller schwierig, so dass hier eine leichte Achsenverschiebung vorgenommen werden muss, um an Ikea und dem hier verlaufenden großen Kanal vorbeizukommen.

Diese „intensiven Gesamtmaßnahmen“ sollen landschaftspflegerisch kom-pensiert werden, zum Beispiel durch Lebensausweichhabitate für Eidechsen. Der landschaftspflegerische Begleitplan sei, so Kai Zumkeller, noch in Arbeit, genau wie das Luftschadstoffgutachten und die Baugrunduntersuchung. Zur Entwässerung berichtete er, dass die Anzahl der Beckenstandorte minimiert worden sei, da man teilweise auch über die Böschungen entwässern könne.

Frank Hildenbrand vom Referat technischer Umweltschutz informierte zum Lärmschutz. Der schon bestehende Lärmschutz an der B 291 soll bleiben, der „rudimentäre Lärmschutz“ an der Autobahn selbst soll jedoch mit Wällen und Wänden mit einer Höhe von acht bis zu zehn Metern verbessert werden. Hier sei, so Hildenbrand, außerdem lärmmindernder Gussasphalt vorgesehen, der weniger wartungsintensiv als Flüsterasphalt sei. Er prognostizierte für den Asphalt eine Haltbarkeit von rund 25 Jahren. Die Lärmminderung bezifferte er auf bis zu zwei Dezibel (A). Man könne damit hundert Prozent der Schutzfälle tagsüber und 88,2 Prozent der Fälle nachts abdecken, meinte Hildenbrand. Das Lärmschutzkonzept stehe aber noch unter Genehmigungsvorbehalt, berichtete er. Den Lärmschutz wollte Stadtrat Dr. Günter Willinger (FDP) noch genauer quantifiziert wissen. Er befürchtete, dass es an der Autobahn zwar leiser, in der Altstadt aber lauter werden könne. Seit es die Westumgehung gebe, sei es in der Altstadt „gefühlt lauter“ geworden, meinte er. Frank Hildenbrand sah dies nicht so und erklärte, dass die Lärmminderung zwischen 2,3 und 12,4 Dezibel (A) liegen werde. Auch Stadtrat Wilfried Weisbrod (Bündnis 90/Die Grünen) hegte Zweifel am Lärmschutz und erinnerte an Sinsheim, wo nachgebessert werden musste. Stadtrat Manfred Zuber (SPD) fragte nach, ob beim Lärmschutzkonzept auch schon der dritte Bauabschnitt von Walldorf-Süd berücksichtigt worden sei, was Frank Hildenbrand bejahte.

"Monsterknoten" entlasten

Dass in den Planungen des Regierungspräsidiums keine zusätzliche Ausfahrt in das Industriegebiet im Walldorfer Süden für die starken Pendlerverkehr vorgesehen ist, erntete herbe Kritik von Seiten des Gemeinde- rats. Kai Zumkeller verwies hier auf Simulationen, die man zur Leistungsfähigkeit der ausgebauten Autobahn bis 2030 durchgeführt habe. Eine südliche Ausfahrt bereite Probleme, erklärte er, da die Verflechtungslängen zu kurz seien. Er empfahl, im Zuge des Ausbaus der L 723 für einen besseren Verkehrsfluss zu sorgen und verwies auf den Mobilitätspakt. Ohne Ein- und Ausfahrt auf Höhe des Bründelwegs vertue man eine große Chance, stellte Stadtrat Werner Sauer (CDU) fest. Ähnlich äußerte sich auch Stadtrat Manfred Zuber (SPD). „Wir brauchen eine Südausfahrt“, stellte er fest. Man dürfe die Verkehrsprobleme Walldorfs nicht außer acht lassen. Das Industriegebiet könne noch größer werden und der individuelle Verkehr werde nicht weniger, so Zuber.  Die Pläne des Regierungspräsidiums könnten nicht die endgültige Lösung sein. Man müsse den „Monsterknoten“ in den Griff bekommen und vom Verkehr entlasten. Bis in fünf Jahren werde es noch keine Lösungen durch den öffentlichen Nahverkehr geben, gab er zu bedenken. Stadtrat Dr. Günter Willinger (FDP) mahnte, dass man nicht so lässig über die Einwände der Stadt hinweggehen dürfe. Die Autos stünden schließlich bereits im Dannhecker Wald auf der Autobahn und kämen nicht weiter. Kai Zumkeller hegte Zweifel an dem Nutzen einer zusätzlichen Ausfahrt und meinte, dass diese den Kreisverkehr am Bründelweg in Richtung Industriegebiet überlaste. Zu Spitzenzeiten funktioniere der Kreisverkehr schon jetzt nicht, erklärte Stadtbaumeister Andreas Tisch. Bürgermeisterin Christiane Staab erklärte schließlich, dass man sich im Ausschuss für Technik, Umwelt, Planung und Verkehr nochmals austauschen und dem Regierungspräsidium eine entsprechende Stellungnahme zukommen lassen werde.

Der Zeitplan für das laut Regierungspräsidium „sehr dringende Projekt“ sieht vor, dass der Vorentwurf dem Verkehrsministerium im Frühjahr 2019 vorgelegt wird. Das Planfeststellungsverfahren könnte Anfang 2020 beginnen, der Ausbaubeginn ist für 2022 vorgesehen und dürfte vier Jahre dauern. Laut Kai Zumkeller ist eine weitere öffentliche Veranstaltung für die Bürgerschaft vorgesehen.


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