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Virtuos, leidenschaftlich und exotisch

Pelion Duo begeisterte mit Werken von Komponistinnen bei den Walldorfer Musiktagen

Das ist die Bildunterschrift
  Das PelionDuo mit Trude Mészár und Henrike von Heimburg begeisterte mit Werken von Komponistinnen (Foto: Pfeifer)


Mit Trude Mészár (Violoncello) und Henrike von Heimburg (Klavier), den Musikerinnen des Pelion Duos, ist Dr. Timo Jouko Herrmann, dem künstlerischen Leiter der „Walldorfer Musiktage“, ein Glücksgriff gelungen. Am 21. September stand in der Laurentiuskapelle ein außergewöhnliches und hochkarätiges Konzert mit Werken von Fanny Hensel, Luise Adolpha le Beau und Edvard Grieg auf dem Programm.


Jahrhundertelang galten Komponistinnen als exotische Randerscheinungen im männerdominierten Musikbetrieb. Erst in den letzten Jahrzehnten habe sich das Blatt gewendet, wie Herrmann in seiner Ansprache erläuterte. Selbst Robert Schumann, dessen Gattin Clara eine bedeutende Künstlerin war, schrieb: „Wunderbar, dass es keine Componistinnen giebt.“ Dieses Zitat, allerdings mit einem Fragezeichen versehen, wurde zum Titel des Konzertabends. Das Pelion Duo widerlegte diese Vorurteile eindrucksvoll und ließ mit Hingabe und Spielfreude die außergewöhnlichen Werke zweier talentierter Komponistinnen erklingen. Fanny Hensel, die begabte Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, war eine ausgezeichnete Pianistin, Komponistin und Dirigentin. Von ihrem Vater wurde ihr aber untersagt, sich beruflich der Musik zuzuwenden. Einige ihrer Kompositionen wurden unter dem Namen ihres Bruders veröffentlicht, die meisten harren allerdings bis heute ihrer Wiederentdeckung. Mészár und von Heimburg brachten Hensels Fantasia g-Moll wunderbar zum Klingen, voller eigenwilliger Expressivität. Nach einem melancholischen Beginn mit einer wunderschönen kantabel und warm gespielten Cellomelodie wurde das ausdrucksstarke Klavierthema vom Cello aufgegriffen und von beiden Partnerinnen beständig gesteigert bis zu einem strahlend-optimistischen Prestissimo. Die beiden jungen Musikerinnen harmonierten bestens miteinander.

Kennt man Fanny Hensel zumindest dem Namen nach, so hatte wohl jemand von der 1850 in Rastatt geborenen Komponistin Luise Adolpha Le Beau gehört. Einen wunderbaren Ohrenschmaus bescherte das Pelion Duo dem Publikum mit den Werken dieser zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Komponistin. Mit 16 Jahren hatte sich die talentierte Pianistin entschlossen, Komponistin zu werden. Unterrichtet wurde sie unter anderem von Clara Schumann und Josef Gabriel Rheinberger. Trotz der Unterstützung ihrer Familie und obwohl sie einen Verleger fand, der ihre Werke druckte, und Künstler, die sie spielten, stieß sie in dieser Männerdomäne auf erbitterten Widerstand, Vorurteile, Missgunst und Unverstand. Ihre Musik klingt leidenschaftlich, ist stürmisch, drängend und dennoch zart und empfindsam. Eine echte Entdeckung stellte ihre Sonate a-Moll op. 36 dar, die fast als Klavierkonzert bezeichnet werden kann. Alle technischen Schwierigkeiten und Herausforderungen, die man sich nur vorstellen kann, hat le Beau in den Klavierpart gepackt. Von Heimburg meisterte alle diese Hürden hervorragend. Mit viel Gefühl wurde der erste Satz mit seiner romantisch-melancholisch klingenden Cellostimme zu Gehör gebracht. Munter plätscherten die Klaviertöne dahin, während das Cello leidenschaftlich sang. Immer furioser und expressionistischer wurde die Musik und steigerte sich atemberaubend. Die Finger der Pianistin flogen geradezu über die gesamte Klaviatur. Ruhig, mit innigem Gefühl wurde der herrliche zweite Satz gestaltet. Mit geschlossenen Augen, völlig der Musik hingegeben ließ Mészár die Saiten ihres Cellos singen. Fröhlich und temperamentvoll klang der Schlusssatz. Energische Pizzicati, schnelle, perlende Läufe und Arpeggien im virtuosen Klavierpart führten mit Verve zu einem fulminanten Finale. Auch Le Beaus Romanze E-Dur begeisterte. Mit ihr hatte die Komponistin 1881 einen Kompositionswettbewerb gewonnen. Mit herrlichen Klängen zum Zurücklehnen und Genießen wurden das Publikum verwöhnt. Nach den „Exotinnen“ kam nun ein gängiges Stück aus dem Cello-Repertoire auf die Bühne. Völlig andere Klänge galt es mit Edvard Griegs Sonate a-Moll op. 36 zu entdecken, obwohl sie zur gleichen Zeit wie Le Beaus Werke entstanden ist. Bei ihrer Uraufführung 1883 wurde sie verrissen, von der Nachwelt allerdings wohlwollend aufgenommen. Thematisiert werden in der ausschweifenden Sonate die Natur sowie die norwegischen Volkslieder. Tritt in Le Beaus Sonate das Klavier in den Vordergrund, so kommt es hier zu einem völlig gleichberechtigten Dialog zwischen Klavier und Cello. Ruhig begann das Cello mit seinem Hauptthema über einer nervösen Klavierbegleitung im ersten Satz. Plötzlich brach ein Sturm aus. Klavier und Cello schraubten sich leidenschaftlich in chromatischen Schritten in die Höhe, bevor es ausgesprochen rhythmisch weiterging. Nach einem letzten Aufbäumen des Sturms atmete das Publikum hörbar auf. Grieg lotet hier die melodischen Möglichkeiten des Cellos durch alle Register aus. Mühelos meisterte Mészár alle Herausforderungen. Wunderbar erklang der ruhige zweite Satz mit seiner lieblichen romantischen Cellomelodie und himmlischen Klavierklängen. Der folkloristische Schlusssatz kam tänzerisch-beschwingt daher, manchmal auch etwas geheimnisvoll. Auch hier wird wieder die norwegische Natur beschrieben und ein weiterer Sturm ließ nicht lange auf sich warten.

Nach einer brillanten Coda brandete begeisterter Applaus auf. Das Publikum zeigte sich tief beeindruckt vom Können und Talent der beiden jungen Musikerinnen und ihrer virtuosen und leidenschaftlichen Interpretation von Griegs anspruchsvollem Werk. Ohne Zugabe ließ es die beiden nicht ziehen. Nach dem dritten Satz aus Othmar Schoecks unvollendeter Cellosonate von 1957 endete der Abend wieder „exotisch“ und nach all den aufregenden musikalischen Stürmen beruhigend mit einem schönen Wiegenlied von Le Beau.

Carmen Diemer-Stachel


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