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Grimms Märchen neu erzählt

Grandioser und heiterer Abschluss der Walldorfer Musiktage mit dem SeppDeppSeptett

Das ist die Bildunterschrift

Ihre Musik mit viel Energie, Spaß an der Freude und dabei hochprofessionell unters Publikum zu bringen, ist dem SeppDeppSeptett bitterernst (Foto: Pfeifer)


Für einen grandiosen und zugleich äußerst heiteren Abschluss der Walldorfer Musiktage sorgte das SeppDeppSeptett am 11. Oktober. Schon der Name dieses jungen Ensembles, das eigentlich ein Oktett ist, ließ Kurioses und Exotisches vermuten.


Das Publikum in der Astoria-Halle wurde nicht enttäuscht. Das heitere, von kabarettistisch-musikalischen Ideen nur so sprudelnde Programm strapazierte die Lachmuskeln der Zuhörer gehörig. Dabei handelte es sich keinesfalls nur um Klamauk, sondern um musikalische und schauspielerische Darbietungen auf allerhöchstem Niveau. Das Ensemble, bestehend aus drei Hörnern (Pia Stahl, Jonathan Baur, Raphael Manno), drei Trompeten (Robin Nikol, Valentin Erny, Sebastian Gröller), einer Tuba (Michael Rast) und einem Akkordeon (Felix Franzl) hatte sich an der Musikhochschule in Trossingen gefunden. Die jungen Musiker sind ausgezeichnete Profis auf ihren Instrumenten und haben alle inzwischen Anstellungen an renommierten deutschen Orchestern gefunden. Ein Sepp (Sebastian Gröller), ein waschechter Bayer in zünftigen Lederhosen, hatte sieben „Deppen“ um sich geschart, die alle Spaß an feinster Blasmusik gepaart mit humoristischem Theater, Tanz, Gesang und Comedy haben. Man konnte nur staunen, was diese lustige Schar alles aus ihren Blechblasinstrumenten herausholen konnte. Selbst liegend, rennend, tanzend und hüpfend beherrschen sie diese erstklassig und intonationssicher. Wunderbar fügten sich das Akkordeon oder die Melodica (Felix Franzl) zu den Bläserklängen. Mit ihrem neuen Programm „Acht auf einen Streich“ begaben sich die acht Musiker in die Welt der Märchen der Brüder Grimm. Allerdings wurden jetzt die „wahren Märchen“ auf die Bühne gebracht.

Die Zuckerfee sorgte für Begeisterung (Foto: Carmen Diemer-Stachel)

Das Publikum kam in den Genuss von „Rumpelseppchen“ (Rumpelstilzchen), „Schneedeppchen“ (Schneewittchen), „Der Wolf und die sieben Depplein“ und „Sepp im Glück“. Fantastisch, lustig und skurril wurden die bekannten Grimm'schen Märchen neu erzählt. Die musikalischen Einlagen, die übrigens ausschließlich aus eigenen Arrangements bestanden, erstreckten sich von klassischer Musik, Musical- und Filmmusik über bayerische Volksmusik, Volks- und Kinderlieder bis hin zur Popmusik. Von Johann Sebastian Bachs „Toccata“, Edvard Griegs „Morgenstimmung“, der James Bond Filmmusik, „Ein Männlein steht im Walde“ bis hin zu „Lemontree“ von Fool´s Garden, hervorragend gespielt von Franzl auf der Melodica, während er als „Rumpelseppchen“ durch den Wald schlich, war für jeden Geschmack etwas dabei. „Rumpelseppchen“ erwies sich übrigens als frecher Kobold, der allerhand Unfug anstellte. So pinkelte er, mit Hilfe eines Schlauchs und eines Wasserkanisters im Rucksack, sehr zur Heiterkeit der Zuschauer in Michael Rasts Tuba.

Besonders angetan hatte es dem Publikum das kecke und selbstverliebte „Schneedeppchen“, verkörpert vom aus Walldorf stammenden Valentin Erny. Der „heiße Feger“ im Disney-Schneewittchen-Kostüm war als Instagram-Superstar immer auf der Jagd nach Likes. Die Musiker-Zwerge konnten als Heiratskandidaten weder mit Gesang („Ein Freund, ein guter Freund“) noch mit Alkohol, einem Joint oder gar Kokain die Gunst ihres Schwarms, der diesen Angeboten zwar nicht abgeneigt war, erlangen. Nur ein Apfel fand Anklang beim hervorragend Trompete spielenden „Schneedeppchen“. Wie die Sache dann ausging, ist bekannt. Köstlich war die Grabrede in einer Fantasiesprache, die simultan in Gebärdensprache übersetzt wurde. Das schöne „Schneedeppchen“ wurde allerdings nicht von einem Prinzen errettet, sondern kam zu den Klängen von Gustav Mahlers „Auferstehungssinfonie“ wieder ins Leben zurück. Für Begeisterung sorgte der Auftritt der Zuckerfee (Robin Nikol) im rosa Tutu mit ihren beiden Balletttänzern (Jonathan Baur, Valentin Erny), die sich gekonnt zu Klängen aus der „Nussknacker Suite“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski drehten und gewagte Sprünge vollführten. Nach diesem Auftritt tobte der Saal regelrecht und verlangte nach einer Zugabe. Die graziöse Fee kam bald wieder im Märchen „Sepp im Glück“ ins Spiel. Nachdem Sepp (Sebastian Gröller) seinem Meister sieben Jahre treu gedient hatte, schenkte ihm dieser eine goldene Trompete. Pia Stahl überzeugte Sepp davon, seine Trompete gegen ihr altes Waldhorn einzutauschen. Erstaunlich, dass beide auch ausgezeichnet auf dem Instrument des anderen spielen konnten! Das Waldhorn wurde dann gegen eine Mundharmonika eingetauscht, mit der der Sepp allerdings nichts anzufangen wusste. Jetzt hätte er doch gerne seine Trompete wiedergehabt. Zum Glück erschien die Fee und überließ ihm ihren Feenstab, mit dem Sepp ein ganzes Orchester dirigieren konnte. Damit trieb er es aber gar zu arg, sodass er seine Trompete, auf der die Fee zwischenzeitlich virtuos gespielt hatte, zurückbekam. Michaela Rast begeisterte als böser, Tuba spielender Wolf im Ganzkörper-Wolfskostüm. Seine List ging am Ende auf und er verschlang alle „Depplein“, bis auf eines. Für ein Happy End sorgte „Geheimagent 008 mit der Lizenz zum Tröten“ im eleganten schwarzen Anzug, ganz fantastisch gespielt von Jonathan Baur. Zu den Klängen der Titelmelodie der Bond-Filme schlich er mit gezückter Pistole über die Bühne. Den Martini gab es stilecht geschüttelt, nicht gerührt aus der Trompete. Als er dem Wolf den Bauch aufschnitt, kamen die „Depplein“ in Form von Kissen mit aufgedruckten Portraits heraus. Auf diese Weise wurden die Musikerin und die Musiker dem Publikum humorvoll namentlich vorgestellt.

Riesenapplaus, Fußgetrampel und Bravo-Rufe gab es am Ende nach diesem erstklassigen, kuriosen und unterhaltsamen zweistündigen Programm. Ohne mehrere Zugaben ließ das restlos begeisterte Publikum das Ensemble nicht ziehen. Nach dem Volkslied „In einem kühlen Grunde“, wunderbar dreistimmig gesungen und gespielt, verabschiedeten sich die jungen talentierten Musiker beschwingt mit dem Evergreen „Am Sonntag will mein Süßer mit mir Segeln geh'n“.

Carmen Diemer-Stachel


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