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Walldorf und seine Geschichte(n)

Vorstellung des Jubiläumsbuchs „Walldorfer Geschichte(n) aus 12 Jahrhunderten“

Das ist die Bildunterschrift
  Das Autorenteam (v.l.n.r.): Klaus Ronellenfitsch, Jürgen Kamm, Werner Sauer und Andy Herrmann stellte das neue Walldorf-Buch vor und gab Kostproben (Fotos: Pfeifer)


Für Bürgermeisterin Christiane Staab ist es ein ganz besonderes Lesewerk – das neue Walldorfer Geschichtenbuch. „Wie ein Kaleidoskop macht es die Facetten unserer Stadt sichtbar.“ Dabei hätte es gute und schlechte Zeiten gegeben, die Walldorf und seine Bürger geprägt haben, betonte Staab am 22. November bei der öffentlichen Vorstellung des Buchs im Rathaus-Foyer.


Den Autoren Andy Herrmann, Jürgen Kamm, Klaus Ronellenfitsch und Werner Sauer sei ein kurzweiliges Geschichtenbuch gelungen, das zu den unterschiedlichsten Themen Informationen bereithielte, sagte das Stadtoberhaupt. „Mit dieser Veranstaltung läuten wir die große Stadtfeier ein, die sich das ganze Jahr 2020 hinziehen wird“, hob sie hervor. Ihr Dank galt vor allem dem Ersten Beigeordneten Otto Steinmann, der maßgeblich für die Organisation der Jubiläumsfeierlichkeiten sowie die Arbeiten am Buch verantwortlich zeichnet. Vor vollbesetzen Reihen begrüßte Christiane Staab neben den vier Autoren auch Andrea Sitzler vom verantwortlichen Verlag Regionalkultur. „Man will ja wissen, was aus so einem Kind wird“, begründete diese das Verlagsinteresse.

Die Entstehung des Buches, das im Rahmen des 1250. Jubiläums der Ersterwähnung Walldorfs erscheint, begann bereits im Juni 2017 mit der ersten Ideenfindung. Schnell war man sich einig, erzählte Andy Herrmann, dass der Fokus auf noch nicht publiziertem Material liegen und keine klassische Stadt-Chronik entstehen sollte. Jeder der vier Autoren steuerte sein ganz spezielles Interessensgebiet dem Buch bei und stellte an diesem Abend mal ernst, mal heiter-launig auszugsweise seinen Part vor. Den Anfang machte Klaus Ronellenfitsch, der als Autor orts- und familiengeschichtlicher Publikationen kein Unbekannter ist. Für sein umfangreiches Aus wandererkapitel recherchierte der Oberstudienrat i. R. per Post und Internet bis nach Illinois, USA. In Walldorf wurde die Informationssuche vor allem von Ingrid Heller unterstützt, die ihr privates Archiv öffnete, wie Ronellenfitsch dankend betonte. Neben Kapiteln zu Walldorfs Frühgeschichte, bekannten Walldorfer Familien und jüdischer Geschichte stammt auch das Kapitel zu Walldorfer Unglücken aus der Feder von Ronellenfitsch. Mit den „Streiflichtern“ hat der Wahlwalldorfer kurze Miniaturen beigesteuert, in denen er verborgene Jahreszahlen erklärt, den scharfzüngigen Verseschmieder Pfarrer Stumpf porträtiert oder vom letzten, am Cäcilientag 1798 erlegten, Wolf berichtet. Die Geschehnisse in und um Walldorf während des Zweiten Weltkrieges und zum Kriegsende sind das Steckenpferd von Jürgen Kamm, Stadtoberamtsrat i. R. Er erzählte von sage und schreibe 48 Flakstellungen in Walldorf und von Panzersperren, die allerdings wenig ausrichteten. Er zeigte sich sehr überrascht, dass erst im Jahr 2007 das Gesetz zur Beseitigung des Besatzungsrechts in Kraft trat. „Wir waren bis dahin praktisch ein besetztes Land.“ Er sei sehr froh, dass er neben der Recherche in New York auch noch Augenzeugen vor Ort hatte befragen können, die in der Zwischenzeit zum Teil schon verstorben seien.

Werner Sauer, ehemaliger Rektor der Schillerschule und echter Walldorfer Bub, bereichert das Buch mit dem zukunftsweisenden Thema Bildung. „Ich habe die Geschichte der Walldorfer Schulen am eigenen Leib erlebt“, sagte er. Anders als die restlichen Autoren ist Sauer erst sehr spät zum Autorenteam hinzugestoßen. Es habe, so berichtete er spitzbübisch lächelnd, einiger Überredung durch Otto Steinmann bedurft, bis er zugesagt hätte. Mit viel Empathie und zahlreichen Anekdoten erzählte Sauer von seiner Zeit am Wieslocher Gymnasium, von Fräulein Riemensperger, ehemalige Schulrektorin und begnadete Lehrerin, und davon, dass der Neubau des Gymnasiums in Walldorf zu seiner Zeit nicht ganz unumstritten war. Die Begeisterung für die Schule und für die Lokalgeschichten war ihm ins Gesicht geschrieben. Andy Herrmann, Moderator des Abends, rundete die Buchvorstellung mit seinen Geschichten zu den noch sichtbaren architektonischen Zeugen der Walldorfer Veränderungen ab. In den 1930er Jahren, so berichtete er, gab es in Waldorf beachtliche 16 Gastwirtschaften bei nur 4.600 Einwohnern. Was mit einem Raunen im Saal bekräftigt wurde. Sie waren häufig, so Herrmann, das Zentrum gesellschaftlicher Ereignisse. Auszugsweise las er die Texte über das „Gasthaus Perkeo“, das Gasthaus „Zum Stern“ und „Zur Linde“.

„Es sind Ihre Geschichten! Lassen Sie die Bilder im Kopf lebendig werden und entdecken ganz für sich oder mit Ihrer Familie Walldorf wieder neu.“ Damit rief Christiane Staab begeistert zum Lesen auf und lud die Anwesenden zu einem kleinen Sektempfang ein, bei dem zahlreiche Bücher signiert wurden und in diversen Gesprächen in den Erinnerungen gegraben wurde.

Für die musikalische Umrahmung des Abends sorgten Chrissi Michel (Gesang) und Sven Wittmann (Gitarre), vielen bekannt von „Cool Breeze“, mit einfühlsamen Songs.

Kerstin von Splényi

Walldorfer Geschichte(n) aus 12 Jahrhunderten

Das Buch ist in Walldorf erhältlich im Rathaus bei der Stadtkasse im Erdgeschoss, bei Bücher Dörner, Bahnhofstraße 8, sowie im Buchhandel zu bestellen unter der ISBN 978-3-95505-164-8, es kostet 14,90 Euro und ist im Verlag Regionalkultur erschienen.


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