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Zweites Leben für totes Holz

Erster Totholzgarten in Baden-Württemberg - Kooperationsprojekt für Artenvielfalt

Das ist die Bildunterschrift
Besucherinnen und Besucher sind im Totholzgarten willkommen (Fotos: Pfeifer)


Das Waldschutzgebiet Schwetzinger Hardt bietet nach dem Waldlehrpfad Reilinger Eck mit seiner Waldweide und dem Bannwald Kartoffelacker nun noch ein weiteres interessantes Ziel für Waldbesucherinnen und –besucher: den Totholzgarten.


In der Waldabteilung Neuer Brunnen befindet sich im Anschluss an die Düne Hoher Stein, nahe der „Vesperhütte“, der erste Totholzgarten in Baden-Württemberg. Große Holzschilder an den Zugängen machen auf den frisch angelegten ungewöhnlichen Garten aufmerksam. Im nächsten Jahr wird der Weg, der sich zwischen den aufgeschichteten Baumstämmen und Wurzelstrünken hindurchschlängelt, noch von Wildblumen und Wildkräutern gesäumt sein und für ein farbenfreudigeres Bild sorgen.

Bürgermeisterin Christiane Staab machte sich dieser Tage gemeinsam mit Dr. Mattias Rupp und Christian Speck von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg sowie dem Walldorfer Revierförster Gunter Glasbrenner, der auch das Kreisforstamt des Rhein-Neckar-Kreises vertrat, und seinen Kollegen von Forst BW Bernd Schneble, Leiter des Forstbezirks Hardtwald, und Förster Achim Freund, zuständig für das Revier Hirschhaus im Staatswald auf Walldorfer Gemarkung, ein Bild von dieser sehr nachhaltigen Gartenvariante mitten im Wald.

Wegweisendes Projekt

Gefällte Holzstämme prägen das Areal. Was aktuell vielleicht noch leblos wirken mag, bietet wertvollen Lebensraum für Insekten und Kleintiere. Auch Moose, Flechte und Pilze werden sich hier ansiedeln. Schon in kurzer Zeit wird es also sehr lebendig zugehen, worauf sich Revierförster Gunter Glasbrenner, der wesentlicher Impulsgeber für den Totholzgarten war, sehr freut. Bürgermeisterin Christiane Staab lobte das „wegweisende naturschutzfachliche Projekt“, das durch die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten realisiert worden sei. „Wir müssen den Wald wieder ins Bewusstsein der Menschen rücken, um die Identifikation mit diesem Lebensraum zu intensivieren“, stellte sie fest. Sie hoffte, dass viele Menschen den Totholzgarten besuchen und erleben möchten. Investiert wurden insgesamt 16.500 Euro, wovon Walldorf 13.000 Euro übernommen hat. Wie Gunter Glasbrenner erläuterte, habe er einen Antrag auf Fördermittel gestellt, der auch  genehmigt worden sei, so dass sich die Ausgaben reduzierten.

Die Idee, in der Schwetzinger Hardt einen Totholzgarten anzulegen, hatten Mattias Rupp und Gunter Glasbrenner bereits vor Jahren. Vielversprechende Beispiele hatten sie in Bayern entdeckt, wo es schon seit längerem erfolgreiche Totholzgarten-Projekte gibt. Rupp und Glasbrenner überzeugte diese besonders nachhaltige Form der Waldwirtschaft, da totes Holz wertvolle Biomasse darstellt und als Totholzgarten noch lange Zeit wichtige Funktionen erfüllen kann. Eine Art „Up-Cycling“ im Wald.

Win-Win-Situation

Der Standort, der noch zum Revier von Gunter Glasbrenner gehörte, als die ersten Überlegungen getroffen wurden, liegt nun nach der Forstreform im Staatswald. Mit dem Weißmoos-Kiefernwald und Kieferwäldern vom Typ der Sarmatischen Steppe, einem Kiefern-Steppenwald, weist die Schwetzinger Hardt in Deutschland sehr selten vorkommende Waldgesellschaften auf. Diese lieben nährstoffarme, trockene Böden. Holz, das gefällt werden muss, um die idealen lichten Bedingungen für den Weißmoos-Kiefernwald und die sarmatische Steppe mit ihrer seltenen Flora und Fauna zu schaffen, findet nun im Totholzgarten sein zweites Leben. Getreu dem Motto „Alte Bäume verpflanzt man nicht“ liegt die Herkunftsfläche der Baumstämme in der Nähe des Totholzgartens, so dass es keine langen Transportwege gab. Als „eine vielfache Win-Win-Situation“ bezeichneten Mattias Rupp und Bernd Schneble die Nutzung des Totholzes, in dem viele Holzbewohner Lebensraum fänden. Mit dem noch entstehenden blühenden Saum wäre auch der Tisch für die Insekten gedeckt mit Blatt- und Blütennahrung, so die Experten. Der Totholzgarten wird auch als ideale Ergänzung zum Bannwald Kartoffelacker gesehen,  in den der Mensch überhaupt nicht mehr eingreift.

Steter Wandel

Der Totholzgarten wird – entgegen seiner Bezeichnung – stetig im Wandel bleiben durch den Zerfall des Holzes und das Einbringen neuen Totholzes. Wie zu erfahren war, plant die Forstliche Forschungs- und Versuchsanstalt, noch mehr Lebensräume für seltene Pflanzenarten zu erschließen, so dass auch noch weitere Totholzgärten entstehen könnten. Im Frühsommer 2021soll ein erstes Monitoring der Forstlichen Forschungs- und Versuchsanstalt durchgeführt werden, um zu erfassen, welche seltenen Moose, Flechten, Pflanzen, Insekten und andere Tiere sich im und rund um den Totholzgarten angesiedelt haben. Rupp und Speck versicherten, dass die Ergebnisse selbstverständlich auch veröffentlicht würden.

 

Erste offizielle Gäste im neuen Totholzgarten (v.l.n.r.): Bürgermeisterin Christiane Staab, Bernd Schneble, Achim Freund, Gunter Glasbrenner, Mattias Rupp und Christian Speck

Im Frühjahr wird der Weg von Wildkräutern und Wildblumen gesäumt sein, die den Insekten Nahrung liefern

Walldorfer Kiefernwald der Sarmatischen Steppe
nach Pflegearbeiten (Foto: Forst)


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