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Offen für Zufall und Intuition

„Kunst im Rathaus“ von Pilar Colino - noch b is 28. April

Das ist die Bildunterschrift

Pilar Colinos Kunst ist im Rathaus zu sehen. Die Künstlerin wurde herzlich von Erstem Beigeordneten Otto Steinmann (li.) und Kunstbeauftragtem Hartmuth Schweizer begrüßt (Fotos: Pfeifer)


Mit Pilar Colino stellt nach Susana Reberdito und Maria Sainz Rueda die dritte Künstlerin mit spanischen Wurzeln in der Reihe „Kunst im Rathaus“ aus.


Darauf wies Walldorfs Kunstbeauftragter Hartmuth Schweizer bei der Vernissage am 16. März hin. Allen drei Künstlerinnen sei „eine über die Form dominierende Farbigkeit“ gemeinsam, meist ein Grün-Rot-Kontrast, stellte Schweizer fest. Er ging auch der Frage nach, ob und wie sich Pilar Colinos spanisches Erbe in ihrer Bildsprache niederschlägt. „Ganz dreist sage ich mal gar nicht“, erklärte Schweizer. Dabei verwies er auf Pilar Colinos Werdegang. Die in Castéllon geborene Künstlerin habe zwar in Spanien studiert, aber nicht Kunst, sondern Jura. Erst in Deutschland habe sie sich intensiv mit der Kunst, besonders der Malerei beschäftigt. An renommierten Institutionen wie der Erwachsenenbildung der Städel-Abendschule in Frankfurt oder der Salzburger Sommerakademie habe sie ihr künstlerisches Schaffen entwickelt.

Die im Walldorfer Rathaus gezeigte Auswahl zeigt Werke, die seit Ende der 1990er Jahre bis heute entstanden sind. Ihre Bilder mit Titeln wie „Espacio“, „Schonach“, „The place where I want to be“ illustrierten Orte, die sie inspirierten, erklärte Schweizer, Assoziationen, die während des Malens Gefühle und Stimmungen aus dem Unterbewusstsein wie „Blasen an die Oberfläche treiben ließen“. Bei Pilar Colino seien es Landschaften und deren Stimmungen, die die kreative Reise der Bildproduktion illustrierten. Schweizer bezeichnete dies als „Staunen des sich der Welt bewussten Menschen, der dieser als Individuum gegenübersteht“.

"Un puente", Acryl auf Leinwadn, Siebdruck, 2017

Das Staunen Pilar Colinos mündet bei ihr in den Malakt selbst, die Farben, Linien und Formen als bildnerische Mittel – sie sind das eigentliche Thema der künstlerischen Gestaltung. „Wenn Pilar Colino heute ihre erste Farbspur mit dem Pinsel – oder bevorzugt mit dem Schwamm – auf die Leinwand setzt, tut sie das auf den Schultern jener Maler stehend, die diese Geste der Malerei als Autonomie, als Befreiung verstanden haben“, so Schweizer. Ein grüner Pinselstrich repräsentiere keine Wiese, das Rot keinen Sonnenuntergang, der Bildgegenstand sei die Farbe selbst. Beim Betrachten der Bilder könne man Pilar Colinos intensive vielschichtige Malmethoden nachvollziehen. In den lasierenden Farbschichten sehe man die unterschiedlichen Arbeitsvorgänge. Spuren, Formen, die übermalt oder wieder freigelegt wurden, dokumentierten den zeitlichen Ablauf des entstandenen Bildorganismus. Die entstandene Harmonie und die Qualität des Ausdrucks seien das Ergebnis sowohl hoher Konzentration während des Malprozesses als auch einer dem Zufall und der Intuition geöffneten Haltung der Künstlerin. Pilar Colino schaffe mit ihrem röhrenartigen Formenvokabular, das durch Fragmente fotografischer Objekte ergänzt werde, Illusionen phantastischer Welten und verlassener Industrieruinen, stellte Hartmuth Schweizer fest. Beim Betrachter könnten die Lichtstimmungen, die monochrome Farbigkeit oder das intensive Rot einer fast surrealen Himmelsvision ambivalente Gefühle erzeugen. „Bedrückende und bedrohliche Architektur-Natur-Konstellatioinen sind nicht weit von romantischer, poetischer Anmutung entfernt“, so Schweizer. Er glaubte, in Colinos Lichtvisionen auch etwas Apokalyptisches zu sehen, wie „Zitate mittelalterlicher Endzeitvisionen“. Hartmuth Schweizer, der sichtlich Vergnügen an der intensiven Interpretation von Pilar Colinos Malerei hatte, empfahl dem Publikum, das angebotene breite Spektrum an Stimmungen zwischen Düsternis und Harmonie zu genießen. Dies ist noch bis zum 28. April möglich.

Erster Beigeordneter Otto Steinmann, der sich von den Farbkompositionen Colinos beeindruckt zeigte und meinte, das Farbe und Farbigkeit dem Grau des Rathauses gut täten, begrüßte zur Vernissage auch das Vater-Tochter-Duo Sten und Tara.  Die beiden begleiteten die Ausstellungseröffnung mit Stimmen und Gitarren, auch auf Spanisch.


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