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Verausgabungskünstler

Ausstellung von Claudia Urlaß und Mario Urlaß bei „Kunst im Rathaus“

Das ist die Bildunterschrift

Die Künstler Claudia und Mario Urlaß (Mitte) mit Bürgermeisterin Christiane Staab, Staatssekretär a. D. Michael Sieber und Kunstbeauftragtem Hartmuth Schweizer (Fotos: Pfeifer)


„Wir verlieren Ort und Räume, wo wir miteinander sind, wo Menschen sind“, stellte Michael Sieber, ehemaliger Staatssekretär, angesichts des technologischen Fortschritts mit Bedauern fest, bevor er in die Ausstellung „Ur-“ von Claudia und Mario Urlaß einführte.


Die Vernissage im Walldorfer Rathaus am 13. Dezember war allerdings ein Anlass, der viele Menschen zusammenbrachte. Sie untermauerte damit Siebers Credo, dass Bildung und Kultur die Voraussetzungen dafür schaffen, eine tolerante Gesellschaft zu erhalten und zu stärken, in der man sich auch mit Kunst, mit dem Unvorhersehbaren auseinandersetzt. Sein Lob und sein Respekt galten daher Walldorf, das mit seiner Reihe „Kunst im Rathaus“ hier „ein wichtiges Zeichen“ setze.

Bürgermeisterin Christiane Staab und Walldorfs Kunstbeauftragter Hartmuth Schweizer, der üblicherweise in die Ausstellungen der von ihm konzipierten Reihe einführt, freuten sich, Michael Sieber begrüßen zu dürfen. Man spüre Siebers Faszination für Kunst, stellte Hartmuth Schweizer fest. Christiane Staab lobte die „wunderbare Ausstellung“, deren Wachsen und Werden im Rathaus sie habe miterleben dürfen. Für sich hatte sie bereits vieles in den Werken von Claudia und Mario Urlaß entdeckt, vor allem auch, dass besonders Claudia Urlaß‘ Zeichnungen absolut genaues Hinsehen lohnen.

In der Dämmerung, 2017, Bleistift auf Papier, Claudia Urlaß

Claudia Urlaß, die sich eigentlich für den Beruf der Lehrerin entschieden hatte, besann sich anders und schlug den Weg einer freischaffenden Künstlerin ein. An der Staatlichen Akademie für Kunst Karlsruhe studierte sie Malerei und Grafik, zuletzt als Meisterschülerin. Bei einem Atelierbesuch bei Claudia Urlaß sei  er „magisch angezogen worden“ von ihrem Formenvokabular und ihren komplexen Bildwelten, berichtete Sieber. Die Linien als kleinste „Bausteine“ ihrer grafischen und geometrischen Bilder übten eine regelrechte Sogwirkung aus. Die „Innere Leere“ einer Ellipse – so der Titel einer ihrer großformatigen Zeichnungen – wird durch tausende, akribisch mit der Hand gezeichneten Kreise, erzeugt. Ein langer meditativ-spiritueller Arbeitsprozess, so Sieber, der entschleunige und die Konzentration auf das Wesentliche lenke. „Die Zeichnung öffnet der Seele die Augen“, zitierte er Louise Bourgeois. Claudia Urlaß experimentiert als ursprüngliche Mathematiklehrerin auch mit Zahlenfolgen und übersetzt diese in Linien. Ihr variables System besteht aus Spiegelungen, Drehungen, Überlagerungen. „Sie lässt uns etwas sehen, was man so zuvor nicht gesehen hat“, stellte Sieber fest.

Gallina corallium, Mario Urlaß

Mario Urlaß, seit 2003 Professor für Kunst und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, ist von der Natur begeistert. Mit seiner Kunst gebe er „einen indirekten Kommentar zu Themen um Natur, Individuum und Ursprung“, erklärte Michael Sieber. Das Umgestalten von Entdecktem, Gesehenem reize und inspiriere Mario Urlaß. „Das Bild sagt ihm, was er zu tun hat.“ Mario Urlaß habe ihm erklärt, dass er es liebe, wenn eine Entwicklung nicht vorherzusehen, nicht zu erklären sei. Der dialogische Prozess gehe hin und her. „Lass es ein Rätsel bleiben!“ Bei Mario Urlaß sind Collagen, Mischtechniken, Arbeiten in Acryl, Fotografien zu entdecken in großer Formenvielfalt, direkt und körperlich. Dass das Poetische immer Teil des Menschen ist, steht für Mario Urlaß fest. Michael Sieber verwies auf ein großes Stück Olivenholz, eine Art „ur-zeitliches Readymade“, das unter den Händen des Künstlers mit schwarzem Sand zu einer geheimnisvollen Plastik geworden sei.So unterschiedlich die Werke des Künstlerpaars formal, technisch und in ihrer Herangehensweise auch sind, Michael Sieber sah sie als gleichermaßen „überzeugend in ihrer Wirkmächtigkeit“, die er den beiden „Verausgabungskünstlerin“ bescheinigte.

Kongeniale musikalische Wirkung erzeugte das Bläserquintett „Bergheimer 32tel“ mit May Ohta (Querflöte), Johann Friedrich Langbein (Oboe), Karlheinz Kistner (Klarinette), Jakob Rensinghoff (Horn) und Erich Nowaczinksi (Fagott).

Die Ausstellung „Ur-“ ist noch bis Ende Januar im Rathaus während der üblichen Öffnungszeiten zu besichtigen.


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