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Reduzierte Bilder mit Gewicht

"Gemalte Bilder" von Dirk Klomann bei Kunst im Rathaus

Das ist die Bildunterschrift
  "Thanks for looking" - Dirk Klomann (re.) mit Bürgermeisterin Christiane Staab und dem Kunstbeauftragten Hartmuth Schweizer (Foto: Pfeifer)


Zu Ostern dürfte der Künstler Dirk Klomann, dessen umfangreiche Werkschau derzeit im Rathaus Walldorf zu sehen ist, ein besonderes Verhältnis haben, denn Eier spielen für ihn eine elementare Rolle.


Fasziniert von dem „intensiven und aufwendigen Arbeitsprozess in Ei-Temperatechnik“, die Dirk Klomann meisterhaft beherrsche, zeigte sich auch Bürgermeisterin Christiane Staab bei der Begrüßung der Vernissage-Gäste am 21. März. Bewundernswert und schier „atemberaubend“ fand Christiane Staab auch Dirk Klomanns „Mut“, fertige Bilder wieder zu übermalen und daraus etwas Neues zu schaffen. Hartmuth Schweizer, der Kunstbeauftragte der Stadt, konnte mit Dirk Klomann einen ehemaligen Studenten der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe begrüßen, von denen einige in loser Reihenfolge zu „Kunst im Rathaus“ eingeladen werden. Klomann sei ein „würdiger Vertreter der so genannten Karlsruher Malschule", stellte Schweizer fest. Diese stelle den Malprozess, die Farben, die Farbmaterie und schließlich den Duktus des Malens ins Zentrum des Bilds und „macht den Malvorgang zum Thema der Bildgestaltung“. Die vom Künstler ausgewählten 42 Bilder sind ausschließlich gemalte Bilder, wobei Schweizer es etwas bedauerte, keine Zeichnungen vorstellen zu können. Schweizer erläuterte, dass trotz der oft ironisch-witzigen und auch poetischen Bildtitel – wie zum Beispiel „Nosferatu im Sonnenlicht“ oder „Japanisches Meer mit Puddingfelsen“ – die Bildgegenstände, zum Beispiel eine Landschaft, ein Stillleben oder ein Auto, nur der Malanlass, die Inspiration seien. Bei Dirk Klomann sei nichts von der herbeigeredeten „Krise der Malerei“ zu spüren. Er habe sich nie davon irritieren lassen, seine Malerei sei aktuell und verkörpere neben der Hinwendung zur Tradition auch zeitgenössische Haltungen. Die Kunst und deren Deutung gebe Dirk Klomann „in die Hand und das Auge des Betrachters“. Hier gelte „L‘ art c’est toi!“ Klomann gehe von einem emanzipierten und engagierten Kunstrezipienten aus und setze Vertrauen in ihn. „Alle Reaktionen und Missverständnisse sind dabei denkbar“, ergänzte Schweizer, denn es gebe ja keinen allgemein akzeptierten Kunstbegriff mehr.

"japanisches Meer mit Puddingfelsen", 150x180 cm, Ei-Tempera/Köper

Dirk Klomann greife, so Hartmuth Schweizer, auf Inhalte und Themen der Kunstgeschichte zurück und benutze diesen Fundus. „Bevor das Gelb die Sonne oder die Zitrone darstellt … sind es Farbflächen mit eigenen Gesetzen auf die Fläche der Leinwand gemalt.“ In diesem Zusammenhang ging Schweizer auch nochmals auf die Maltechnik Dirk Klomanns ein. Denn Beschaffenheit und Konsistenz sowie die Herstellung und Verarbeitung der Farbsubstanz sind essentiell, wenn die Farbe das Zentrum eines Bilds ausmacht. Nur logisch, dass Dirk Klomann seine Farben selbst herstellt. Mit der Ei-Temperatechnik, für die er Eiweiß und Eigelb benutzt, verweist Klomann auf eine der ältesten Maltechniken, die schon in der Antike Verwendung fand. Mit „unzähligen Übermalungen“ gebe Klomann seinen Bildern noch mehr Gewicht. So gewichtig die Farbmaterie mit ihren „krümeligen Reliefs, groben Partikeln und Runzeln“ ist, so reduziert stellt Dirk Klomann seine Orangen- und Zitronenbäume, seine überwiegend männlichen Gestalten und auch den Taucher dar, der an seinen antiken Vorgänger aus Paestum erinnert. Dieser ist im ersten Obergeschoss des Rathauses zu sehen.

Das „Blue Note Jazz Trio“ bot dazu „malerische“ Musik. Die Ausstellung läuft noch bis 30. Mai.


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