Menüpunkt Aktuelles
Inhaltsübersicht Aktuelles  Im Überblick ► Unplugged

Unplugged

Kunstpreis-Finale im Rathaus und beim Kunstrundgang

Das ist die Bildunterschrift
  Konrad Wallmeier mit seiner preisgekrönten Bauminstallation "Unplugged (Fotos: Pfeifer)


„Es war ein spannendes Bewerberfeld“, stellte Bürgermeisterin Staab bei der Verleihung des Kunstpreises 2018 der Stadt Walldorf am 17. Mai fest. Nach 2001, 2005 und 2013 hat die Stadt zum vierten Mal einen Kunstpreis ausgelobt. Wie schon 2005 und 2013 wurde er auch dieses Mal für Skulpturen und Objekte im öffentlichen Raum vergeben.


Christiane Staab freute sich besonders darüber, dass einige der zunächst anonym ausgewählten elf Objekte eigens für den Kunstpreiswettbewerb entstanden und deren Entstehungsprozess vor Ort mitverfolgt werden konnte. Sie sah es als Privileg an, an der Entstehung von Kunst unmittelbar teilhaben zu können, auch um darüber ins Gespräch zu kommen. „Es darf auch gestritten werden“, erklärte sie schmunzelnd. Ihr Dank galt vor allem den Künstlerinnen und Künstlern, von denen einige anwesend waren, sowie den Jurymitgliedern unter Vorsitz von Professor Dr. Andreas Franzke, dem früheren Rektor der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Die Arbeit des Preisgerichts sei „intensiv und langwierig“ gewesen, erklärte Staab. Für die intensive Vorbereitung und Begleitung des Wettbewerbs dankte die Bürgermeisterin auch dem Ersten Beigeordneten Otto Steinmann und seinem Team sowie Stadtbaumeister Andreas Tisch und seinem Amtsvorgänger Dieter Astor, der bei der Vorauswahl unterstützte. Ein besonderer Dank ging an Gitarrist Timo Niento für die musikalische Umrahmung.

Große Bandbreite

Den ersten Preis, der mit 7.500 Euro dotiert ist, konnte sie an Konrad Wallmeier übergeben für dessen Baum-Installation „Unplugged“. Der von Wolfgang Folmer mit dem Hölderlin-Gedicht „An die Natur“ kunstvoll beschriftete Eschenbaumstamm wurde mit dem zweiten Preis in Höhe von 4.500 Euro gewürdigt. „Anette Aussicht“, die im Kasernenhof beim Astor-Stift Platz genommen hat, und deren Schöpferin Birgit Feil freuten sich über den 3. Preis mit 3.000 Euro. Walldorfs Kunstbeauftragter und Jurymitglied Hartmuth Schweizer gab bei der Preisverleihung im Ratssaal schon einen kurzen Überblick über die elf Werke, die zur Wahl standen, und anschließend bei einem ausführlichen Kunstrundgang. Auch er lobte die „sehr interessante Bandbreite“ der elf Arbeiten mit unterschiedlicher Technik und Herangehensweise der Künstlerinnen und Künstler. Er dankte der Stadt für ihr Engagement in Sachen Kunst, das keineswegs selbstverständlich sei, und erwähnte in diesem Zusammenhang auch die Ausstellungen im Rathaus und die Kunstankäufe sowie das Atelierstipendium. Im Stadtraum erinnerten noch einige Skulpturen an die früheren Kunstpreiswettbewerbe, so Schweizer. Hartmuth Schweizer machte sich in seiner Rede und beim anschließenden Rundgang immer wieder dafür stark, sich mit Kunst auseinanderzusetzen, auch wenn sie einen im ersten Moment vielleicht nicht anspreche. „Wir müssen über Kunst nachdenken“, lautete sein Appell. „In ihren besten Momenten versprüht Kunst den Charme erhabener Nutzlosigkeit“, zitierte er. Auch die allererste von Menschen geschaffene Flöte sei eigentlich nutzlos gewesen, habe jedoch zur Oper, zum Jazz, zu den Beat-les oder David Bowie geführt, erklärte er. Gerne erläuterte Hartmuth Schweizer auch, dass der mit dem ersten Preis prämierte „Unplugged“-Baum von Konrad Wallmeier am Ende der Hauptstraße „überhaupt nichts mit der Arbeit eines Elektrikers zu tun hat“. An dem Baum hängen an langen, unterschiedlich farbigen textilen Schnüren Stecker in mehr oder weniger einheitlichem Abstand vom Boden. Ein Passant hatte gemeint, dass wohl „jeder Elektriker nun Künstler sei“. Dass dem nicht so ist, erfuhren die Rundgangteilnehmerinnen und –teilnehmer, denn Schweizer lobte zwar das energetische Potential der Installation, doch mit Elektrik habe dies nichts zu tun. Mit sehr sparsamen, zurückhaltenden Mitteln hätte Konrad Wallmeier eine intensive Wirkung erzielt und eine eher meditative Arbeit geschaffen. Die Fremdkörper am Baum führten dazu, dass man den Baum und damit die Natur ganz anders wahrnehme als sonst. „Unplugged“, also mit gezogenen Steckern, sei die Natur „unverstärkt wahrnehmbar“, meinte Konrad Wallmeier, der auf kinetisch-interaktive Arbeiten spezialisiert ist. So hat er in Freiburg, wo er lebt, einer Trauerweide schon mit Lockenwicklern Dauerwellen verpasst. „Der Baum bestimmt die Struktur“, so Wallmeier, der feststellte, dass sich der Abstand der Stecker zum Boden schon verändert habe, da der Baum inzwischen mehr Blätter habe. Sein besonderer Dank galt einer „Walldorfer Baumpatin“, die immer wieder nach dem Rechten sieht. Auf Wolfgang Folmers Baumstamm, der am Rathaus zu bewundern ist, befindet sich tatsächlich das vollständige – sehr lange – Gedicht „An die Natur“ von Friedrich Hölderlin. Dass es wirklich so aufging, sei „Zufall“ gewesen, meinte Wolfgang Folmer. Er betonte nochmals, dass die Esche nicht wegen ihm gefällt worden sei, er dem Baum aber auf diese Weise nochmals ein neues Leben verschafft habe. Auf vielen Ebenen erfahrbar ist das „Kartenhaus“ von Manfred Emmenegger-Kanzler, das zur Interaktion via Smartphone einlädt. Über den QR-Code, der zunächst als rein dekoratives Element wirkt, gelangt man zu den sieben Todsünden, die der Künstler wiederum mit Nachrichtenportalen zu aktuellen Themen verknüpft hat. Hochmut ist verlinkt mit dem Klimawandel, zur Völlerei gibt es einen Artikel über Massentierhaltung.

Das Finale - die Preisträger sind gekürt und präsentieren ihre Urkunden (v.l.n.r.) Konrad Wallmeier
(1. Preis), Wolfgang Folmer (2. Preis) und Birgit Feil (3. Preis), mit denen sich
Bürgermeisterin Christiane Staab, Stadtbaumeister Andreas Tisch,
Erster Beigeordneter Otto Steinmann und Hartmuth Schweizer (li.) freuen

Kunst schafft Begegnungen

Mit Birgit Feils naturalistischer Arbeit „Anette Aussicht“ nahm Hartmuth Schweizer sofort den Dialog auf, indem er gegenüber der sitzenden Frau auf dem freien Stuhl Platz nahm. Die „nette Aussicht“ kann man durchaus gegenseitig auffassen, denn sowohl die sonst einsame Frau, die Birgit Feil zunächst in Ton modelliert und danach einen Abguss erstellt hat, bekommt mit dem Gegenüber eine nette Aussicht als auch der Platznehmende. Der meditative Gesichtsausdruck der Figur und die Tatsache, dass das Individuum aus dem Zusammenhang genommen sei, biete eine gute Projektionsfläche, meinte Hartmuth Schweizer. Stadtbaumeister Andreas Tisch stellte fest, dass der kleine, überschaubare Platz sehr gut zu dem Kunstwerk passe. Über sehr reges Interesse an seiner Arbeit konnte Klaus Proissl, Schöpfer des bunten Allmende-Baums auf der „Drehscheibe“, berichten. „Es gab spannende Treffen mit den Beobachtern“, sagte er. Das Thema Mensch und Gemeinschaft beschäftigt Klaus Proissl sehr. Mit der Walldorfer Geschichte hat er sich intensiv beschäftigt. Die Eiche im Walldorfer Wappen hat ihn zu seinem Werk inspiriert. Über den vielfarbigen Individuen, die den Stamm seines Baums bilden, thront das einfarbige Blätterdach, das noch Entwicklungsraum bietet. Beim Rundgang wurde die Frage gestellt, warum der Allmende-Baum von einer „Barriere“ umgeben wurde. Aus versicherungsrechtlichen Gründen blieb dem Künstler hier leider keine andere Wahl, war zu hören.

Dass das kunstvolle Vogelhaus auf dem Lindenplatz, das mit Fläche, Farbe und Linien an Mondrian erinnert, nicht nur bei Menschen, sondern auch - wie gewünscht - bei Vögeln auf Interesse stößt, dürfte den Künstler Frank Altmann freuen. Tatsächlich wurde ein Vöglein am Einflugloch gesichtet und sogar fotografisch festgehalten. Es schien viel von der Moderne zu halten, was Frank Altmann mit seiner „Versuchsanordnung“ ja auch herausfinden wollte. Die eher „zurückhaltende Arbeit mit beiläufigem Charakter“ gebe dem (Park)Platz etwas Poetisches, meinte Stadtbaumeister Andreas Tisch.

Hartmuth Schweizer wird voraussichtlich noch einen weiteren Kunstrundgang anbieten, auf den rechtzeitig hingewiesen wird. Die Kunstwerke bleiben noch bis Anfang Oktober stehen.

Kunstwerke und Standorte

Frieder Kobler, TriColore
Standort: Kreisel am Ende der Nußlocher Straße, Nähe Kleingärten


FEROSE, Eisenplastik ohne Titel
Standort: Grünfläche Nußlocher Straße/Sambugaweg


Wolfgang Folmer, Beschrifteter Baumstamm (ohne Titel)
Standort: Rathaus

 

Manfred Emmenegger-Kanzler, Kartenhaus
Standort: Rathaus


Frank Altmann, Vogelhaus, Versuchsanordnung
Standort: Lindenplatz
 

Klaus Proissl,  Allmende-Baum
Standort: Drehscheibe


Birgit Feil, Anette Aussicht
Standort: Kasernenhof/Astor-Stift


Ralf Weber, Gate II
Standort: Alte Apotheke


Konrad Wallmeier, Unplugged
Standort: Einfahrt zum Friedhofsparkplatz am Ende der Hauptstraße


Claudia Urlaß, Turm(garten)
Standort: Grünfläche westlich der Umgehungsstraße B 291
 

Adam Cmiel, unsichtbares sichtbar
Standort: Ikea-Kreisel, Josef-Reiert-Straße


Zum Seitenanfang ▲

Text Schriftgröße
Impressum

Datenschutz