26.01.2026, Startseite

Kultur, die begeistert

Die Kulturnacht sorgte vielerorts für ausgelassene Stimmung. Foto: Jan A. Pfeifer

Walldorfer Kulturnacht feiert gelungene Premiere

Es war eine Premiere, von der sich sicher die meisten eine Wiederholung wünschen: Die erste Walldorfer Kulturnacht, die am vergangenen Freitag anlässlich des Jubiläums „125 Jahre Stadtrechte“ über die Bühne ging, stieß auf große Resonanz. An 20 Orten wurde mit Lesungen, Live-Musik und Kunst eine kulturelle Vielfalt geboten, die vielen verschiedenen Geschmäckern gerecht wurde.

Zur offiziellen Eröffnung in der ehemaligen Synagoge, wo Martin Kaesler seine Installation „Mare nostrum“ ausstellt, begrüßte Bürgermeister Matthias Renschler zahlreiche Gäste und dankte der Wirtschaftsförderung, dem Amt für Kultur und Sport für die Organisation sowie dem Kulturförderverein Kurpfalz für die Unterstützung. Das Jubiläum sei ein schöner Anlass zum Feiern, so der Bürgermeister, und er wünschte „viel Spaß, Freude und Genuss“. Der Künstler stellte kurz seine Arbeit vor, die aus 2749 Einzelbildern besteht und an die Menschen erinnern soll, die in den Jahren 2019 bis 2023 durchschnittlich pro Jahr auf ihrem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrunken sind. „Eine brutale und zugleich überwältigende Idee“, befand der ehemalige Kunstbeauftragte Hartmuth Schweizer, der Kaesler ein großes Kompliment aussprach: „Die Installation ist wunderbar.“

Wunderbar war auch die Lesung samt Ausstellung in der Alten Apotheke: Sanna Konda, die im Sommer 2024 für sechs Monate als Gastkünstlerin in Walldorf lebte und hier ihren Debütroman „Insel der Verwandlung“ vollendete, las kapitelweise daraus vor, umrahmt von Illustrationen ihres Ehemanns Jeff Sussman sowie Aufnahmen des Fotografen Marcus Heim. Der steuerte außerdem Kurzgeschichten bei, die er für ein Bühnenprogramm geschrieben hatte. Inspiration ziehe er beispielsweise aus Skulpturen, die er im öffentlichen Raum entdecke, erzählte der Wahl-Pariser. Dass die Protagonisten aus seinen Geschichten alle auf skurrile Weise das Zeitliche segnen, kommentierte Heim mit einem Lachen, das vom Publikum gerne erwidert wurde.
Die Laurentiuskapelle ist standesgemäß der Ort für die Konzerte der Stadt. Passend dazu kamen Freunde der klassischen Musik an der Kulturnacht auf ihre Kosten: Der Leistungskurs Musik des Gymnasiums stellte Ausschnitte aus seinem Prüfungsprogramm vor. Das Publikum, das hier zahlreich erschienen war, spendete anerkennenden Applaus. Den gab es auch in zahlreichen anderen Lokalitäten.

Für Familien und Kinder wurde ebenfalls Programm geboten: Die Stadtbücherei wurde zur „SpielBar“, in der eine große Auswahl an Brettspielen zum Ausprobieren lockte. Ein Vier-Gewinnt-Wettbewerb sowie alkoholfreie Cocktails rundeten das Angebot ab. Über die „großartige Resonanz“ freute sich Büchereileiterin Barbara Grabl.

Das tat auch Elisabeth Kamps. Die Leiterin der Kinder- und Jugendkunstschule hatte mit ihrem Team im Gebäude des JUMP mehrere Angebote für jedes Alter vorbereitet: Wer wollte, konnte an der Staffelei sein Maltalent ausprobieren oder verschiedene Drucktechniken erleben. Dafür gab es zwei Druckstationen – Linolschnitt, Holzschnitt oder Radierungen auf Tetrapack ließen der Kreativität freien Raum. „Wir wurden regelrecht überrannt“, freute sich Kamps über den positiven Anklang.

Klänge waren derweil im Café des JUMP zu vernehmen: Die Jugendlichen konnten hier beim Karaoke den nächsten Superstar ermitteln – oder vor allem einfach viel Spaß haben. Den hatten auch die Gäste in den zahlreichen Gaststätten, in denen Live-Musik präsentiert wurde. Ob gediegen wie im Hotel-Restaurant Vorfelder, wo Jochen Treu mit seinem Saxofon unter anderem die kubanischen Klänge des Buena Vista Social Club aufleben ließ und einige Gäste zum Tanzen animierte, oder mit Party-Atmosphäre wie im Pfälzer Hof, wo Miss Coco & ihr Richter mit Songs wie „T.N.T.“ oder „Fürstenfeld“ die Stimmung mächtig anheizten. 

Ins Schwitzen kamen auch die Gäste in der Marktstube, wo die Brüder Flo und Benni Gallant ihre Fans bis in die späten Abendstunden und darüber hinaus mit etlichen Zugaben beglückten. Wer es etwas entspannter bevorzugte, hatte in Ninas Lifestyle & Coffee Platz genommen und lauschte Robin Carpe, der mit Gitarre und Loop-Station seinen Gesang selbst begleitete und mit Songs wie „Take It Easy“ und „Just the Two of Us“ die Atmosphäre der Lokalität genau richtig traf.

Das galt ebenso für die musikalischen Gäste in der evangelischen Stadtkirche: Die Walldorf Gospel Singers und das Kurpfälzer Krummhornorchester sorgten auf der Bühne im Altarraum für Gänsehautmomente und mitreißende musikalische Erlebnisse. Dazwischen wurden Gedichte und Texte vorgetragen.

Darüber hinaus gab es die Möglichkeit, in entspannter Atmosphäre zu plauschen – etwa im Alten Rathaus, wo die Verantwortlichen der Volkshochschule ihr neues Programm vorstellten. Zum Shoppen bei einem Glas Sekt luden einige lokale Händler ein und das Forum84 konnte bei der Kulturnacht ganz auf seine Stärken bauen: Im Theaterkeller gab es zu jeder vollen Stunde szenische Lesungen. Auch hier war die Resonanz überwältigend.