04.02.2026, Startseite
Kunst im Dialog der Ebenen
Die städtische Kunstbeauftragte Dr. Kristina Hoge führte durch die Ausstellung „Status quo“, die noch bis zum 20. Februar im Rathaus zu sehen ist. Fotos: Stadt Walldorf
Ausstellung „Status quo“ bis 20. Februar verlängert
„Die Ausstellung ist als Auftakt zu verstehen“, sagt Dr. Kristina Hoge. „Was hat Walldorf schon zu bieten? Wie kann man es vielleicht noch mehr sichtbar machen?“, sind Fragen, die sie beschäftigen. Die neue Kunstbeauftragte der Stadt kann mehr als zwanzig Interessierte zu einem aufschlussreichen Rundgang durchs Rathaus empfangen, in dem seit Mitte November unter dem Titel „Status quo“ eine Auswahl von Werken aus der städtischen Kunstsammlung gezeigt wird, die aus Ankäufen über einen Zeitraum von dreißig Jahren entstanden ist. Kurzfristig wurde inzwischen entschieden, dass die Ausstellung bis Freitag, 20. Februar, verlängert wird.
Die Kunstbeauftragte sagt, sie habe sich bei der Konzeption der Ausstellung „von diesen zwei Ebenen leiten lassen“, vom Erdgeschoss, in dem sie ihre Führung beginnt, und vom ersten Obergeschoss. „Hier unten bewegen wir uns eher im gegenständlich-figürlichen Umfeld“, oben werde es dann „strenger, reduzierter, abstrahierter“, auch architektonisch und bis hin zur Fotografie. „Ein Betrachter, der sich auf das Konzept einlässt, kann auch Bezüge zwischen den Werken herstellen“, sagt Kristina Hoge. Mal ist es die thematische Nähe, mal aber auch der bewusste Kontrast.
Dafür liefert sie gleich zum Start des Rundgangs im Foyer gute Beispiele. Als Blickfang hat sie Dirk Klomanns „Lustigen Gärtner“ installiert und findet es „schön, dass noch mal ein Gegenpart“ vorhanden ist, kleinformatiger und betitelt als „Figur unter Baum 4“, die für sie ebenfalls „Naturelemente impliziert“. Dazu passen für die Kunstbeauftragte Helena Müllers Schnitzarbeit „Geburt 3“, rechterhand von Klomanns kleinerem Bild platziert, und links davon die beiden Torsi von Tom Feritsch („Corpus Pendens I + II“), aus Terracotta gearbeitet. Kristina Hoge sieht in ihnen eine Herausforderung für die Besucher der Ausstellung, die sie berühren möchten, gleichzeitig aber Angst haben müssten, sie könnten zerbrechen. Im Gegensatz zum Archaischen dieser Werke steht die große Leinwand „Untitled (Wald)“ von Robert Loos, die Dr. Hoge zwischen den Klomann-Bildern vor der Treppe, die ins Obergeschoss führt, platziert. Sie spricht von einem „streetartigen Kontext“ und von „junger Kunst“. Es sei ihr absolut passend vorgekommen, diese „stehend und nicht hängend“ in die Ausstellung einzufügen.
Wenige Schritte weiter zieht Wolfgang Folmers große Sperrholzplatte („Ohne Titel“) die Blicke auf sich, auf der die beiden Hunde besser aus der Ferne als aus der Nähe zu erkennen sind. In ihrer Nachbarschaft hat Kristina Hoge vier Blei- und Buntstiftzeichnungen von Barbara Bucher platziert, „feine Zeichnungen“, die sie „an Gräser, Pflanzen und mikroskopisch kleine Figuren denken lassen“. Daran anschließend bleibt die Natur das Thema – allerdings auf einer „wirklich großen Druckplatte, die von der Künstlerin von Hand bearbeitet wurde“: dem Holzschnitt „Frei sein“ von Roswitha Josefine Pape. Kristina Hoge fasziniert daran „das ganz intensive Auseinandersetzen mit der Materialität“, zudem sei der Holzschnitt „als Medium in der Kunst das Älteste“.
So findet die Kunstbeauftragte beim Rundgang für jedes einzelne der zahlreichen Werke wissenswerte Informationen und eine spannende Perspektive. Im Oberschoss weckt etwa Elke Weickelts „01-41“ in ihr „Assoziationen zu Stämmen“ und trägt „etwas Archaisches in sich, das zu den Ursprüngen zurückführt“. Dazu passt Kazuyi Tokunagas „Ast-Wok“, für Hoge „auf humorvolle Weise“ eine „Kombination aus Natur und skurrilem Fundstück“. Und die fotografischen Arbeiten von Siegfried Reißing („Ohne Titel I + II“) stellen für sie mit ihrer Farbästhetik die Verbindung zu Weickelts Arbeit dar. „Das ist per se abstrakt. Es sind aber tatsächlich Fotografien von realen Häusern“, sagt sie. Mit „Send it to me“, einer Skulptur des Walldorfers Felix Oehmann, gebe es ein Beispiel für „mutige und spannende Ankäufe aus dem Bereich der jüngeren Kunst“. Das skurrile Objekt habe „etwas Haptisches, man möchte zugreifen“ – würde dann aber feststellen, dass es sehr viel leichter ist, als es aussieht, besteht es doch hauptsächlich aus Styropor. Daneben findet sich eine mathematisch-präzise Arbeit, eine namenlose Sandstein-Skulptur von Vera Scholz von Reitzenstein, die für Kristina Hoge auch architektonische Züge trägt.
„Ich hoffe, das hat Ihnen gefallen“, sagt Kristina Hoge nach vielen weiteren Betrachtungen der gezeigten Werke am Ende der Führung. „Stellen Sie gerne Fragen.“ Ein Angebot, von dem zahlreiche Kunstinteressierte Gebrauch machen.
Info: Ausstellung „Status quo“ im Rathaus noch bis Freitag, 20. Februar.