12.01.2026, Startseite
Mit „Gold und Rosen“ schwungvoll ins neue Jahr
Das SAP Sinfonieorchester heißt das neue Jahr mit seinem Programm „Von Gold und Rosen“ in der bis auf den letzten Platz gefüllten Astoria-Halle willkommen. Foto: Helmut Pfeifer
Begeisterndes Konzert des SAP Sinfonieorchesters in der voll besetzten Astoria-Halle
900 Menschen erheben sich von ihren Sitzen und spenden stehend Applaus, auf der Bühne umarmen sich Dirigent Jasper Lecon und Solistin Helena Donie, Hartmut Beck, der zweite Vorsitzende des Fördervereins Hospiz Agape, übergibt Präsente – das Neujahrskonzert des SAP Sinfonieorchesters in der Walldorfer Astoria-Halle ist wieder einmal ein rauschender Erfolg. Gerne erfüllt das Ensemble den Wunsch nach Zugaben und wandelt damit auf den Spuren der Wiener Philharmoniker, die gleichfalls gerne bei ihren Neujahrskonzerten nach dem offiziellen Programm Johann Strauss‘ (Sohn) wohl berühmtester Melodie huldigen: „An der schönen blauen Donau“, im Volksmund als „Donauwalzer“ bekannt, kosten die Musikerinnen und Musiker ab dem behutsamen Anfang mit jedem einzelnen Ton genussvoll aus, ehe die Walzerseligkeit Fahrt aufnimmt und der Orchesterklang immer mächtiger wird, um sich dann irgendwo dazwischen einzupendeln.
Der erneut nicht enden wollende Beifall in der bis auf den letzten Platz besetzten Halle macht klar: Das darf es noch nicht gewesen sein. Zum schwungvollen „Radetzkymarsch“, einer weiteren traditionellen Neujahrs-Zugabe, darf dann auch direkt weiter geklatscht werden. Dirigent Lecon lässt es sich nicht nehmen, zu diesem Klassiker aus der Feder von Johann Strauss‘ (Vater) das Publikum ein letztes Mal humorvoll zu animieren. Wieder ist stehender Applaus der restlos begeisternden Zuhörer der verdiente Lohn, zudem werden die Aktiven auf der Bühne passend zum Konzerttitel „Von Gold und Rosen“ mit weißen Rosen bedacht.
Wie gut die Neujahrskonzerte des SAP Sinfonieorchesters beim Publikum ankommen, zeigt sich schon lange vor Beginn des Programms: Der Andrang ist riesig, die Parkplätze rund um die Astoria-Halle sind früh knapp, die Schlange vor dem Eingang wird länger und länger. Mehr als 900 Menschen finden aus Sicherheitsgründen nicht Platz, der Förderverein Hospiz Agape muss, nachdem alle Einlasskarten vergeben sind, die Notbremse ziehen. Helmut Hibschenberger macht mit einer Durchsage auf das Problem aufmerksam, dass immer noch viele Leute vor der Halle auf Einlass warten, und fragt freie Plätze ab – einigen Zuhörern kann so doch noch zum Musikgenuss verholfen werden. „Leider ist es nicht möglich, noch mehr Menschen in die Halle zu lassen“, bittet Hartmut Beck in seiner Begrüßung um Verständnis. Das macht auch Bürgermeister Matthias Renschler als Hausherr. Beide wünschen ein schönes Konzert, danken den Zuhörern für die Spenden, die der wichtigen Hospizarbeit zugutekommen, allen Helferinnen und Helfern aus den Reihen des Fördervereins für das Engagement und dem SAP Sinfonieorchester und seinem Geschäftsführer Christian Stumpf für die langjährige Unterstützung.
Die berühmte Ouvertüre zu Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ eröffnet das Konzert mit den bekannten Klängen schwungvoll und heiter. Dirigent Jasper Lecon wünscht dann auch dem Publikum, das neue Jahr möge für alle wie bei Mozart beginnen: „Mit Tempo, Witz, Energie und der nötigen Portion Übermut.“ Das Programm erweist sich als höchst abwechslungsreich: Mit Émile Waldteufel und seinem Walzer „Les Patineurs“ geht es zum Schlittschuhlaufen nach Paris, mit dem Lied „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ entführt Mezzosopranistin Helena Donie bei ihrem ersten Auftritt in die Welt von Franz Lehárs letzter Operette „Giudetta“ – das leidenschaftliche, sinnliche Selbstporträt der Titelfigur lebt von seiner leicht melancholischen Sehnsucht nach Liebe und Freiheit, wird von der stimmgewaltigen Sängerin dramatisch, aber auch mit einem schalkhaften Augenzwinkern präsentiert. „Die Operette weiß genau: Man verspricht mehr, wenn man nichts erklärt“, sagt Jasper Lecon nach dem stürmischen Applaus für die Arie.
Mehr von Lehár (mit dem Walzer „Gold und Silber“), mehr von Solistin Helena Donie, die auch „Nei giardin del bello saracin …“, die Arie der Eboli aus Giuseppe Verdis „Don Carlos“, mühelos meistert, garniert mit der passenden Gestik und gelegentlich regelrecht schelmischer Mimik. „‘Ohne Sorgen‘, was für ein wunderbarer Titel für ein Neujahrskonzert“, kommentiert der Dirigent den ersten Strauss-Titel, eine Polka, durch die er seinen Klangkörper mal lässig, mal dynamisch, dann wieder spritzig und fast übermütig führt. Ganz nebenbei leitet Lecon noch das Publikum zum Mitklatschen an der richtigen Stelle an – und erlaubt sich das Späßchen, es einmal auf die falsche Fährte zu locken. Ein gut hörbares und treffendes „Wow“ erntet die Solistin am Ende der Arie aus Offenbachs Oper „Hoffmanns Erzählungen“ für das finale und titelgebende „C’est l’amour …“. Joseph Hellmesbergers „Danse diabolique“ ist wahrlich ein dramatischer Ritt, romantisch und poetisch wird die Stimmung bei Eduard Künnekes Lied „Der strahlende Mond“.
In Robert Farnons „Portrait of a Flirt“ gibt der Titel die musikalische Richtung vor: erst heiter und verspielt, dann schwelgerisch und ins Träumerische gleitend, schließlich aufgeregt und nervös. Der „Mut zu Gefühlen“, den Jasper Lecon dem Publikum im neuen Jahr wüscht, klingt auch aus dem Chanson „La Vie en Rose“, einem der größten Erfolge Edith Piafs, bei dem ein letztes Mal Helena Donie stimmlich glänzen darf, ehe sich das Publikum die Zugaben erklatscht. „Ein Konzert mit schwungvoller Musik“ hat der Bürgermeister in seiner Begrüßung versprochen – und recht behalten.