23.03.2026, Startseite

Berufliche Perspektiven erfahren

Die Walldorfer Nacht der Ausbildung bietet die Möglichkeit, Unternehmen vor Ort zu besichtigen und sich direkt mit Auszubildenden und Ausbildern auszutauschen. Foto: Jan A. Pfeifer

Nacht der Ausbildung bot breites Spektrum an Ausbildungsmöglichkeiten

Mehrere Polizeiwagen vor dem Rathaus, rund ein Dutzend Polizistinnen und Polizisten, die in Uniform auf dem Gelände stehen, und ein Bürgermeister, der im Atrium des Verwaltungsgebäudes auf einem Körperumriss auf dem Boden liegt – was wie der Beginn eines schlechten Kriminalromans anmutet, ist in Wirklichkeit der Auftritt der Landespolizei Baden-Württemberg, die erstmals im Rahmen der Walldorfer Nacht der Ausbildung einen spannenden und unterhaltsamen Einblick in ihr Berufsleben bietet. Im Atrium des Rathauses ist ein „Tatort“ aufgebaut, der beispielhaft die Tätigkeit der Kriminaltechnik darstellen soll. Die Besucher können sich hier selbst auf Spurensuche begeben und für ein Foto in den Körperumriss legen. Das hat sich auch Bürgermeister Matthias Renschler kurz vor dem Start der Ausbildungsnacht nicht nehmen lassen.

Im Rathaus stellt sich außerdem die Stadtverwaltung mit ihren acht Ausbildungsberufen und einem dualen Studiengang vor, darunter Verwaltungsfachangestellter, Fachinformatiker für Systemintegration und seit diesem Jahr ganz neu Immobilienkaufmann. „Wir haben viele Anfragen für Praktika erhalten“, sagt Luisa Bauer, Mitarbeiterin im Personalwesen und zuständig für die Auszubildenden der Stadtverwaltung, die zusammen mit Kollegin Sandra Ottmann bei der Ausbildungsnacht als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Natürlich dürfen auch die Auszubildenden selbst nicht fehlen, die aus erster Hand von ihren Erfahrungen berichten können. Das ist wesentlicher Bestandteil der Veranstaltung: Fast alle Unternehmen können vor Ort besichtigt werden, während der eigene Nachwuchs für Fragen rund um die Ausbildung Rede und Antwort steht. Die 33 teilnehmenden Unternehmen und Organisationen sind zwar über das Stadtgebiet verteilt, durch einen kostenlosen Shuttleservice, der bis Veranstaltungsende im Halbstundentakt fährt, aber gut für jeden Teilnehmer zu erreichen.

Bei Lamtec können gleich sechs Azubis von ihrem Alltag erzählen. Zum Beispiel von der Besonderheit der Ausbildung zu den Berufen Mechatroniker und Elektroniker für Geräte und Systeme. Für die beiden Ausbildungsberufe besteht eine Kooperation mit den Heidelberger Druckmaschinen – ein Teil der Ausbildung findet zunächst im Partnerunternehmen statt. „Wir wollen unsere Mitarbeiter weiterentwickeln“, sagt Annette Walther, die für das Recruiting und für die Auszubildenden zuständig ist. Sie freut sich über mehr Interessenten als im vergangenen Jahr, einer habe sogar seine Bewerbungsunterlagen gleich mitgebracht. Ein Highlight bei Lamtec ist neben der Betriebsführung die „Grillstation“, für die Qualitätsmanager Ulrich Sohns zuständig ist. Mit einem Zündbrenner („eines unserer Produkte“) werden auf Wunsch binnen weniger Sekunden Würstchen gegrillt – was durchaus Eindruck auf die Besucher macht. Auch zahlreiche andere Unternehmen haben sich etwas Besonderes für die Nacht der Ausbildung ausgedacht: In der Stadt-Apotheke gibt es ein Ratespiel mit Arzneipflanzen, die Volksbank Kraichgau bietet ein Glücksrad, das Autohaus Dechent zeigt eine Fahrzeugpräsentation via Virtual-Reality-Brille und am Stand des Pflegezentrums Astor-Stift können Interessierte eine Aufstehhilfe ausprobieren oder mit einem Age-Simulator die Bewegungseinschränkung erfahren, die für viele ältere Menschen Alltag ist.

Dass die Nacht der Ausbildung für beide Seiten lohnenswert ist, beweisen immer wieder Erfolgsgeschichten wie die von Maximilian Müller. Er habe zuerst ein BWL-Studium begonnen, sich dann aber nach etwas Neuem umsehen wollen und daher im vergangenen Jahr an der Veranstaltung teilgenommen. Die Firma integacon engineering GmbH habe sein Interesse geweckt. Bei ihr konnte er ein paar Monate später ein Praktikum absolvieren. Nun ist Müller Auszubildender im Bereich Technische Systemplanung, Fachrichtung elektrotechnische Systeme und steht selbst bei der Nacht der Ausbildung als Ansprechpartner für Interessierte zur Verfügung, die sich beruflich orientieren möchten. So gehen zum Beispiel Nils Krentorz und Linus Haas den Abend an. Die beiden Zehntklässler des Gymnasiums wollen sich einfach mal einen Überblick verschaffen, „was es an Ausbildungsmöglichkeiten so gibt“. Ähnlich machen sich auch Lisa Luther und Max Kramer ans Werk. Die beiden haben im Moment zwar keinen konkreten Bedarf, wollen die Veranstaltung aber nutzen, um weitere berufliche Optionen auszuloten. „Man kann sich immer weiterentwickeln“, lautet ihr Credo für den Abend. Dafür sind sicher im Rathaus auch die Stände der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald und des Internationalen Bunds eine gute Anlaufstelle, die über die Möglichkeiten zur Ausbildung und zum Studium im Handwerk beziehungsweise die Einsatzstellen für ein Freiwilliges Soziales Jahr oder den Bundesfreiwilligendienst informieren.

Die Kombination aus einer großen Bandbreite an Berufen und der praktischen Erfahrung vor Ort zeichnet die Nacht der Ausbildung seit jeher aus und unterscheidet sich von den üblichen Ausbildungsmessen mit reinem Standcharakter. „Die Firmen quasi zu Hause erleben“, beschreibt einer der Teilnehmer das Besondere. „Eine gelungene Veranstaltung“, zieht Bürgermeister Matthias Renschler ein positives Fazit, der im Laufe des Abends zusammen mit der Wirtschaftsförderung verschiedene Stationen im ganzen Stadtgebiet mit dem Rad abfährt, um sich ein Bild zu machen. Den beteiligten Unternehmen dankt Renschler für ihr Engagement und freut sich über das positive Feedback zahlreicher Unternehmer, die von der Qualität der Gespräche mit den Interessierten begeistert sind. „Viele Betriebe suchen noch Auszubildende oder duale Studierende – teilweise auch für dieses Jahr. Dabei unterstützen wir gerne und die guten Rückmeldungen der letzten Jahre bestätigen uns darin, dass das Konzept erfolgreich ist“, sagt die städtische Wirtschaftsförderin Susanne Nisius.

Ein kleines Highlight nach der Veranstaltung: Wer den Flyer von drei verschiedenen Unternehmen abstempeln ließ und in eine der Gewinnboxen warf, konnte tolle Sachpreise gewinnen. Die Gewinnerinnen und Gewinner wurden bereits gezogen und benachrichtigt. Nach den Osterferien lädt das Rathaus sie zur feierlichen Preisverleihung ein.