28.05.2026, Startseite
Das Rock’n’Roll-Virus lebt
Eins von vielen Highlights beim Walldorf Weekender: Das Event Rust’n’Chrome lockte nicht nur Rock’n’Roll-Fans an. Foto: Stadt Walldorf
Volles Haus beim letzten Walldorf Weekender
„Ich kenne nichts anderes, habe nie andere Musik gehört.“ Alf, 61, spricht über den Rock’n’Roll. Seine Liebe zur Musik und dem mit ihr transportierten Lebensstil sieht man ihm an. Pomade im Haar, buntes Bowling-Shirt, Tattoos – der Mann aus Nordhessen passt optisch perfekt auf den Walldorf Weekender, der an Pfingsten in und um die Astoria-Halle über die Bühne geht. „Das letzte Mal wollte ich mitnehmen“, sagt Alf. Das letzte Mal in Walldorf, wie er inzwischen erfahren hat, soll es doch kommendes Jahr in Wiesloch die Fortsetzung des beliebten Spektakels geben. Dann wird er wohl wie viele andere Rock’n’Roll- und Rockabilly-Fans wieder in die Region kommen, vielleicht wieder mit Sohn Fabian (36) im Schlepptau. „Die Musik geht einem in Fleisch und Blut über“, sagt der fast schon entschuldigend, dass sich das Rock’n’Roll-Virus auch auf ihn übertragen hat.
Ein paar Meter weiter, im beschatteten Bereich des Schulhofgeländes, sitzen am Pfingstmontag während der Auto-Show „Rust’n’Chrome“ eifrig miteinander plaudernd zwei gleichfalls zu hundert Prozent auf Rock’n’Roll gestylte Damen, Petticoat und toupiertes Haar inklusive. Ihren Namen wollen die beiden zwar „nicht in der Zeitung“ lesen, über den Weekender reden sie dennoch gerne. Früher seien sie für dieses und ähnliche Events durch halb Europa gereist. Heute reiche es wegen beruflicher und familiärer Verpflichtungen leider nur für einen einzigen Tag in Walldorf. „Wir freuen uns, dass wir uns mal wieder sehen“, sagt die eine. „Es ist ein Highlight, hier Freunde zu treffen. Ich weiß nicht mal, welche Bands überhaupt spielen“, meint die andere. Der Rock’n’Roll Weekender als Treffpunkt.
„Ich bin glücklich und dankbar“, sagt Andy Widder zwei Tage nach dem Event. Der Dielheimer, der mit seiner Firma Rockin’ Rollin’ Products unter anderem Schallplatten, T-Shirts und allerlei Accessoires vertreibt, hat den Weekender im Jahr 2000 ins Leben gerufen. Damals waren zum zehnten Geburtstag seiner Firma Freunde und Geschäftspartner ins Session-Kulturwerk geladen, 2000 Menschen kamen. „Wir sind hoffnungslos überrannt worden, ich war jung und blauäugig“, hat er darüber einmal erzählt. Noch eine Woche später habe er zusammen mit seiner Frau Garnituren abgeschlagen, weil zwar vieles organisiert gewesen sei, aber niemand an den Abbau und die nötigen Helfer gedacht habe.
Heute sind in und um die Astoria-Halle, die seit einigen Jahren als Veranstaltungsort dient, rund 80 Menschen tatkräftig im Einsatz. „Unsere Leute haben wieder einen geilen Job gemacht“, ist Widder mit seinem Team hochzufrieden. Mit allem anderen aber auch: „Unsere Gäste haben gemeinsam gefeiert, wir hatten das bestellte Wetter, die Atmosphäre war toll.“ Und das vor vollem Haus, schon am Freitag strömen 1200 Musikfans in die Halle, die durchs Entfernen der Trennwand um das Foyer vergrößert worden ist. Auf dem Weekender sind nicht nur internationale Bands mit Rockabilly, Rhythm’n’Blues oder Rock’n’Roll zu hören, zu deren Musik getanzt und geswingt werden darf. Es gibt Tanz- und Styling-Workshops, Verkaufsstände, Friseure und Tattoo-Künstler, eine Pool-Party am Leonardo-Hotel zum Auftakt, den großen Vintage-Flohmarkt oder eben „Rust’n’Chrome“ mit unzählig vielen liebevoll restaurierten alten Autos, nicht nur aus den USA.
Andy Widder hat schon vergangenes Jahr gemeinsam mit seiner Frau entschieden, dass „wir das in Summe nicht mehr leisten“ können. Das Palatin in Wiesloch habe Interesse gezeigt, die Veranstaltung dort fortzuführen. Widder findet das gut: „In Walldorf wäre es untrennbar mit mir verbunden. Da komme ich nicht mehr raus.“ Mit dem Ortswechsel könne er dagegen die Verantwortung abgeben, sich gleichzeitig aber noch beratend einbringen und beispielsweise die Bands buchen. „Das Event soll unabhängig von meiner Person werden.“
Aktuell gibt es aber erst einmal noch jede Menge Lob für ihn und sein Team: einerseits auf den einschlägigen Seiten in den sozialen Medien („1000 Dank an Andy Widder und seine Crew für 26 Jahre Walldorf Weekender“ ist da beispielsweise zu lesen oder auch „Ich möchte Andy Widder für ein weiteres großartiges Walldorf-Rock’n’Roll-Wochenende danken“), aber natürlich auch direkt vor Ort: „Andy hat sich wieder einmal selbst übertroffen“, sagt Alf. Wer möchte ihm da widersprechen.