31.03.2026, Startseite
Die besten Wünsche zum Ruhestand
Ließen es sich nicht nehmen, die Wünsche zum Abschied persönlich vorbeizubringen: Wirtschaftsförderin Susanne Nisius (li.) und Bürgermeister Matthias Renschler (re.) mit Klaus und Gabi Stumpf in deren Bäckerei in der Ziegelstraße. Foto: Stadt Walldorf
Die Bäckerei Stumpf hat nach 121 Jahren ihre Türen geschlossen
Für Klaus Stumpf ist es letztlich „mehr Erleichterung“ als Bedauern. „Ich werde 65 Jahre alt und stand 49 Jahre in der Backstube“, sagt er mit Blick auf seine eigene Gesundheit. „Gemischte Gefühle“ hat seine Frau Gabi: „Schade“, meint sie mit Blick auf die „super Kundschaft“ und das Ende eines Handwerkbetriebs in vierter Generation. Aber: „Es ist auch sehr viel Arbeit. Was hier in den letzten drei Wochen los war, ist nicht mehr zu bewältigen.“ Nach 121 Jahren hat die Bäckerei Stumpf, Walldorfs letzte Familienbäckerei, ihre Türen für immer geschlossen.
„Alles Gute für die Zukunft“, sagt Bürgermeister Matthias Renschler. Er und die städtische Wirtschaftsförderin Susanne Nisius sind nicht die Einzigen, die Ehepaar Stumpf die besten Wünsche zum Ruhestand überbringen. Am letzten Öffnungstag haben der Evangelische Posaunenchor und Pfarrer Uwe Boch neben Liedern vom Brot, Grüßen und Dankbarkeit auch eine Himbeerpflanze dabei, „die weitere Jahrzehnte schmackhafte Früchte bringen soll“. Und natürlich ist da die jahre-, teils jahrzehntelange Stammkundschaft: „Ich komm‘ gar nicht mehr nach mit dem Backen“, erzählt Klaus Stumpf über den Andrang in den letzten Wochen, seit die Nachricht von der Schließung die Runde machte.
Normalerweise, so berichtet der Bäckermeister, sei er bislang pünktlich um halb zwei morgens aufgestanden, eine Viertelstunde später habe er schon in der Backstube losgelegt. An Freitagabenden habe die Arbeit aber schon um halb elf begonnen, weil samstags der Andrang immer besonders groß war. „Da stehen sie morgens vor der Ladentür“, sagt Stumpf. Während sich seine Frau Gabi im Laden um den Verkauf gekümmert hat, ging es für ihn von 12 bis 16 Uhr wieder ins Bett „und dann noch mal abends“.
Am 15. September 1905 hatten Adolf Stumpf, der aus St. Ilgen nach Walldorf gekommen war, und seine Frau Eva die Bäckerei eröffnet. Karl und Anna Stumpf folgten ihnen von 1938 bis 1978, Dieter und Irmgard Stumpf von 1978 bis 2001. Schon als Kind habe er seinem Vater geholfen, sagt Klaus Stumpf, seine Lehre habe er bei der Bäckerei Kläris in Heidelberg-Neuenheim absolviert. „Danach bin ich dann gleich wieder hierher.“ Seinen Meister habe er über vier Jahre absolviert, „weil ich noch zu jung war“. Mit 24 habe er den Meisterbrief in der Tasche gehabt, im Jahr 2001 dann mit seiner Frau Gabi die Bäckerei übernommen. Mit ihrem Ruhestand endet nun eine Ära.