11.05.2026, Startseite

Ein Haus, das Menschen verbindet

Freude über zehn Jahre Begegnungshaus: (v.li.) Erster Beigeordneter Otto Steinmann, Rainer Eder, die Vorsitzende Katrin Siebold und Bürgermeister Matthias Renschler. Foto: Kerstin von Splényi

Das Walldorfer Begegnungshaus ist seit zehn Jahren ein Ort des Miteinanders

Bei strahlendem Sonnenschein und begleitet von vielen engagierten Walldorferinnen und Walldorfern feierte der Verein „Begegnungen in Walldorf“ am vergangenen Wochenende ein besonderes Jubiläum: Seit zehn Jahren ist das Begegnungshaus in der Oberen Grabenstraße ein Ort des Ankommens, des Austauschs und der Gemeinschaft. Vereinsvorsitzende Katrin Siebold begrüßte dazu Bürgermeister Matthias Renschler, den Ersten Beigeordneten Otto Steinmann, Rainer Eder als einen der Wegbereiter des Hauses sowie zahlreiche Unterstützer, Weggefährten und Mitglieder des Gemeinderats.

In ihrer Ansprache richtete Katrin Siebold ihren Dank zunächst an die Stadt Walldorf, die Verwaltung, den Gemeinderat und viele Mitarbeitende, die dazu beigetragen hätten, das Begegnungshaus mit Leben zu füllen. Ebenso herzlich dankte sie den vielen Menschen aus Walldorf und darüber hinaus, die den Verein seit Jahren begleiten und unterstützen. Ohne dieses breite Engagement und die enge Zusammenarbeit wäre vieles von dem, was heute selbstverständlich erscheint, nicht möglich gewesen.

Besonders herzlich war ihr Blick auf die Menschen, die das Haus Tag für Tag mit Leben erfüllen. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer organisieren Sprachkurse und das Begegnungscafé, begleiten Familien im Alltag, unterstützen mit Nachhilfe, Kochkursen oder Freizeitangeboten und schaffen damit einen Ort, an dem Begegnungen ganz selbstverständlich entstehen. „Jeden Tag gehen hier im Haus viele Füße treppauf und -ab“, sagte Katrin Siebold. Mit ihnen kämen Geschichten, Hoffnungen und Schicksale ins Haus – aber auch viele fröhliche Momente und echtes Miteinander. Für zahlreiche Männer, Frauen und Familien sei das Begegnungshaus in den vergangenen Jahren zu einem geschützten Raum geworden, der Orientierung und ein Gefühl von Heimat vermittelt.

Otto Steinmann erinnerte in seiner Rede an die besondere Historie des Hauses. Mit einem Augenzwinkern fasste er die Zusammenarbeit zwischen Rathaus und Ehrenamtlichen zusammen: „Wir schaffen das! Haben wir nie gesagt. Wir packen das an! Haben wir nie gesagt. Wir haben’s einfach gemacht!“ Das Gebäude, einst evangelisches Pfarrhaus und über Jahrzehnte geprägt von kirchlichem Leben, habe sich im Zuge der Herausforderungen ab dem Sommer 2015 zu einem zentralen Ort der Integration entwickelt. Steinmann würdigte dabei besonders das vertrauensvolle Zusammenspiel von hauptamtlicher Unterstützung und ehrenamtlichem Einsatz, das die Arbeit im Begegnungshaus bis heute präge.

Rainer Eder knüpfte in seiner Festansprache an diese Gedanken an und blickte auf die Anfänge des damaligen Arbeitskreises Asyl zurück, aus dem später „Begegnungen in Walldorf e.V.“ hervorging. Die große Zahl an Geflüchteten habe den Verein damals vor völlig neue Aufgaben gestellt. Schnell wurde das Haus zur wichtigen Anlaufstelle für Menschen, die Unterstützung suchten – sei es bei organisatorischen Fragen oder einfach im Wunsch nach Begegnung und Orientierung. Dabei sei nicht alles geglückt in den zehn Jahren, so Eder, aber auf das Geleistete könnten alle Beteiligten stolz sein. „Es ist ermutigend zu sehen, dass das Begegnungshaus weiterhin lebt und auch heute als Anlaufstelle für Flüchtlinge mindestens so wichtig ist wie vor zehn Jahren“, konstatierte er.

Zum Jubiläumsfest konnten Besucher entlang des Gartenzauns, einem Zeitstrahl gleich, die umtriebigen Aktivitäten nachverfolgen. Anhand einer Vielzahl von Fotos wurden Sprachkurse und Gesangsangebote, Spielabende und Kochkurse, Werkstatt-Café und Fahrradwerkstatt, Helfertage und gemeinsame Feste dokumentiert. Besonders beeindruckend erschien dabei die Entwicklung der Mitgliederzahlen. Ist der Verein einst mit gut 20 Aktiven gestartet, stehen heute rund 740 Mitglieder hinter „Begegnungen in Walldorf“.

Ein besonderer Moment des Nachmittags war die Pflanzung eines neuen Baumes hinter dem Begegnungshaus. Neben dem bereits bestehenden Elstar-Apfelbaum wächst dort nun auch ein Ringlo-Baum, eine Edelpflaume mit kleinen kugeligen Früchten. Die Neupflanzung wurde zugleich zu einem Wünschebaum: Auf kleinen Kärtchen hielten die Gäste ihre persönlichen Wünsche und Gedanken fest und befestigten sie an den Zweigen – ein stilles und zugleich hoffnungsvolles Zeichen für die Zukunft.

Während sich der Nachmittag langsam dem Abend näherte, erfüllte Musik den großen Garten rund um das Haus. Neben jungen Leuten wie Geiger Dennis, Konzertpianistin Elena und Natascha oder Tom Schwarzel mit Partner trat als Highlight Sten auf, der dem Verein schon seit Langem verbunden ist. Bei Kaffee und Kuchen, herzhaften Speisen, Getränken und vielen Gesprächen entstand eine entspannte und herzliche Atmosphäre. Bis in die Abendstunden hinein wurde gefeiert, gelacht und erinnert – ganz so, wie es zum Begegnungshaus seit nunmehr zehn Jahren gehört.