04.03.2022, Aktuelles

Erweiterung der Waldschule

Gemeinderat beschließt Vergabe der Planungsleistungen


In der öffentlichen Sitzung des Gemeinderats am 22. Februar stand im Rahmen der Erweiterung der Waldschule die Vergabe der Planungsleistungen auf der Tagesordnung.
Bürgermeister Matthias Renschler stellte zu Beginn des Tagesordnungspunktes klar, dass die Jury nicht von der Auslobung abgewichen ist. Die Entscheidung sei nun nach dem Vergabeverfahren im Preisgericht gefallen. Daran habe man sich zu halten.

Erläuterungen
Stadtbaumeister Andreas Tisch erläuterte die Details zu den Planungsleistungen, über die der Gemeinderat im Anschluss zu entscheiden hatte. Zunächst erläuterte er kurz das Verfahren, das vorsah, nach europäischem Recht Planungs- und Bauleistungen europaweit zu vergeben. Es wurde dafür das Verfahren „integrierter Planungswettbewerb“ gewählt, um gute Lösungen präsentiert zu bekommen. „Der erfolgreichste Bieter soll hier den Zuschlag erhalten“, so Tisch. Wenn man nicht zuschlagen wolle, dann sei das an sehr enge Kriterien gebunden, machte Tisch deutlich. „Wir müssten dann sagen, wir wollen etwas Anderes ausführen und die Ausschreibung aufheben und dann frisch anfangen.“  Man wolle nun drei Dinge tun: Zum einen die Architektenleistungen beauftragen an das Münchner Büro Baur & Latsch Architekten BDA, dann sollen die Planungsleistungen für die Landschaftsarchitektur an das Münchner Büro für Landschaftsarchitektur OK Landschaft von Andreas Kicherer vergeben werden und zum dritten wurde der Gemeinderat darum gebeten, die Planungsaufgabe auf die Überplanung des Schulhofes zu erweitern.

Stellungnahmen
Laut Mathias Pütz (CDU) stehen bei der geplanten Erweiterung der Waldschule „sowohl Funktionalität wie auch Nutzungs- und Aufenthaltsqualität für uns im Mittelpunkt der Überlegungen“. Diese Priorität erkenne man auch bei den aus dem Wettbewerb hervorgegangenen Sieger-Entwürfen. Die der Vorlage beigefügten Planungsunterlagen verdeutlichen laut Mathias Pütz nachvollziehbar, wie das Gelände von Wald- und Sambuga-Schule räumliche Potentiale für eine Weiterentwicklung durch Mensa und einen weiteren Pavillon in Verbindung mit einer zukunftsfähigen Umgestaltung der Außenbereiche biete. Man erkenne, dass während der Planung und Umsetzung der Maßnahmen auf die Belange und Beteiligung der Schulgemeinschaft geachtet werde. Für die CDU-Fraktion sei die Schonung und Ertüchtigung des umgebenden Waldes eine zentrale Aufgabe bei diesem Projekt, was man in dem vorliegenden Entwurf berücksichtigt sehe. Die Erweiterung der Waldschule sei dringlich und dulde keinen weiteren Aufschub. In dem Entwurf erkenne man „enormes Potential, um die Qualität der Waldschule in pädagogischer Sicht zu verbessern“, so Pütz. Es würden auch architektonische Akzente gesetzt, die das „zeitlose und gelungene Ensemble der Waldschule stärken“.

Manfred Zuber (SPD) sagte, dass man die Meinung teile, dass es bei der Erweiterung der Waldschule zu keinen weiteren Verzögerungen kommen dürfe. Man wolle schnell weitere Schritte auf den Weg bringen, damit der Waldschule der neue Pavillon und die lang ersehnte Mensa zur Verfügung stehe. Das Ergebnis des Realisierungswettbewerbs liege in der einstimmigen Empfehlung des Preisgerichts vor. Nun müsse umgehend die Vergabe an die Planungsbüros beschlossen werden. Der Mensastandort bedinge nun eine erweiterte Befassung mit dem Schulhof. „Die Weiterentwicklung der Planung kann nicht ohne die intensive Einbindung der Schulen und der Schulgemeinschaft erfolgen“, forderte Zuber. Dabei dürfe man auch nicht die Mitarbeitenden des Ganztagesbetriebs vergessen. Für den Bolzplatz müsse ein neuer Standort gesucht werden. Es sei wichtig, die vorhandenen Flächen neu zu planen. „Großen Wert legen wir auf die Ausgestaltung der Mensa in Bezug auf Ruhe und angemessenes Klima sowie störungsarmes Essen.“ Besonders die ausreichende Zahl der Plätze in der Mensa sei wichtig, so Manfred Zuber.

Hans Wölz (Bündnis 90/Die Grünen) betonte, dass der Campus der Waldschule durch den großen Platz mit Schulhof und Pavillons geprägt sei. Das sei bisher unberührt gelassen worden. Der große Platz sei im schulischen Alltag von zentraler Bedeutung. Hans Wölz verwies auf die öffentliche Sitzung des Gemeinderats am 22.06.2021, in der die Auslobung mit der Wettbewerbsaufgabe ausführlich beschrieben worden sei. Wölz zitierte daraus, dass es Ziel des Wettbewerbs sei, „nördlich des Hauptgebäudes der Grund- und Werkrealschule Waldschule Walldorf einen Neubau für die Mensa mit ergänzenden Räumen zu entwickeln“.  Die Anbindung der Mensa an das Hauptgebäude, so Wölz weiter, sollte in nördlicher Richtung erfolgen. In Bezug auf Äußerungen von Schulleiter Lorenz Kachler sagte Hans Wölz, dass man davon ausgehen müsse, dass „seine Argumente als sachverständiger Berater von der Mehrheit des Preisgerichts einfach beiseite gewischt wurden“. Für Bündnis90/Die Grünen habe der 2. Preisträger in Bezug auf Funktionalität, Wirtschaftlichkeit und Energiebedarf einen Planungsentwurf vorgelegt, „der alle Anforderungen des Wettbewerbs erfüllte“. Dieser sei auch von der Schule und ihren Vertretern als optimal angesehen worden, so Wölz. Das Ergebnis des Preisgerichts habe wie ein „Paukenschlag auf die Schulgemeinde und den Arbeitskreis Bau Waldschule gewirkt“. Man verstehe nicht, wie ein Preisgericht sich mehrheitlich über vom Gemeinderat beschlossene Zielsetzung in der Auslobung hinwegsetzen könne.
Zum Beschlussvorschlag beantragten die Grünen eine getrennte Abstimmung. Dem ersten Punkt könne die Fraktion mehrheitlich nicht zustimmen. Den beiden anderen Punkten stimme man zu.

Seit der Einweihung der Waldschule 1967 sei viel passiert, so Günter Lukey (FDP) und der Bedarf der Waldschule habe sich durch den Ganztagesunterricht, die zunehmende Anzahl der Schülerinnen und Schüler sowie durch das Hinzukommen der Sambugaschule wesentlich verändert. Ein weiterer Pavillon sowie ein Mensaneubau seien dringend erforderlich, „um die Raumbedürfnisse der Schule auch zukünftig sicherstellen zu können“. Lukey erinnerte daran, dass sich die Stadtverwaltung bei der Durchführung des Vergabeverfahrens an fest verbindliche Abläufe halten musste. Das Siegerbüro könne auf mehrere beachtenswerte Bauvorhaben verweisen, so dass man sicher sein könne, dass die Waldschule eine Aufwertung erfahren werde. Mit dem Landschaftsarchitekten wurde laut Lukey ebenso ein renommiertes Büro hinzugezogen, das genügend Erfahrung mitbringe, damit sich Schulhof und umgebender Wald ohne Verlust der Aufenthaltsqualität nahtlos in das Bauvorhaben einfügen werden. Die FDP-Fraktion werde der Erweiterung des Planungsauftrages für die Freiflächen zustimmen. Es sei wichtig, dass Schulleitung und Elternbeirat über die weiteren Schritte der Planung stets zeitnah in Kenntnis gesetzt werden. Laut Günter Lukey habe es im Vorfeld Falschinformationen gegeben, wodurch die Elternschaft in den Glauben versetzt worden sei, an dem Vergabe-Verfahren könnte im Nachhinein noch etwas geändert werden. Das Missverständnis sei bei einem Vorort-Termin durch Stadtbaumeister Andreas Tisch schnell richtiggestellt worden. Man könne gut nachvollziehen, dass es Bedenken bei der Elternschaft in Bezug auf den Bau der Mensa inmitten der Schule gebe. Man sei sich aber sicher, dass mit dem hinzugezogenen Landschaftsarchitektenbüro gute Lösungen gefunden werden. Auch für den Bolzplatz werde sicher ebenfalls eine gute Lösung gefunden, so Lukey. Man schließe sich allen drei Verwaltungsvorschlägen uneingeschränkt an.

Lorenz Kachler (SPD), dankte allen, die auf dem Weg zur Entscheidungsfindung mitgeholfen haben. In Bezug auf die bevorstehende Abstimmung sagte er, er sei „herzlich froh, dass wir jetzt an der Stelle sind“. Er hätte sich zwar die andere Variante gewünscht, aber „ich respektiere die demokratische Entscheidung, die da getroffen ist“. Er habe den Eindruck, dass sich eine große Mehrheit mit der Sachlage befasse und nun auch dahinter sei, dass die weitere Planung unterstützt werde. Er trage die Entscheidung mit.

Manfred Wolf (Bündnis 90/Die Grünen) fand, dass es in Anbetracht der Bauphase ohne Bolzplatz „sicher mindestens ein Jahr „traurige Kindergesichter geben“ werde. Nach seinen Recherchen hätten die Kinder nach dem Umbau des Schulhofs pro Kind etwa sieben Quadratmeter Platz im Pausenhof. Da könne man sich fragen, ob das eine kluge Entscheidung für den Bewegungsdrang der Kinder war, so Wolf. Aus seiner Sicht hätte es bis zum Aufruf des Tagesordnungspunkts die Möglichkeit gegeben, dass man noch versucht sich zu einigen, und trotzdem noch zeitnah bauen zu können. Eine Herausforderung werde die Verlegung des Bolzplatzes sicher noch werden. Die Gesamtaufwände würden der Vermutung von Manfred Wolf nach in jeglicher Hinsicht deutlich steigen werden. Man müsse nun alles versuchen, die pädagogische Situation wieder bestmöglich herzustellen. Die Mensa mitten in den Schulhof zu stellen, bleibe aus seiner persönlichen Sicht ein „pädagogischer Schildbürgerstreich erster Klasse“.
Maximilian Himberger (Bündnis 90/Die Grünen) betonte, dass es für ihn rein inhaltlich keine Zustimmung zum Siegerentwurf in Bezug auf die Mensa gebe. Er habe trotzdem eine andere Beschlusshaltung als seine Fraktion. Die Mensa sei für ihn aus pädagogischer Sicht ein Fremdkörper auf dem Schulhof. Ihm gehe es um das Verfahren, das ihn dazu bewege, für den Beschlussvorschlag zu stimmen. „Das Kind ist leider schon an einer anderen Stelle in den Brunnen gefallen“, so Himberger. Die Umsetzung des Siegerentwurfs sei aus seiner Sicht alternativlos. „Wir müssen das Thema jetzt dringend angehen. An das Ergebnis der Jury sind wir gebunden“, so Himberger. Eine Neuausschreibung werfe die Stadt viel zu weit zurück. Er werde dem Beschlussvorschlag zustimmen, das Projekt aber sehr kritisch und konstruktiv begleiten. Es gelte, die Belange aller Schülerinnen und Schüler und aller Schulformen zu berücksichtigen.
Wilfried Weisbrod (Bündnis 90/Die Grünen) kritisierte das Vergabeverfahren als im Vorfeld nicht transparent genug. „Hätte ich gewusst, dass wir bei dem Wettbewerb ganz klar den ersten Preis nehmen müssen und als Gemeinderat gar keine Wahlmöglichkeit mehr haben, hätte ich dieser Sache nicht zugestimmt.“ Es könne aus seiner Sicht nicht sein, dass der Gemeinderat nicht die letztendliche Entscheidung darüber habe, „was wir realisieren wollen“.

Abstimmung
Die getrennte Abstimmung im Gemeinderat brachte folgende Ergebnis:
Die Vergabe der Planungsleistungen Architektur an das Büro Baur & Latsch Architekten BDA Partnerschaftsgesellschaft mbB, München, wurde vom Gemeinderat bei zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen mehrheitlich angenommen.
Die Vergabe der Planungsleistungen Freianlagen an das Büro OK Landschaft, Andreas Kicherer, München wurde einstimmig angenommen.
Die Erweiterung der Planungsaufgabe Freianlage mit dem nutzungsangepassten Umbau des Innenbereich des Schulhofes der Waldschule wurde einstimmig angenommen.