21.01.2026, Umwelt- und Klimaschutz
Forst will „ein Netz stabiler Baumarten schaffen“
Gemeinderat verabschiedet Betriebsplan fürs laufende Jahr
„Für uns war der verregnete Juli Gold wert“, sagt Forstbezirksleiter Philipp Schweigler mit Blick auf die Walldorfer Wälder und deren Entwicklung im vergangenen Jahr. Denn der Zustand hänge immer auch von der jeweiligen Witterung ab. Allerdings seien gerade in den älteren Beständen die Folgeschäden der extremeren Jahre groß, der Klimawandel präge den Wald massiv. Die einzelnen Baumarten seien davon ganz unterschiedlich betroffen, „die Eiche hält’s am besten aus“. Schweigler stellt gemeinsam mit Revierförster Achim Freund dem Gemeinderat den Forstbetriebsplan für 2026 vor, dem das Gremium einhellig zustimmt. Das Defizit für die Stadt wird voraussichtlich rund 290.000 Euro betragen.
Schweigler geht unter anderem auf den Holzeinschlag ein, der im vergangenen Jahr mit 2800 Festmetern in Waldflächen vollzogen wurde, die eine hohe Absterberate bei noch ausreichender Holzqualität aufwiesen. „Das geht 2026 ähnlich weiter“, kündigt er die „Fortsetzung der Ernte stark geschädigter Bäume“ an. „Die Anpflanzungen haben den Sommer gut überstanden, wir haben aber auch bewässert“, berichtet Schweigler. Dafür habe man eine mobile Bewässerungseinheit mit einem 6000-Liter-Tank angeschafft. Außerdem sei im Reilinger Eck ein Feuerlöschbrunnen errichtet worden, um im Falle eines Waldbrandes über eine ausreichende Löschwassermenge zu verfügen – dieser Brunnen werde bei Bedarf auch für die Kulturbewässerung genutzt.
Schwerpunkt für neue Kulturen sei die 2,4 Hektar große Neuanpflanzung im Roter Bruch, angrenzend an den forstlichen Stützpunkt Leimengrube. Diese Fläche werde mit mehr als 17.000 Bäumen und 300 Sträuchern bepflanzt, darunter auch klimaresilienten Arten. „Die Einbringung wärmetoleranter Baumarten funktioniert“, sagt Schweigler mit Blick auf Flaum- und Zerreiche oder Walnuss, die man beispielsweise auch in die durch die Entnahme geschädigter Bäume entstandenen Lücken setze. So wolle man „ein Netz stabiler Baumarten auf vielen Kernflächen“ schaffen.
Der Forstbezirksleiter geht auch auf die Aktivitäten für den Naturschutz ein, so auf die Waldweide oder auf die Sandrasenpflege im Bereich Maulbeerbuckel, die künftig nicht mehr vom NABU, sondern ebenfalls durch den Forst übernommen werde. Er weist auf mehr als 140 Veranstaltungen der Waldpädagogik hin, mehrere Führungen, Exkursionen und Vorträge, mit denen man über 3600 Kinder und Erwachsene erreicht habe. Revierförster Achim Freund gibt außerdem einen ausführlichen Rückblick auf die Verleihung des Waldmacher-Awards durch das Technikum Laubholz für die seit über 20 Jahren bestehende intensive Zusammenarbeit des Forsts mit der Sambugaschule (die Walldorfer Rundschau berichtete).
Bürgermeister Matthias Renschler dankt den Forstleuten für die gute Zusammenarbeit und vor allem „für die wertvolle Arbeit mit der Sambugaschule“. Dr. Gerhard Baldes (CDU) spricht über die große Bedeutung des Waldes für Walldorf. Für den Gemeinderat habe nicht dessen Wirtschaftlichkeit, sondern die Erholungsfunktion und seine positiven Effekte aufs Klima Vorrang. Die Waldpädagogik sei „ein tolles Projekt“, mit dem Kinder „Natur pur“ erlebten. Lorenz Kachler (SPD) hat sich im Vorfeld die Leitziele angeschaut und stellt fest, dass der Forst dazu wertvolle Beiträge leistet, gerade mit Blick auf Natur und Umwelt, Nachhaltigkeit und Bildung. „Das Waldklassenzimmer hat sich bewährt“, lobt auch er explizit die Arbeit der Waldpädagogik.
„Für vergleichsweise geringe Mittel wird viel geliefert“, stellt Günter Lukey (FDP) fest. Der Wald sei in einem Zustand, „der forstliche Eingriffe erfordert“. Dabei sind aus seiner Sicht klimastabile Bäume allerdings „kein Allheilmittel“. Lukey hebt die Waldweide hervor, die seit nahezu 20 Jahre als Lebensraum für seltene Arten diene, und spricht „ein großes Lob an alle Beteiligten“ für den Waldmacher-Award aus. „Gerade unser Wald leidet unter der Klimakrise“, sagt Maximilian Himberger (Bündnis 90/Die Grünen), der nach eigenen Worten beim Betrachten von Satellitenbildern im Rahmen eines Forschungsprojekts regelrecht „erschrocken“ über dessen Zustand ist. Die Lage bleibe weiter angespannt. Himberger sagt aber auch: „Der Wald ist unser Verbündeter“, Klima- und Naturschutz sowie Waldpädagogik seien wichtige Bereiche. „Der Wald leidet unter der Klimakrise“, stellt Mihriban Gönenç (Zusammen für Walldorf) fest. Umso wichtiger seien die geplanten Maßnahmen. Auch sie hebt die gute Arbeit der Waldpädagogik hervor.