13.07.2026, Startseite

Lord und Lady Astor zu Besuch

Lady und Lord Astor tragen sich auf Wunsch von Bürgermeister Matthias Renschler (vorne v.li.) ins goldene Buch der Stadt ein. Mit dabei beim Besuch im Rathaus sind Kämmerer Boris Maier, David Högerich (Leiter des Eigenbetriebs Wohnungswirtschaft), Heike Käller (Fachdienst Kultur und Sport) und Stadtbaumeister Andreas Tisch (hinten v.li.). Foto: Stadt Walldorf

Bürgermeister begrüßte den Ur-Ur-Urenkel von Johann Jakob Astor

John Jacob Astor VIII, 3. Baron Astor of Hever – oder kurz Lord Astor – ist der Ur-Ur-Urenkel von Walldorfs berühmtestem Auswanderer, Johann Jakob Astor (1763-1848), der in den USA zum reichsten Menschen seiner Zeit wurde. Jetzt war Lord Astor gemeinsam mit seiner Frau Elizabeth in Walldorf zu Besuch und wurde von Bürgermeister Matthias Renschler und der Verwaltungsspitze im Rathaus willkommen geheißen. „Vielen Dank“, zeigte sich Lord Astor ehrlich erfreut über den herzlichen Empfang. „Es ist uns seine Ehre“, sagte Bürgermeister Renschler. Er hatte Astor vor Kurzem zu dessen 80. Geburtstag ein Glückwunschschreiben nach England geschickt. Beide waren sich einig, dass sie auch künftig Kontakt halten wollen.

Lord Astors Urgroßvater William Waldorf Astor (1848–1919), der Erbauer des Waldorf-Hotels in New York, das später zum berühmten Waldorf-Astoria wurde, war 1893 aus den USA nach England übergesiedelt, wo dieser Zweig der Astor-Familie heute noch lebt. Sein Sohn John Jacob Astor V. (1886-1971) wurde 1956 als erster Baron Astor of Hever in den Adelsstand erhoben, ein erblicher Titel, den anschließend zunächst sein Sohn Gavin Astor (1918-1984) und nun John Jacob Astor VIII tragen. Der heutige Lord Astor war von 1984 bis 2022 Mitglied des britischen House of Lords. Nach Walldorf hat er über die Jahre immer wieder den Kontakt gehalten, war beispielsweise 1988 beim Astorparkfest und der damaligen Enthüllung der Astor-Büste vor dem Astorhaus zu Gast.

Das angenehme Gespräch im Rathaus drehte sich unter anderem um diese früheren Besuche und um die verschiedenen Mitglieder der Astorfamilie. Lord Astor bewies seinen trockenen Humor, als er eine Anekdote zum Besten gab: So sei er bei einem Vortrag über seinen Namensvetter John Jacob Astor IV zu Gast gewesen, dem beim Untergang der Titanic gestorbenen Cousin seines Urgroßvaters William Waldorf Astor. Ein Bekannter habe ihn danach dem Referenten mit den Worten „ich darf sie mit John Jacob Astor bekannt machen“ vorgestellt, worüber dieser angesichts der Namensgleichheit sichtlich verblüfft gewesen sei. Astor sprach aber auch über sein historisches Interesse, die engen Verbindungen zwischen England und Deutschland, speziell in Adelskreisen, und ein Buchprojekt, an dem er aktuell arbeitet. „Wir sind beide sehr beschäftigt“, sagte seine Frau Elizabeth, die aus der Süßwaren-Dynastie Mackintosh stammt und gerade eine eigene Parfüm-Linie auf die Beine stellt.

Eine besondere Freude für beide war der anschließende Besuch im Astorhaus und die Begegnung mit Jürgen Kamm, dem früheren Hauptamtsleiter, an den sich Lord Astor noch gut von einem früheren Besuch erinnern konnte. „Sie haben uns damals herum gefahren“, wusste er zu erzählen. Im Astorhaus besichtigten Lord und Lady Astor natürlich das Astor-Zimmer, aber auch die derzeit laufende Sonderausstellung der Heimatfreunde zum Jubiläum „125 Jahre Stadtrechte“. Und natürlich war Zeit für ein Erinnerungsfoto an der Astor-Büste.