12.03.2026, Startseite
Mit „Lie-la-lie“ und „Sha-la-la-la-la“ beschwingt durch den Abend
Verwandeln das Rathaus in eine Konzertbühne: Cool Breeze mit Fabian Michel, Stefan Buchholz und Stefan Zirkel (v.li.). Foto: Helmut Pfeifer
Cool Breeze laden beim Konzert im Rathaus zum Mitsingen ein
Melancholisch, aber nicht düster, nostalgisch, aber keineswegs altbacken, immer harmonisch und mit der freundlichen Einladung, sich wohlzufühlen. Auf Cool Breeze ist Verlass, die Band füllt wieder einmal mühelos das Rathaus-Foyer, und sie verzaubert vor allem ihr Publikum auf die bewährte Art und Weise. Mit sanften Akustik-Gitarrenklängen, für die die beiden Ur-Mitglieder Stefan Zirkel und Fabian Michel zuständig sind, und dreistimmigem Gesang, bei dem sich Stefan Buchholz als Dritter im Bunde hinzugesellt. „Buchi“ hat außerdem das Cajón in seiner Gewalt, die aus Holz gefertigte Trommelkiste, auf der er beim Spielen sitzt oder sitzend spielt. Das „Vogelhäuschen“, wie es Stefan Zirkel mit dem Schalk im Nacken nennt (und den Ausspruch seiner Schwiegermutter zuschreibt), gibt dem bewährten Sound von Cool Breeze eine ganz eigene Note.
Undenkbar wäre ein Abend mit dieser Band ohne einen Song von Simon and Garfunkel – das US-amerikanische Folk-Rock-Duo, das vor allem in der zweiten Hälfte der sechziger Jahre mit poetischen Texten, akustischen Gitarren und zweistimmigem Harmoniegesang große Erfolge mit nachdenklichen Balladen und reihenweise Hits feierte, zählt zu den absoluten Favoriten von Cool Breeze, wenn es um die Songauswahl geht. So eröffnet dann auch heute „Homeward Bound“ den Abend, ein Lied, das auf einem Bahnhof geschrieben wurde und von der Sehnsucht des Musikers nach seinem Zuhause und der Liebsten berichtet – quasi eine Blaupause fürs Repertoire von Cool Breeze. Melancholie und das Folk-Rock-Element finden sich prompt auch in „Man on the Moon“ von R.E.M. Cyndi Laupers „Time after Time“ bleibt eine wunderschöne Ballade, die typischen Achtziger-Jahre-Synthie-Klänge übernimmt hier aber die Gitarre. Eine zurückgenommene, herrlich entspannte Version.
Noch weiter weg vom Original geht es mit „Eye of the Tiger“. Das unverkennbare E-Gitarren-Riff des ikonischen Songs aus dem Rocky-III-Soundtrack mit seinem pumpenden Rhythmus macht auch auf der akustischen Gitarre eine gute Figur. Und wo im Original das Schlagzeug für die Schläge des Boxers steht, kommt das an der Cajón wesentlich weniger angriffslustig daher – lädt aber zumindest zum Mitwippen ein. Wenig später wird bei Van Morrisons „Brown eyed Girl“ im hinteren Teil sogar getanzt und das „Sha-la-la-la-la“ aus vielen Kehlen mitgesungen. Zur Wahrheit gehört natürlich auch: Der Großteil des Publikums hat zwar eindeutig viel Spaß, wird bestens unterhalten, lächelt glückselig, klatscht begeistert nach jedem Song lautstark Applaus, klebt aber auch eisern an seinen Sitzen – die Vorstellung, dass plötzlich alle aufstehen und begeistert durchs Rathaus-Foyer tanzen, wird wahrscheinlich für ewig abwegig bleiben. Das euphorische Mitklatschen bei George Michaels „Faith“ geht aber immerhin in die richtige Richtung.
Ein paar Standards gehören gefühlt zu jedem Cool-Breeze-Konzert oder passen einfach so gut, als hätte man sie schon immer von ihnen gehört: das rhythmisch unwiderstehliche „Sign your Name“ (Terence Trent D’Arby), das hymnische, gut gelaunte „Weather with You“ (Crowded House) oder natürlich, dann schon nach der Pause, „Mrs. Robinson“ (Simon and Garfunkel). „Das begleitet uns seit der ersten Stunde“, gibt Stefan Zirkel tiefe Einblicke in stolze 32 Jahre Bandgeschichte. Die Band greift aus einem tiefen Schatz an Songs aus der Rock- und Popgeschichte: Oldies wie „Crying in the Rain“ (Everly Brothers) oder „Jeans on“ (David Dundas), vergleichsweis moderne Country-Musik wie „Tennessee Whiskey“ (Chris Stapleton), dann wieder Achtizger-Jahre-Stoff wie „Talking in your Sleep“ (The Romantics) oder das immer gern gehörte „The Boys of Summer“ (Don Henley). Dazwischen sorgen gut gelaunte Ansagen für zusätzliche Unterhaltung, Schmunzeln und laute Lacher im Publikum.
Das offizielle Programm endet mit einem weiteren Simon-and-Grafunkel-Hit, The Boxer. Ob das „Lie-la-lie“ lauter mitgesungen wird als vorher das „Sha-la-la-la-la“? Völlig egal, die Stimmung ist beschwingt bis ausgelassen, eine Zugabe muss her: Stings „Englishman in New York“ erntet sogar Szenenapplaus. Logisch, dass es noch mehr Nachschlag gibt. „Ihr habt es so gewollt“, scherzt Stefan Zirkel. „Highway to Hell“ (AC/DC) reißt auch ohne mehr als zwanzig Meter hohe Boxentürme mit. Und ein letzter Song darf nicht fehlen: Das viel besungene „Hotel California“ der Eagles macht den Abend rund.
Begrüßt werden die über hundert Zuhörinnen und Zuhörer zweieinhalb Stunden vorher vom Hausherren, Bürgermeister Matthias Renschler. Er verspricht in guter Voraussicht „ein wunderbares Konzert“ und „einen tollen Abend“, freut sich, „so viele Menschen bei uns im Rathaus zu sehen“, und dankt allen, die fürs Gelingen zuständig sind: Neben den drei Musikern vor allem den Verantwortlichen des Kulturfördervereins Kurpfalz, namentlich Eddie und Daniel Berlinghof, sowie von städtischer Seite dem Fachdienst Kultur und Sport. Im „Wohnzimmer“ von Cool Breeze, die im Rathaus schon viele, viele Konzerte gespielt haben, begrüßt auch Eddie Berlinghof fürs Swingin‘-WiWa-Team die zahlreichen Zuhörer, dankt ihnen fürs Kommen und rührt die Werbetrommel für die weiteren Veranstaltungen des Musikfestivals: Bis 10. Mai gibt es in Walldorf und den Nachbarkommunen noch viele weitere Konzerte zu hören.
Info: Das komplette Programm von Swingin‘ WiWa gibt es unter www.kfv-kurpfalz.de.
(Armin Rößler)