16.03.2026, Startseite

Tempo 30 reduziert den Straßenlärm

Durch die Übernahme der Straßenbaulast der ehemaligen K4256 vom Rhein-Neckar-Kreis konnte beispielsweise in der Nußlocher Straße bereits flächendeckend Tempo 30 realisiert werden. Foto: Stadt Walldorf

Gemeinderat billigt den aktuellen Lärmaktionsplan

Der Lärmaktionsplan der Stadt Walldorf wird im Rahmen der EU-Umgebungslärmrichtlinie regelmäßig überprüft und fortgeschrieben, inzwischen in der vierten Stufe. Ziel ist es, gesundheitsschädliche Lärmbelastungen – insbesondere durch Straßenverkehr – zu erfassen und geeignete Maßnahmen zur Reduzierung umzusetzen. „Das soll dazu beitragen, die Bevölkerung zu schützen“, sagte Stadtbaumeister Andreas Tisch in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats, räumte aber gleichzeitig ein: „Das bleibt schwierig.“ Denn auf einige wesentliche Lärmquellen – wie Autobahn, Bundes- und Landesstraßen sowie Bahnlinie – hat die Stadt nur sehr begrenzten Einfluss. Zwar werden mögliche Maßnahmen auch den jeweils zuständigen Straßenbaulastträgern vorgeschlagen. Änderungen dürften sich jedoch auf die Stellen konzentrieren, an denen die Stadt tätig werden kann. Der Gemeinderat billigte den aktuellen Entwurf bei einer Gegenstimme von Dr. Gerhard Baldes (CDU). Die Prüfung und Ausarbeitung eines kommunalen Förderprogramms zu Schallschutzfenstern als freiwillige Lärmschutzmaßnahme für besonders betroffene Gebäude wurde mehrheitlich mit 13 zu sieben Stimmen beschlossen – hier stimmte die CDU geschlossen dagegen.

Die Lärmkartierung zeigt, dass vor allem nachts ein erheblicher Teil der Bevölkerung von Verkehrslärm betroffen ist; mit circa 8300 Personen ist fast die Hälfte der Walldorfer Einwohner Straßenlärm von mehr als 55 dB(A) ausgesetzt. Zirka 800 Personen, fünf Prozent der Gesamtbevölkerung, sind gesundheitsgefährdenden Schallimmissionen mit von mehr als 65 dB(A) ausgesetzt. Besondere Lärmschwerpunkte liegen an den stark belasteten innerörtlichen Verkehrsachsen, so an der südlichen Schwetzinger Straße sowie an Teilen der Nußlocher Straße, Bahnhofstraße und Wieslocher Straße und entlang der Westumgehung.

„Geschwindigkeitsreduzierungen sind der Hebel“, sagte der Stadtbaumeister mit Blick auf mögliche Maßnahmen, die sowohl kurzfristig umsetzbar sind als auch als wirksam erachtet werden. Durch die Übernahme der Straßenbaulast der ehemaligen K4256 vom Rhein-Neckar-Kreis konnte die Stadt beispielsweise in der Nußlocher Straße bereits flächendeckend Tempo 30 realisieren. Als wenig erfolgversprechend sieht man dagegen den zusätzlichen Einbau eines lärmoptimierten Fahrbahnbelags an. Denkbar sei aber die Förderung von passivem Schallschutz (zum Beispiel durch Schallschutzfenster) an auch künftig noch besonders belasteten Gebäuden. „Das sollten wir prüfen“, schlug Tisch vor, was von der Mehrheit des Rats dann auch beschlossen wurde. Der Stadtbaumeister kündigte außerdem an, dass schon 2027 „die nächste Runde“ des Lärmaktionsplans beginnen wird.

Der Lärmaktionsplan sei wichtig und sinnvoll, um Lärm zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern, sagte Uwe Lindner (CDU). Zwar werde durch stark frequentierte Straßen, auf die man keinen Einfluss habe, viel Lärm in die Kommune getragen, Tempo 30 auf den innerörtlichen Straßen sorge aber für eine weitere Verbesserung. Schallschutzfenster sehe seine Fraktion allerdings nicht als „wesentlich besser“ gegenüber den bereits geförderten dreifach verglasten Fenstern an. Manfred Zuber (SPD) zeigte sich überrascht, dass aus der Bevölkerung keine Stellungnahmen während der jüngsten Offenlage gekommen waren. Immerhin habe es von Behördenseite sechs Rückmeldungen gegeben, „teils mit für uns interessanten Informationen“. Mit Tempo 30 senke man die Lärmbelastung um circa drei dB(A), so Zuber, somit gebe es auch nachts weniger Überschreitungen der Grenzwerte. „Das wirkt sich auch positiv auf den Rad- und Fußverkehr aus“, sagte er zur Geschwindigkeitsreduzierung.

Skeptisch zeigte sich Günter Lukey (FDP). „Es werden keine substanziellen Verbesserungen erzielt werden können“, sagte er. Zudem fehle seiner Fraktion eine Bewertung der bisherigen Maßnahmen und ihrer Wirkung. „Mangelnde Effektivität“ sei der zentrale Kritikpunkt. Dennoch unterstütze die FDP „weiter ausdrücklich“ die Ziele des Lärmaktionsplans, die innerörtliche Lärmbelastung zu senken und die Lebensqualität zu erhöhen. „Wir tragen die vorgesehenen Maßnahmen mit“, sagte Wilfried Weisbrod (Bündnis 90/Die Grünen). „Wenn langsamer gefahren wird, beruhigt sich die Situation merklich.“ Den Vorschlag, Schallschutzfenster in belasteten Bereichen zu fördern, hielt er für richtig. Das sei man den Betroffenen „schuldig“. Gerhard Baldes erklärte seine Gegenstimme damit, dass der Lärm berechnet und nicht gemessen werde. „Nur was man messen kann, ist Fakt“, sagte er.