11.03.2026, Startseite
Wege in die Abstraktion
Die Vernissage der Ackermann-Ausstellung in der ehemaligen Synagoge war ein voller Erfolg. Foto: Stadt Walldorf
Frühjahrsausstellung der Stadt widmet sich dem Schaffen Peter Ackermanns
„Meinem Mann hätte diese Ausstellung sehr gut gefallen, ganz besonders dieser Raum“, sagt Monika Ackermann und weist lächelnd mit halber Drehung in den geschichtsträchtigen Saal der ehemaligen Synagoge. Die Witwe des Künstlers freute sich, dass sie persönlich zum ersten Mal in Walldorf bei einer Peter-Ackermann-Ausstellung dabei sein konnte.
In Anwesenheit von Bürgermeister Matthias Renschler und dem Kunstverein-Vorsitzenden Dr. Gerhard Baldes begrüßte der Erste Beigeordnete Otto Steinmann die zahlreichen Gäste, die sich am vergangenen Freitag zur Vernissage eingefunden hatten. Steinmann betont die Verpflichtung, die Werke Peter Ackermanns einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, welche die Stadt mit der Schenkung der Sammlung vor fünf Jahren übernommen hat.
Dass die Frühjahrsausstellung der Stadt in der ehemaligen Synagoge und der Alten Apotheke stattfindet und nicht wie sonst im Rathaus, ist Steinmann besonders wichtig herauszuarbeiten. Das trage nicht nur den Werken des Künstlers Rechnung, sondern auch den Räumlichkeiten. „Mir persönlich ist es ein wichtiges Anliegen, diesen alten Ortskern Walldorfs, das sogenannte Oberdorf, zu beleben“, sagt er. Dabei lag sein Fokus auf dem „räumlich zusammenhängenden ‚Dreigestirn‘“ aus ehemaliger Synagoge, Laurentiuskapelle und Alter Apotheke. „Denn Walldorf hat nicht nur Potenzial in finanzieller, infrastruktureller, architektonischer oder städtebaulicher Richtung. Nein, Walldorf hat auch dieses spürbare Potential im Bereich der Kunst und Kultur.“
Dass sich eine Stadt wie Walldorf bereits „seit Mitte der 60er Jahre sowohl einen Kunst- als auch einen Musikbeauftragten leistet“, sei nicht selbstverständlich und zeuge vom hohen „Bewusstsein für Kunst und Kultur und deren Bedeutung für eine Stadtgesellschaft“, so Steinmann weiter.
Kunsthistorikerin Dr. Kristina Hoge gibt einen Einblick in die Ausstellung, das Werk von Peter Ackermann und macht Entwicklungen anhand von Werkserklärungen verständlich. Kunst könne immer einen Dialog anbieten, sich daran zu reiben oder andere Meinungen zu haben, um am Ende in einem gemeinschaftlichen gesellschaftlichen Miteinander zusammenzufinden.
Nachdem die Kunstbeauftragte mit ihrer ersten Ausstellung im Rathaus einen persönlichen Einblick in die Kunstsammlung der Stadt gegeben hatte, war sie ganz begeistert vom neuen Ausstellungsort, der „schon so viel selbst in sich trägt, dass man damit ganz wunderbar arbeiten kann.“ Ganz nach ihrer Devise „all in“ hat sie sich mit allen in Walldorf vorhandenen Arbeiten Ackermanns vertraut gemacht. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Grafik. Arbeiten des „fantastischen Grafikers“ sind in der Alten Apotheke in einer Verkaufsausstellung zu sehen. „Er hat einen Blick für Details, die vielen anderen wohl für immer verborgen bleiben werden“, schätzt Hoge ein.
Wie nähert man sich der Denk- und Arbeitsweise eines Künstlers? Entlang der beiden Raumseiten verdeutlichen die Arbeiten zwei Wege in die Abstraktion. Einerseits ausgehend von detailreichen Landschaften und andererseits mittels seines Kerngebiets, der Architektur. Von detailverliebten Darstellungen entwickelt er seine Arbeiten hin zu einer absoluten Abstraktion, in der Linien und Flächen maßgeblich die Darstellung bestimmen.
„Ich finde es immer spannend, in scheinbar schnell Hingeworfenem dem nahe zu kommen, was einen Künstler bewegt“, konstatiert Hoge. Dafür seien die Skizzenbücher, die in der Alten Apotheke in Vitrinen zu sehen sind, ein wunderbarer Ausgangspunkt. Natur und Architektur würden aus dem realen Beobachten heraus zu Linien und Formen, „die Möglichkeiten aufzeigen, die Welt zu verstehen.“
Mit einer Wand voller Fotos, auf denen der Mensch Peter Ackermann und seine Wahlheimat Italien im Zentrum steht, wird die Ausstellung ergänzt und abgerundet. Auf sehr empathische und verständliche Art bringt Dr. Hoge den Zuhörern den künstlerischen Kosmos Peter Ackermanns nahe. Aus Ruinen, die seine Kindheit im zerbombten Berlin begleitet haben, baut Peter Ackermann als „Ruinenbaumeister“ Neues zusammen und zeigt die Schönheit in all dem.
„Für mich liegt in den Werken von Peter Ackermann die Botschaft, alles genau zu betrachten, nichts gleich zu verurteilen, sondern es mitzunehmen und weiterzudenken sowie die Geschichte zu achten und daraus weiterzugehen in eine moderne Zukunft“, fasst Hoge ihre Gedanken zusammen.
Cellist Walter-Michael Vollhardt setzt mit den Werken von Ernest Bloch und Johann Sebastian Bach die Ausstellung in Bezug zu den Räumlichkeiten. Am Ende der Vernissage überrascht er das Publikum mit freien Improvisationen zu den ausgestellten Werken Ackermanns.
In seinem Schlusswort dankt Otto Steinmann Dr. Kristina Hoge, dem Kunstverein Walldorf in Person von Dr. Gerhard Baldes sowie Heike Käller vom Kulturamt der Stadt und Dieter Astor für die Organisation der Ausstellung. Steinmann lässt es sich nicht nehmen, gemeinsam mit allen Anwesenden für Baldes ein kurzes Ständchen anzustimmen, da dieser an diesem Tag seinen Geburtstag feiert.
Info: Die Ausstellung ist bis Sonntag, 12. April, jeweils sonntags von 15 bis 17 Uhr in der ehemaligen Synagoge und in der Alten Apotheke geöffnet.