11.03.2026, Startseite

Zwischen TikTok, WhatsApp und KI

Diplom-Medienpädagogin Eva Weiler (stehend) referierte am Medienelternabend im kleinen Foyer der Astoria-Halle. Foto: Stadt Walldorf

Eva Weiler gibt Tipps beim Medienelternabend

„Einen guten Dialog und eine informative Veranstaltung mit hilfreichen Impulsen“, wünscht Bürgermeister Matthias Renschler, als er die Gäste zum schulübergreifenden Medienelternabend im Foyer der Astoria-Halle begrüßt. Die Diplom-Medienpädagogin Eva Weiler ist die Referentin des Abends, der von der Schulsozialarbeit organisiert wurde. Digitalität sei heute längst zu einem selbstverständlichen Teil des Alltags von Kindern und Jugendlichen geworden, so der Bürgermeister. „Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir als Erwachsene nicht nur zuschauen, sondern auch verstehen, wie die Social-Media-Welt unserer Kinder tatsächlich aussieht“, betont Renschler. Der Abend solle Orientierung geben – keine Patentrezepte, sondern hilfreiche Impulse. Die Stadt sehe es als ihre Aufgabe, gute Rahmenbedingungen für das Aufwachsen junger Menschen zu schaffen.

Medienbildung ist heute ein wichtiger Bestandteil von Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit“, so Renschler, der dem Gesamtelternbeirat für die Initiative, den Schulen für die Zusammenarbeit und Eva Weiler für ihre Bereitschaft, den Abend zu gestalten, seinen Dank ausspricht. 

Den Einstieg in ihren Vortrag gestaltet Eva Weiler humorvoll: mit einem Comic-Bild, das sie ChatGPT von sich hat machen lassen, auf Grundlage der Informationen, die die Plattform bereits über sie hatte. Das Ergebnis ist einerseits unterhaltsam, „aber das bezahlen wir mit unseren Daten“. Und so bleibt es auch ambivalent – „das Internet macht Spaß, ich zocke auch gern“, sagt Eva Weiler auf der einen Seite voller Überzeugung und präsentiert einige Beispiele aus ihrem eigenen Leben: Von Rezeptideen über Gartentipps bis zur Kicker-App gebe es viele Möglichkeiten, sich zu informieren oder unterhalten zu lassen. Auf der anderen Seite könne es aber auch negative Aspekte geben: die Entwicklung eines Suchtverhaltens, Online-Mobbing oder soziale Vereinsamung sind Beispiele, auf die die Expertin im Laufe ihres Vortrags näher eingeht.

„Ich probiere viele Sachen aus“, wirbt Weiler zunächst dafür, sich den digitalen Medien nicht zu verschließen. Denn alles, was man selbst ausprobiere, könne man besser verstehen. Bei den Kindern seien aktuell unter anderem WhatsApp, YouTube, TikTok, Snapchat und Twitch angesagt. „Der Messenger ist die Einstiegsdroge“, sagt Eva Weiler. Am häufigsten werde WhatsApp genutzt. Das fange schon in den Schulen an, häufig würden die Klassenchats über den Messengerdienst, der zur amerikanischen Firma Meta gehört, laufen. „Hier werden zu viele unnötige Nachrichten ausgetauscht“, weiß Weiler aus eigener Erfahrung. Es gebe in den Schulklassen immer häufiger Beleidigungen und Hassnachrichten sowie Bildrechtsverletzungen, die über solche Dienste verbreitet werden. „Opfer können sich wehren“, sagt Weiler und verweist auf den Digital Services Act, ein Gesetz, das für alle Plattformen gilt, die ihre Dienste im europäischen Binnenmarkt anbieten, unabhängig davon, ob sie in der EU oder außerhalb niedergelassen sind. „Die Betreiber haben da keine Lust drauf, aber machen Sie es“, wirbt Eva Weiler dafür, Beleidigungen und Co. zu melden. Die Täter würden dann zumindest für 24 Stunden gesperrt werden. „Die Kinder denken immer, im Internet hat nichts Konsequenzen – doch das hat es.“ 

Die Medienpädagogin empfiehlt den Eltern, ihren Kindern ein Vorbild bei der Nutzung digitaler Medien zu sein, beispielsweise durch das Vorleben einer Netiquette, also dem respektvollen Umgang in der elektronischen Kommunikation. Vom Messengerdienst WhatsApp rät Weiler übrigens ganz ab, unter anderem weil es dort sogenannte Channel gibt – da werde der Spieltrieb von Kindern getriggert und problematische, nicht jugendfreie Inhalte würden einfach zugänglich gemacht. Sie empfiehlt stattdessen, Threema oder Signal zu nutzen: „Da werden keine Daten gesammelt, es gibt keine Werbung und keine Channel.“ 
Auch auf das Thema KI kommt Weiler zu sprechen. „Da tun sich Quantensprünge auf“, sagt sie zur rasanten Entwicklung eines Themas, das auf Kinder und Jugendliche große Faszination ausübe. Auch hier gebe es Vor- und Nachteile: Auf der einen Seite fänden Deepfakes und Desinformationen dadurch immer mehr Verbreitung, auf der anderen Seite könne KI als nützliches Tool für schnelle Übersetzungen oder für kreatives Erstellen von Bildern und Videos genutzt werden. „Checken Sie die Antworten immer gegen“, rät die Expertin, KI-Informationen nicht immer blind zu vertrauen. Zu viel KI-Nutzung schränke außerdem Kreativität und eigenständiges Denken ein. „Sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber, dass KI kein Mensch ist, sondern eine Maschine“, sagt sie in Bezug auf die Gefahr von parasozialen Beziehungen, die vor allem in der Pubertät ein Thema seien. 
Social Media spart Weiler natürlich nicht aus: Wie Filterblasen funktionieren, erklärt sie am unterhaltsamen Beispiel von „kleinen roten Katzen“. Dass durch Social Media fragwürdige Körperideale verbreitet werden und komplexe Themen oft nur stark verkürzt werden, betont sie ebenfalls und rät den Eltern dazu, Trends im Auge zu behalten, die ihren Kindern Schaden zufügen könnten. „Melden Sie sich ebenfalls an, wenn Ihr Kind auf einer Social-Media-Plattform angemeldet ist und freunden Sie sich mit ihm an. Dann sehen Sie, was gepostet wird, das verfestigt sich im Kopf“, hat sie einen konkreten Vorschlag. „Verbote bringen wenig“, sagt Weiler in Bezug auf aktuelle politische Diskussionen. Man müsse vielmehr für Transparenz sorgen und die verantwortlichen Firmen regulieren. 

Zum Schluss hat Eva Weiler noch ein paar konkrete Ratschläge: „Vereinbaren Sie mit Ihren Kindern, zwei Tage pro Woche auf Social Media zu verzichten.“ Und generell: „Erklären Sie Ihren Kindern die Sachen, geben Sie klare Regeln vor und benutzen Sie Smartphones nicht als Belohnung oder Sanktion.“ Außerdem rät sie generell zu einem gewissen Maß an Gelassenheit: „Machen Sie sich keine Sorgen, solange die Noten gut sind und Ihre Kinder sich regelmäßig mit Freunden treffen.“