03.06.2026, Startseite
Breites Bündel von Maßnahmen gegen invasive Arten
Die Bekämpfung der Großen Drüsenameise mit Heißdampf hat sich als wirkungsvoll erwiesen.
Dabei werden auch die weißen Eier zu Tage gefördert. Foto: Stadt Walldorf
Zwischenbilanz im Gemeinderat vorgestellt
„Invasive Arten sind eine Bedrohung für die Biodiversität und das Ökosystem“, sagte Alena Müller. Die Leiterin des Fachbereichs Ordnung und Umwelt stellte dem Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung eine Zwischenbilanz zum Umgang mit Asiatischer Hornisse, Asiatischer Tigermücke, Großer Drüsenameise und dem Götterbaum vor. „Leider werden immer mehr invasive Arten bei uns auftauchen“, bedauerte die Fachbereichsleiterin. Die Stadt wolle die Belastungen für Bevölkerung und Umwelt möglichst früh begrenzen und auf neue Entwicklungen rasch reagieren. Dafür setze man auf Information, Früherkennung und praktische Maßnahmen.
Invasive Arten sind Tiere (auch als Neozoen bezeichnet) und Pflanzen (Neophyten), die ursprünglich nicht in einer Region heimisch sind, dort vom Menschen direkt oder indirekt eingeschleppt wurden und sich stark ausbreiten. Die Rhein-Neckar-Region ist laut der Verwaltungsvorlage zur Sitzung wegen ihres warmen Klimas, vielfältiger Lebensräume und des intensiven Waren- und Personenverkehrs besonders anfällig für die Ansiedlung neuer Tier- und Pflanzenarten. Als invasiv gelten diese vor allem dann, wenn sie Schäden verursachen, beispielsweise heimische Arten verdrängen, Ökosysteme verändern oder die Gesundheit von Menschen und die Sicherheit im Siedlungsraum beeinträchtigen.
Bei der Asiatischen Hornisse wurden 2025 auf Walldorfer Gemarkung 16 Nester dokumentiert, doppelt so viele wie 2024 – vielleicht auch deshalb, weil die Bevölkerung die Problematik inzwischen bewusster wahrnimmt. Seit März 2025 gilt die Art in Baden-Württemberg als etabliert; eine staatliche Bekämpfungspflicht besteht deshalb nicht mehr, stattdessen gilt ein sogenannter Managementansatz. Die Stadt sieht den größten Handlungsbedarf vor allem bei Nestern an belebten Orten, weil herabstürzende und teils noch beflogene Nester im Herbst ein Sicherheitsrisiko darstellen können. Es wird deshalb auch künftig darum gebeten, entdeckte Nester dem Fachdienst Umwelt zu melden, damit sie entfernt werden können. Die Öffentlichkeitsarbeit soll intensiviert werden, auch will man städtische Mitarbeiter und externe Dienstleister für das Thema noch stärker sensibilisieren.
Die Asiatische Tigermücke bleibt gleichfalls ein wichtiges Thema. Nach dem Erstfund im August 2024 ließ die Stadt ein Monitoring durchführen und setzte 2025 auf intensive Öffentlichkeitsarbeit, Tür-zu-Tür-Aktionen, Infostände, Materialausgaben sowie die Behandlung von Brutstätten. Die Tigermücke gilt zwar nicht als invasive Art, wird aber als potenzieller Gesundheitsschädling eingestuft, da sie unter bestimmten Bedingungen Krankheiten übertragen kann. Nach den Erkenntnissen des Fachdiensts Umwelt hat sich die Art bereits in mehreren Bereichen Walldorfs verbreitet. Deshalb sollen die Bekämpfungs- und Überwachungsmaßnahmen fortgesetzt und teils ausgeweitet werden.
Die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) breitet sich in versiegelten und warmen Siedlungsbereichen aus. In Walldorf sorgt sie vor allem auf dem Friedhof für Probleme, aber auch im Bereich des Tom-Tatze-Tierheims. Besonders problematisch sind ihre großen unterirdischen Kolonien, die in anderen Kommunen auch schon für Schäden an Gebäuden gesorgt haben – für den Bauhof hat sich die Bekämpfung mit Heißdampf als bislang wirkungsvollste Methode herausgestellt. Auf den Gräbern im Friedhof können die städtischen Mitarbeiter allerdings nicht tätig werden, hier müssen die Nutzungsberechtigten selbst gegen die Drüsenameisen vorgehen.
Der Götterbaum steht gleichfalls im Fokus, weil er sich stark ausbreiten und heimische Vegetation verdrängen kann. Zudem gilt er als robuste, im Stadtklima besonders konkurrenzfähige Art. Die Verwaltung sieht vor allem dort Handlungsbedarf, wo eine weitere Ausbreitung frühzeitig begrenzt werden kann.
Aus Sicht von Mathias Pütz (CDU) ist es besonders wichtig, „die Bevölkerung auf die Meldung der Vorkommen hin zu sensibilisieren und wesentliche Informationen im Umgang einzuschärfen sowie weitere Erkenntnisse zu gewinnen“. Für Petra Wahl (SPD) kann „eine wirksame Bekämpfung nur gelingen, wenn öffentliche und private Grundstückeigentümer zusammenarbeiten“. Paula Glogowski (FDP) begrüßte die Beschäftigung mit dem „komplexen Thema“. Wichtig sei, wie die Stadt sich strategisch aufstelle. „Wir finden dieses Management sehr gut“, sagte Wilfried Weisbrod (Bündnis 90/Die Grünen) zum bisherigen und künftig geplanten Vorgehen. „Einen sachlichen Umgang ohne Panikmache“ sah Mihriban Gönenç (Zusammen für Walldorf).