Große Drüsenameise

Tapinoma magnum in Walldorf

Bekämpfung der Ameisenart Tapinoma magnum – Die Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger ist dringend erforderlich!
Die aus dem Mittelmeerraum stammende Ameisenart Tapinoma magnum (Große Drüsenameise) breitet sich zunehmend aus – auch in Walldorf. Die Stadtverwaltung begleitet das Thema aufmerksam und befindet sich in der Ausarbeitung einer Bekämpfungsstrategie. Besonders im Bereich des Friedhofs kommt die Drüsenameise zahlreich vor. Eine Verbreitung in andere Bereiche Walldorfs soll unbedingt verhindert werden. Deshalb bittet die Stadt Walldorf die Bevölkerung aufmerksam zu bleiben und sich bei Verdachtsfällen bei der Stadtverwaltung zu melden.

FAQs

Natürlicherweise kommt Tapinoma magnum im westlichen Mittelmeerraum zwischen Tunesien und Südfrankreich vor. Außerhalb dieser Vorkommensgebiete entwickelt sich die Ameisenart zu einer Schädlingsart mit starken lokalen Auswirkungen.

Die Nester von Tapinoma magnum sind unterirdisch und oft sehr ausgedehnt. Man spricht daher von „Superkolonien“. Sie erstrecken sich bis zu einer Tiefe von einem Meter und über Flächen von mehreren Hektar. Pro Nest gibt es gleich mehrere Königinnen, die untereinander kooperieren. Im Normalfall bekämpfen sich verschiedene Ameisenvölker, nicht so in einer Superkolonie. Durch die Kooperation werden sehr hohe Populationen erreicht.
Teils kommt es zu starken Belästigungen in Gärten und Wohnungen. Einheimische Arten gelten als Gegenspieler von Tapinoma magnum, können aber durch den hohen Konkurrenzdruck verdrängt werden. Die Bauaktivitäten können zu Schäden an Infrastruktur wie Gehwegen, Gebäuden oder Elektronik (Sicherungskästen, Ampelanlagen) führen.

Checkliste
Zweifelsfrei lässt sich Tapinoma magnum nur durch Expertinnen und Experten bestimmen, jedoch gibt es einige Hinweise auf die Identität von Tapinoma magnum, die das Naturkundemuseum Stuttgart und Karlsruhe in einer Checkliste festgehalten haben.
Bitte informieren Sie auch die Stadtverwaltung bei einem Befall: umweltschutz@walldorf.de 

Zur Checkliste

Aussehen
Die Tapinoma magnum ist gleichmäßig schwarz gefärbt und 2 bis 4 Millimeter groß. Manche Arbeiterinnen unterscheiden sich in der Größe - im Gegensatz zu einheimischen Ameisenarten, bei denen keine solchen, extremen Größenunterschiede festzustellen sind. 

Eier und Puppen sind weiß und durchsichtig. Die Puppen bilden keinen Kokon. Daher lassen sich an älteren Puppen kleine Beine erkennen. 

Geruch
Beim Zerdrücken der Tiere wird ein fruchtig-chemischer Geruch verströmt, im Gegensatz zum sauer-beißenden Geruch der meisten einheimischen Arten. Viele Menschen erinnert der Geruch an Nagellackentferner. Für manche Menschen riechen die Ameisen eher wie ranzige Butter.

Bewegung und Verhalten
Tapinoma magnum bildet breite, mehrspurige Ameisenstraßen, auf denen mehrere Tiere nebeneinander mit gleichmäßig hoher Geschwindigkeit unterwegs sind.

Bei Störung am Nesteingang (z.B. durch Pusten in den Nesteingang) treten die Tiere in großer Zahl aggressiv aus dem Nest aus und umschwärmen in hoher Geschwindigkeit den Eingang in kreisendem Laufmuster.

Nester
Nester treten meist nicht isoliert, sondern gehäuft auf und sind meist direkt durch Ameisenstraßen verbunden – die Arbeiterinnen laufen somit immer zwischen zwei benachbarten Nesteingängen hin und her.

Die Tapinoma-Ameisen mögen es gerne warm, sonnig und trocken. Sie fühlen sich vor allem unter gepflasterten Flächen mit sandigem Untergrund, Schottergärten, kurzrasigen Flächen und Bodenabdeckungen wie Folien oder Unkrautfliese wohl.

Hohe Wiesen und Gärten mit lehmigen Böden, vielen Stauden und Sträuchern meidet Tapinoma magnum eher. Beim Anlegen von Grünflächen empfiehlt es sich eine gebietsheimische (autochthone) Samenmischung auszusähen, um dort eine höhere Vegetation entstehen zu lassen. Die Pflege ist dem Nährstoffgehalt des Bodens anzupassen (sandige Böden: eine Mahd Ende September; lehmige Böden: 1. Schnitt zwischen Mitte Juni und Mitte Juli & 2. Schnitt Ende September, jeweils mit einer Schnitthöhe von mind. 8 cm). Das Mahdgut am besten abräumen.

Für weitere Informationen, nutzen Sie gerne die Gartenberatung im Rathaus. Terminvereinbarung unter benedikt.seelbach@walldorf.de

Gartenberatung

Kontrollieren Sie neue Pflanzen auf Befall

Nehmen Sie Pflanzen, die Sie kaufen oder von der Grabstätte in Ihren Garten pflanzen möchten genau in Augenschein und kontrollieren Sie sie auf Ameisen. Es empfiehlt sich, den Wurzelballen zu kontrollieren, bevor man neue Pflanzen in den eigenen Garten pflanzt. 

Vorsicht beim Verschenken von Pflanzen

Wenn Sie in Ihrem Garten oder der Umgebung bereits Tapinoma-Ameisen gesehen haben, sollten Sie keine Pflanzen aus Ihrem Garten weitergeben, um die Ausbreitung der Ameise mit den Pflanzen zu verhindern.

Entfernen Sie Laub und Beikräuter an Wegesrändern

Wenn Sie Laub und Beikräuter an Wegesrändern entfernen, sehen Sie frühzeitig, wenn sich Tapinoma-Ameisen ansiedeln und Sie können die Ameisen frühzeitig bekämpfen und eine weitere Ausbreitung verhindern.

Entziehen Sie den Ameisen die Nahrung

Indem Sie es vermeiden, zucker- und proteinhaltige Lebensmittel zu kompostieren, können Sie den Ameisen eine ihrer Nahrungsquellen entziehen. Essensreste und auch Fallobst (im Befallsgebiet) in Gärten sollten entsorgt werden. Kaputte Mülltonnen sollten ersetzt werden und stark verschmutze Mülltonen gereinigt werden.

Auch die Bekämpfung von Blattläusen kann eine flankierende Maßnahme bei der Eindämmung von Tapinoma magnum sein, da sich die Art u. a. vom Honigtau, den süßen Ausscheidungen der Tiere, ernährt. Diese Maßnahme sollte aber nur bei Tapinoma-Befall stattfinden, da Blattläuse eine wichtige Schlüsselrolle im Ökosystem einnehmen. 

Vorsicht bei der Entsorgung von Grünschnitt

Untersuchen Sie Grünabfälle auf Ameisenbefall, bevor Sie ihn entsorgen. Oft halten die Tapinoma-Ameisen sich an den Wurzelballen von ausgegrabenen Pflanzen auf und werden durch die Entsorgung weiterverbreitet.

Auf gar keinen Fall dürfen daher Grünschnitt und Pflanzenreste aus dem Befallsgebiet in der Natur entsorgt werden.

Bevor eine Bekämpfung von Tapinoma magnum beginnt, muss zweifelsfrei festgestellt werden, dass es sich nicht um eine einheimische Ameisenart handelt. Bedenke: In Deutschland gibt es über 120 Ameisenarten und einige davon sind leicht mit Tapinoma-Ameisen verwechselbar, es sollten also immer mehrere Kriterien betrachtet werden (siehe Checkliste). 

Da es sich bei einheimischen Ameisenarten um natürliche Gegenspieler der Tapinoma magnum handelt, sollten sie so gut wie möglich geschont werden. Einheimische Arten können die Ausbreitung dieser problematischen Ameisenart zumindest verlangsamen. 

Darüber hinaus spielen Ameisen eine zentrale Rolle im Ökosystem. So beeinflussen sie Böden, Pflanzen und andere Tiere auf vielfältige Weise (Bodenverbesserung, Verbreitung von Samen, Zersetzung organischen Materials, Regulierung anderer Tierpopulationen, Symbiosen mit anderen Arten oder Beeinflussung der Artenvielfalt).

Üblicherweise werden zur Bekämpfung von Ameisen Kontaktinsektizide und Ködergele eingesetzt. Da Tapinoma magnum große, zusammenhängende Superkolonien ausbildet, sind diese Methoden alleine unwirksam. Bei allen Bekämpfungsmethoden gilt, dass diese regelmäßig wiederholt werden müssen, bis der Befall getilgt ist. 

Grundsätzlich gilt: Bekämpfungsmaßnahmen gegen superkolonie-bildende Ameisenarten können nur erfolgreich sein, wenn alle Grundstücksverantwortlichen hinsichtlich der Bekämpfung eng zusammenarbeiten. 

Heißwasser-Schaum-Verfahren

In der Regel wird eine Bekämpfung mit dem Heißwasser-Schaum-Verfahren empfohlen. Dabei wird Wasser zum Kochen gebracht und dem kochenden Wasser pflanzliche Inhaltsstoffe wie Kokosnussöl oder Maisstärke beigefügt. Der dadurch entstehende Schaumteppich verlangsamt das Abkühlen, wodurch die Hitze länger und intensiver wirkt. Die Methode kann zur direkten Bekämpfung in unterirdisch angelegten Erdnestern angewandt werden. Ein Freilegen der Nester direkt vor der Bekämpfung kann sinnvoll sein, doch sollte sichergestellt werden, dass die Königinnen keine Zeit haben den behandelten Bereich zu verlassen.

Den Anwohnern wird empfohlen Nester, die für eine professionelle Bekämpfung nicht zugänglich sind (z.B. Gärten), ebenfalls mit kochendem Wasser zu behandeln.

Um einen Bekämpfungserfolg zu erzielen, müssen die Nester mehrmals in kurzen zeitlichen Abständen (mehrmals täglich und ganzjährig) behandelt werden.

Nematoden

Eine Behandlung mit Nematoden (kleinen Fadenwürmern), die die Ameisen abtöten hat sich nach der Anwendung mit Heißwasser-Verfahren bewährt und sollte auch nur in Kombination stattfinden. Eine Behandlung des erkaltenden Bodens mit Nematoden soll die Regeneration der geschwächten Völker erschweren. Die einzusetzende Art der Fadenwürmer heißt Steinernema feltiae. 

Ködergele

Zuckerhaltige Ködergele, besonders beim Auftreten in Gebäuden, sollten als zusätzliche Bekämpfungsmethode verwendet werden. Hierbei handelt es sich um gelförmige Fraßköder, die einen insektiziden Wirkstoff enthalten. Dieser wird von Arbeiterinnen aufgenommen und an die Königinnen sowie die Larven verfüttert. Diese Methode wird gewählt, wenn die Lage der Nester nicht lokalisiert werden kann. Der Gelköder Advion Ameisengel wird von Tapinoma magnum Arbeiterinnen hervorragend angenommen.

Insektizide mit Langzeitwirkung

Um Ameisenstraßen und Teilkolonien unter der Fassade von Gebäuden oder in Mauerritzen zu bekämpfen, können flüssige oder staubförmige Insektizide mit Langzeitwirkung ausgebracht werden. Die Produkte sollten für den Einsatz im Außenbereich zugelassen sein.

Granulate

Gegen Ameisen zugelassene Granulate können direkt in die Ameisennester gestreut oder in Wasser aufgelöst und in die Nesteingänge gegossen werden. Derartige Ameisen Streu- und Gießmittel sind in der Regel in Baumärkten erhältlich. Die Granulate dürfen nicht in heißem oder kochendem Wasser aufgelöst werden, da die Wirkstoffe in der Folge ihre Wirkung verlieren. Beachten Sie immer die Gebrauchsanweisung!

Kieselgur

Als Alternative zu Insektiziden für einen giftfreien Einsatz im Innenraum können Präparate mit dem Wirkstoff „amorphes Siliziumdioxid“ hinter die Fassadenverschalung, an Eingangsbereiche oder in Hohlräume eingebracht werden. Sogenannte Kieselgur oder auch Diatomeenerde zerstört die äußere Körperhülle und führt zu einer Austrocknung der Tiere (auch Nicht-Zielorganismen).

Auch im Freiland kann die Anwendung von Kieselgur eine begleitende Maßnahme sein. Dabei sollte es nicht feucht werden. Die Verwendung empfiehlt sich daher in längeren Trockenphasen. 

Absaugen

Als flankierende Maßnahme kann das regelmäßige Absaugen mit Hilfe eines Nass-Staubsaugers von Arbeiterinnen erfolgreich sein. Die regelmäßige Entnahme von Arbeiterinnen hat zur Folge, dass die Königinnen und Larven nur noch unzureichend mit Nahrung versorgt werden, was zu einer Schwächung der Kolonie führt. In Kombination mit direkten Bekämpfungsmaßnahmen (siehe oben) wird eine stärkere Wirkung im Vergleich zu Maßnahmen ohne Reduzierung der Arbeiterinnen erzielt.

Umgestaltung von Grünflächen

Die Umgestaltung von Straßenbegleitgrün, Grünflächen, Brachen, Baumscheiben oder Gärten ist eine sehr wichtige, begleitende Maßnahme im Kampf gegen Tapinoma magnum. Je dichter die Vegetation eines Bereichs ist, desto ungeeigneter ist dieser Platz für die aus dem Mittelmeerraum stammende Ameisenart. 
Auf Flächen, die neu gepflastert werden sollen, sollten die Pflastersteine in möglichst groben Splitt verlegt werden. Je gröber das Substrat ist, desto schlechter kann Tapinoma magnum unter den Pflastersteine Erdnester anlegen.

Tapinoma magnum steht nicht auf der Unionsliste der EU invasiver gebietsfremder Arten. Daraus ergibt sich keine Melde- oder Bekämpfungspflicht!

Bei einem Befall auf dem privaten Grundstück kann durch das Eindringen in Gebäude das Wohlbefinden stark gestört werden. Bei weiteren Fragen und als Anlaufstelle rund um Tapinoma magnum melden Sie sich gerne beim Fachdienst Umwelt. 

Melden Sie verdächtige Exemplare:

Wenn Ihnen Ameisennester oder Ameisenstraßen in größerer Zahl auffallen, dann schreiben Sie und eine E-Mail mit der Adresse des Fundorts und mit mindestens einem Bild des Vorkommens an umweltschutz@walldorf.de oder nutzen Sie bei Antreffen von mehreren der obengenannten Kriterien das Meldeportal der Naturkundemuseen Karlsruhe und Stuttgart.

Ansprechpartner

Fachdienst Umwelt
06227/35-1234
umweltschutz@walldorf.de