12.08.2026, Startseite

Busters, Badestrand und Bon Jovi

Harmonieren prächtig: Joe Ibrahim (li.) und Stephan Keller beim #summersound-Konzert im AQWA. Foto: Stadt Walldorf

Abwechslungsreiches #summersound-Konzert von Joe Ibrahim und Stephan Keller

„Standardzugabe“, sagt Stephan Keller mit einem Schmunzeln. Joe Ibrahim gibt ihm recht: „Natürlich darf bei einem Cover-Gig dieser Song nicht fehlen.“ Die beiden Musiker stimmen als finale Zugabe „Angels“ an und die populäre Robbie-Williams-Nummer erzielt die gewünschte Wirkung. Dank der Steigerung im Songaufbau vom ruhigen Beginn zu immer kraftvolleren Tönen sowie dem emotionalen und leicht mitzusingenden Refrain geht das erfreulich zahlreiche Publikum beim #summersound-Konzert im AQWA gerne mit. Am Ende gibt es verdientermaßen viel Applaus.

Damit schließt sich eine Klammer, denn schon der Auftakt fällt in eine ähnliche Kategorie: Pink Floyds „Wish You Were Here“ hat zwar noch ein paar Jahrzehnte mehr auf dem Buckel, packt Musikfans aber ebenfalls gleich mit den ersten Tönen. Das akustische Gitarren-Intro ist markant und einprägsam, die Melodie schlicht, aber stark, die Atmosphäre mit den textlichen Themen rund um Verlust, Entfremdung und Abwesenheit unwiderstehlich. Ein schöner Start in den frühen Abend beim Konzert mit Blick auf den Badesee.

Wer jetzt aber denkt, Ibrahim (Gesang, Gitarre) und Keller (Piano, Gesang) würden zwischen den beiden Klassikern ein typisches Best-of-Programm herunternudeln, sieht sich schnell getäuscht. „Wir spielen heute Songs, die vor allem mich musikalisch geprägt haben“, sagt Joe Ibrahim. Der deutlich Jüngere der beiden hat sich mit den Punkbands „Sinus“ und „Megaton“ in der Region einen Namen gemacht, ehe er 2017 zur Wieslocher Ska-Institution „The Busters“ gestoßen ist. Dort bedient Stephan Keller als Urgestein der hiesigen Musikszene schon seit den Anfängen 1987 die Keyboards und die Zuhörer merken schnell, dass die beiden nicht das erste Mal zusammenspielen. Sie harmonieren auch mit einem komplett anderen Repertoire – weder Ska noch der erwähnte Punk – prächtig.

Joe Ibrahim spricht von einem „bunten Set für Jung und Alt und alle dazwischen“. Zu hören gibt es vor allem viel Musik aus den neunziger Jahren: Der Alternative Rock der Red Hot Chili Peppers funktioniert bei „Dani California“ auch in der auf zwei Instrumente abgespeckten Fassung, schon jetzt wird mitgewippt, im Takt genickt und sogar dezent getanzt. „Große Heroes“ nennt Ibrahim später die Band, die Songs habe er so sehr verinnerlicht, „da hätte ich früher problemlos als Gitarrist einspringen können“. Prompt erntet er für einen kurzen Verspieler bei den ersten Takten von „Under the Bridge“ den freundlichen Spott des Kollegen. Und noch mal „absolute Heroes für mich“, jetzt mit dem Post-Grunge der Foo Fighters und ihrem Song „Wheels“. Oder Britpop von Oasis, die mit „Don’t Look Back in Anger“ und „Wonderwall“ gleich zweimal auf der Setlist vertreten sind.

Das Publikum sitzt auf Camping- und Klappstühlen oder hat es sich mit Decken auf der Liegewiese gegenüber dem Bouleplatz bequem gemacht, den obligatorischen Picknickkorb inklusive. Manche Badbesucher laufen ungerührt vorbei – offensichtlich ist die Abkühlung wichtiger –, andere bleiben neugierig stehen, lauschen und lassen sich von den Musikern unterhalten. Stücke wie „Radioactive“ (Imagine Dragons), das rockig-hymnische „Boulevard of Broken Dreams“ (Green Day) oder „Teenage Dirtbag“ (Wheatus) passen ins Schema und kommen gut an. Dazwischen gibt es aber auch mal Deutschsprachiges wie „Ein Kompliment“ (Sportfreunde Stiller) oder – „sehr passend für einen Badestrand“ – die Ärzte-Nummer „Westerland“, bei der viele gut gelaunt mitsingen. Auch spielende Kinder können das Duo nicht irritieren, den Fußball, der sich Richtung „Bühne“ verirrt, kickt Joe Ibrahim lässig zurück, ohne den musikalischen Vortrag zu unterbrechen. Erst beim spontanen Szenenapplaus für die Aktion muss er dann doch selbst lachen.

Den einen oder anderen größeren Hit haben die beiden natürlich auch im Programm, ob leicht Reggae-Lastiges mit „Walking on the Moon“ und „Message in a Bottle“ (Police) oder Rockiges wie „Summer of 69“ (Bryan Adams). Und dann outet sich Joe Ibrahim überraschend als Fan von John Bon Jovi. „Der Künstler, bei dem alles mit mir losging“, meint er, auch wenn darüber „oft gelacht“ werde. „Ohne ihn würde ich hier nicht Gitarre spielen.“ Dabei muss einem eine Nummer wie „Wanted Dead or Alive“ überhaupt nicht peinlich sein, wurden Bon Jovi doch erst bei den auf ihren großen Durchbruch mit „Slippery When Wet“ folgenden Alben vom Kommerz absorbiert. „Vielen, vielen Dank für den schönen Abend“, sagt der Sänger nach dem Ende des offiziellen Sets mit einer schmissigen Version von „Don’t Stop Believin‘“ (Journey), der nach lautstarker Aufforderung noch zwei Zugaben folgen. Am Ende fehlt vielleicht nur eins: Ein „Busters“-Song hätte gut zur stimmungsvollen Atmosphäre gepasst.

Info: #summersound-Konzerte im AQWA mit Tara am Mittwoch, 12. August, und mit „Miss Coco und ihr Richter“ am Dienstag, 18. August, jeweils 18 bis circa 20 Uhr.

(Armin Rößler)