11.10.2026, Startseite

Die Farbfinder zeigen ihre Kunst

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher zeigten sich bei der Vernissage zur Jahresausstellung der Kikusch begeistert von den Werken der jungen Künstler. Foto: Stadt Walldorf

Vernissage zur Jahresausstellung der Kikusch in der Alten Apotheke und ehemaligen Synagoge

Natürlich sind es zuerst die monumentaleren Werke, die die Blicke unweigerlich auf sich ziehen: so das fast wandgroße Bild in der Alten Apotheke, ein Gemeinschaftswerk von Kreativwerkstatt und Jugendatelier, mit aus wildem Wein gewonnenen Farben und Zusätzen wie Eisengallustinte oder Zitronensäure gemalt, das in seiner Vielschichtigkeit mit jedem Hinschauen neue Facetten offenbart. Oder der riesige Drache, der in der ehemaligen Synagoge über den Köpfen der zahlreichen Besucherinnen und Besucher der Vernissage „Farbfinder“ der Kinder- und Jugendkunstschule Kikusch schwebt, zum Glück aber kein Feuer spuckt. Daneben gibt es in der Ausstellung in den beiden kleinen, aber feinen Walldorfer Galerien aber noch viel, viel mehr zu entdecken: kleinformatige und größere Bilder, Stickereien und aus Naturmaterialien Gebasteltes. Experimente der namensgebenden Farbfinder im Färbergarten mit Tinte aus Indigo, Saflor, Schmetterlingserbsenblüten, Geranien und Heidelbeersaft. Oder die „Pflanzliches“ getauften Ergebnisse eines Häkelworkshops für Kinder ab acht Jahren. Die Vielfalt ist groß, die Anerkennung der Gäste auch, denn sie bekommen eine Menge Sehenswertes geboten.

Für die ehrenamtliche Bürgermeister-Stellvertreterin Katrin Siebold zeigt die Ausstellung vor allem, „mit wie viel Neugier, Fantasie und Begeisterung Kinder und Jugendliche an die Welt herangehen, wenn man ihnen Raum zum Entdecken gibt“. Sie überbringt herzliche Grüße von Bürgermeister Matthias Renschler und hebt das mit Landesmitteln geförderte Projekt „Farbfinder“ der Kikusch als etwas ganz Besonderes hervor: „Hier wird nicht einfach nur gemalt. Hier werden Farben in der Natur gesucht, Pflanzen kennengelernt, Materialien ausprobiert und Farben sogar selbst hergestellt. Dabei entstehen nicht nur Bilder, sondern auch Erfahrungen, Wissen und ganz neue Blickwinkel“, sagt Katrin Siebold. Möglich werde das im Färbergarten, in dem, auch dank der Unterstützung der Stadt Walldorf, die Kinder „forschen, gestalten und die Natur mit allen Sinnen erleben können“, vor allem aber aus pflanzlichen Materialien eigene Farben herstellen und mit ihnen künstlerisch tätig werden. Der Färbergarten sei „ein Kreativort“, aber auch „ein Ort der Gemeinschaft“, erklärt die Bürgermeister-Stellvertreterin.

Katrin Siebold erinnert dankend an die Beiträge der Kikusch zum Jubiläum „125 Jahre Stadtrechte“: an die beiden Bronzereliefs, die in die Säule vor der Sparkasse eingefügt wurden, und an die Herstellung der historischen Eisengallustinte, die vermutlich auch von Großherzog Friedrich I. beim Unterzeichnen der Stadtrechte-Urkunde im Jahr 1901 verwendet worden sei. Sie dankt allen, die diese Projekte und die Ausstellung möglich gemacht haben: der Kikusch, ihrer Leiterin Elisabeth Kamps, den Kunstpädagoginnen und -pädagogen, allen Mitwirkenden, Unterstützerinnen und Unterstützern und ganz besonders den Kindern und Jugendlichen selbst. „ihr zeigt mit dieser Ausstellung, wie spannend es ist, genau hinzusehen, Fragen zu stellen und aus ganz einfachen Dingen etwas Besonderes zu machen. Darauf könnt ihr wirklich stolz sein“, sagt Katrin Siebold und wünscht allen Besuchern „schöne Gespräche und eine inspirierende Vernissage“.

Dr. Anna Gisbertz, die Leiterin der Volkshochschule Südliche Bergstraße, unter deren Dach die Kikusch angesiedelt ist, freut sich, dass die Kinder- und Jugendkunstschule so aktiv ist. Sie dankt für die Unterstützung der Stadt Walldorf und Kikusch-Leiterin Elisabeth Kamps und ihrem Team für die großartige Arbeit. „Kunst lebt vor allem vom Prozess des Werdens, nicht nur von den Ergebnissen“, sagt sie. Es sei „ein gutes Gefühl, etwas gestaltet zu haben“. In der Kikusch „können alle mitgestalten“, sagt Dr. Gisbertz.

„Wir haben hier sehr viele experimentelle Dinge“, erläutert Elisabeth Kamps zur aus ihrer Sicht „ein bisschen andere Ausstellung“. Das sei das Prinzip des Färbergartens: „Es ist spannend auszuprobieren, wie man verschiedene Dinge mischt“ und wie dabei die unterschiedlichsten Farben entstünden. Den am Projekt Farbfinder beteiligten Kindern sei „der größte Dank zu sagen, jeden Donnerstag wurde viel gemacht“. Jedes Kind habe im Färbergarten für sich seine eigene Pflanze gefunden, seine eigenen Vorlieben entdeckt und umgesetzt. Elisabeth Kamps hebt die Landesförderung hervor, ohne die das Projekt nicht möglich gewesen wäre. Und sie dankt ebenfalls der Stadt für das Grundstück, auf dem vor bald drei Jahren der Färbergarten entstanden ist, und den dort aufgestellten Bauwagen, in dem geforscht werden könne, aber beispielsweise auch für die regelmäßige Versorgung mit Wasser. „Diesen Sommer war es eine große Herausforderung, die Pflanzen nicht vertrocknen zu lassen“, sagt sie. Die Kikusch-Leiterin spricht auch die Mitmachaktionen an, in denen alle Besucher während der Öffnungszeiten der Ausstellung selbst Tinten und Farben herstellen können. „Schauen Sie sich um“, lädt sie zum Entdecken ein. Vielleicht bleibt der Blick dann bei den Experimenten mit Eitempera und Pigmenten hängen. Oder bei den geflochtenen Nestern aus Weiden. Oder …

Info: Jahresausstellung „Farbfinder“ der Kikusch in der Alten Apotheke und ehemaligen Synagoge bis 25. Oktober samstags und sonntags jeweils von 13 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.