25.02.2026, Startseite

„Die Sonne gar nicht erst ins Haus lassen“

Erst organisatorische und bauliche Maßnahmen, wenn unumgänglich auch technische Lösungen – darauf hat sich der Gemeinderat beim Hitzeschutz in öffentlichen Gebäuden verständigt. Foto: Stadt Walldorf

Gemeinderat fällt Beschlüsse zur Hitzeproblematik in städtischen Einrichtungen 

Mit einer ganzen Reihe von Beschlüssen hat der Gemeinderat auf die Hitzeproblematik reagiert, die vor allem im vergangenen Sommer in städtischen Einrichtungen aufgetreten war, sich aber auch langfristig verschärfen kann. Die FDP-Fraktion hatte mit einem Antrag auf eine Grundsatzdebatte zur Klimatisierung städtischer Gebäude den Stein ins Rollen gebracht, Beratungen im Gemeinderat und im Ausschuss für Technik, Umwelt, Planung und Verkehr schlossen sich an. Jetzt stellte das Stadtbauamt mit einer ausführlichen Sitzungsvorlage den aktuellen Sachstand, die notwendigen Schritte und die daraus folgenden möglichen Maßnahmen vor. Alle Beschlüsse fielen einstimmig. Dabei war sich das Gremium einig, dass man sich technischen Maßnahmen nicht verschließen wird, eine technische Kühlung aber erst dann ins Auge gefasst werden soll, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgereizt sind.

„Wir müssen mehrgleisig fahren“, sagte Stadtbaumeister Andreas Tisch mit Blick auf die Temperaturen an Hitzetagen in öffentlichen Gebäuden, und hier ganz besonders in den Betreuungseinrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen und Altenpflegeeinrichtungen. Dabei gehe es vor allem um die sogenannten vulnerablen Gruppen, also Personen mit erhöhtem gesundheitlichen Schutzbedarf wie Kinder und Senioren, aber auch um den Arbeitsschutz für die Beschäftigten. Zunächst müsse man den Bestand aufnehmen, die von hohen Temperaturen betroffenen Räume identifizieren und Messungen durchführen. „Messen ist ein Zyklus“, sagte Tisch, deshalb müsse man getroffene Maßnahmen in den Folgejahren auch überprüfen.

Erste Maßnahmen sollen laut dem Stadtbaumeister immer organisatorischer Natur sein. Dabei geht es zunächst um allgemeine Empfehlungen zum Hitzeschutz wie beispielsweise Hinweise auf angepasste Kleidung, ausreichende Trinkmengen oder Möglichkeiten der Abkühlung, wie es sie auch in den vergangenen Sommern schon gegeben hat, um die Nutzung kühlerer Räume, wo immer das möglich ist, und um die Nachtlüftung, mit der Innenraumtemperaturen effektiv gesenkt werden können. Mit baulichen Maßnahmen will man laut Tisch „die Sonne gar nicht erst ins Haus lassen“. Dazu zählen unter anderem die Dämmung der Gebäude, der außenliegende Sonnenschutz oder eine zusätzliche Verschattung durch Bäume. 

Was technische Maßnahmen angeht, seien einerseits mechanische Ventilatoren hilfreich, wie sie in den letzten Jahren im Hauptgebäude des Schulzentrums installiert wurden, dort weiter eingebaut und auch für andere Einrichtungen geprüft werden sollen. Eine aktive Kühlung habe man bisher nur in Neubauten wie im Kinderhaus Gewann Hof, wo die Fußbodenheizung im Sommer zur Kühlung genutzt werden kann – ähnlich sei das auch im neuen Pflegeheim vorgesehen. Die von der FDP in ihrem Antrag formulierte „Klimatisierung“ werde schon aus finanziellen und ökologischen Gründen nicht in allen Einrichtungen machbar sein, so der Stadtbaumeister. Müsse man sie in besonders heißen Räumen dann aber doch in Betracht ziehen, werde es nicht um eine Kühlung auf niedrige Raumtemperaturen gehen, sondern um das Ziel, „die Temperaturspitzen zu kappen“.

„Technische Maßnahmen sind das äußerste Mittel“, sagte Mathias Pütz für die CDU. Diese wären aus seiner Sicht beispielsweise dann angemessen, wenn man damit eine hitzebedingte Schließung von Räumen oder Einrichtungen verhindern könne. Seine Fraktion begrüße den Antrag der FDP und das von der Verwaltung vorgeschlagene schrittweise Vorgehen. „Wir sind uns der Komplexität der Materie bewusst“, erklärte Pütz. „Es muss etwas getan werden“, machte Dr. Andrea Schröder-Ritzrau (SPD) deutlich, die Stadt müsse auch als Arbeitgeber handeln. Die Nachtauskühlung von 4 bis 6 Uhr morgens könne durch eine „Notfalleingreifgruppe der Hausmeister“ erfolgen, die dafür aber entsprechende Zuschläge erhalten müssten. Zwar passiere schon heute viel in den Einrichtungen, so Schröder-Ritzrau weiter, aber gerade das Monitoring der Maßnahmen sei noch nicht zur Routine geworden. Und: „Der Fokus muss auf präventivem Hitzeschutz liegen.“

Der Antrag der FDP, so Paula Glogowski, sei zwar aus der konkreten Situation des vergangenen Sommers entstanden, die Probleme gebe es aber schon Jahren. „Das sind reale Hitzebrennpunkte, die ernst genommen werden müssen.“ Die Stadt müsse überall dort handeln, wo regelmäßig Werte über 30 Grad gemessen werden, dabei gehe es nicht nur um den Schutz der vulnerablen Gruppen, sondern auch um „gesundheitlich vertretbare Arbeitsbedingungen“ für die Beschäftigten. „Technische Lösungen dürfen nicht ausgeschlossen werden“, sagte Glogowski – auch wenn man sich der klimapolitischen Dimension bewusst sei, gehe es immer um die Abwägung. Maximilian Himberger (Bündnis 90/Die Grünen) dankte zunächst für den Konsens im Rat, dass der menschgemachte Klimawandel real sei und man etwas tun müsse, um ihm entgegenzuwirken. Die Stadt trage eine hohe Verantwortung für die städtischen Gebäude und die Menschen, die sich darin aufhalten. Deshalb begrüßte er das geplante Vorgehen. Technische Maßnahmen sehe seine Fraktion als letzten Schritt für besonders betroffene Räume. „Komplett verschließen werden wir uns nicht, aber wir bauen auf ein gutes Konzept mit sinnvollen Alternativen“, sagte Himberger.