25.02.2026, Startseite

Ein Leben wird zum Roman

Erika Pattis liest in der gute gefüllten Stadtbücherei aus ihrem Buch "Jenseits der Tränen". Foto: Stadt Walldorf

Bewegende Geschichte über Leid, Stärke und Lebensmut

Kann man glücklich sein, auch wenn man ein schweres Leben hatte? Wer das Buch „Jenseits der Tränen“ der Autorin Erika Pattis gelesen hat, kommt zum Schluss: Ja, das ist möglich. Und das war auch die Intention von Susanne Schwarz, deren Biografie als roter Faden für die Handlung des Buches dient. „Ich wollte schon immer ein Buch über mein Leben schreiben und dabei das Gefühl rüberbringen: Auch wenn einem Schlechtes widerfahren ist, kann man glücklich sein“, so Schwarz. Und das Gefühl vermittelt sie auch bei der Lesung in der Stadtbücherei, bei der Pattis das Buch vorstellt. Die Autorin ist dafür aus ihrer Heimat Südtirol angereist, Susanne Schwarz aus der Türkei, wo die ehemalige Mitarbeiterin der Stadt inzwischen ihren Lebensmittelpunkt hat. 

Erika Pattis selbst sagt, dass sie schon in der Schulzeit ein Buch schreiben wollte. Beruflich habe sie aber einen ganz anderen Weg eingeschlagen und sich zur Maschinenbaumechanikerin ausbilden lassen. „Jenseits der Tränen“ ist ihr Debütroman. „Es war ein langer Weg zum Buch“, sagen beide über den gegenseitigen Austausch und den Schreibprozess. „Jetzt sind wir Freunde geworden“, sagt Susanne Schwarz, als sie auf der Bühne neben der Autorin steht, und freut sich darüber, dass „viele für mich wichtige Menschen heute da sind“. 

Die Stadtbücherei ist zur Lesung gut gefüllt, auch Bürgermeister Matthias Renschler und viele ehemalige Kolleginnen und Kollegen von Susanne Schwarz sind unter den Gästen. Stadtbüchereileiterin Barbara Grabl verspricht dem Publikum zu Beginn der Lesung einen „besonderen Abend“. Das gilt auch für Erika Pattis und Susanne Schwarz: In der Walldorfer Stadtbücherei begegnen sie sich zum ersten Mal persönlich. „Ich habe über ein Facebook-Forum nach Autoren für meine Lebensgeschichte gesucht“, erzählte Susanne Schwarz über die Kontaktaufnahme im Jahr 2020. Erika Pattis sei die zweite Person gewesen, die sich bei ihr gemeldet habe. Über Text- und Sprachnachrichten sowie Telefonate hätten sich die beiden dann ausgetauscht. „Ich habe mich auf das Abenteuer eigelassen“, sagt Pattis über die Entstehung ihres ersten Buches, das im März 2025 erschienen ist. 

„Es war ein Herzensprojekt“, sagt Susanne Schwarz, die Pattis als „eine wirklich besondere Frau“ beschreibt. Die Autorin liest einige Passagen aus der ersten Episode des Buchs, das die schwierige Kindheit der Protagonistin, die Anne heißt, beschreibt. Da ist vor allem die strenge Mutter, die sich so sehr einen Jungen wünscht, aber stattdessen ein Mädchen bekommt. Und ihre Enttäuschung darüber Anne fast täglich spüren lässt. Die weiteren Episoden, die Annes Leben nacherzählen, bis zu dem Punkt, an dem sie selbst dreifache Mutter ist, beinhalten unter anderem sexuellen Missbrauch sowie verbale und körperliche Gewalt. Dr. Julia Ganterer, die auf dem Gebiet der geschlechtsspezifischen Gewalt forscht, ordnet die im Buch vorkommenden Themen ein. Aus dem Nachwort liest Erika Pattis ebenfalls einige Zeilen vor. 

Pattis‘ Ehemann Dietmar Elsler begleitet die Lesung musikalisch, mit verschiedenen Instrumenten wie einer slowakischen Hirtenflöte, einer Zungentrommel und einer Kalimba. „Ich habe das Buch sehr oft gelesen und mit meiner Frau darüber gesprochen“, gibt Elsler Einblicke in seine Motivation, die Lesung nicht einfach nur musikalisch zu untermalen, sondern zu vertonen. 

Info: Erika Pattis: Jenseits der Tränen, Edition Raetia, 2025, 210 Seiten, 20 Euro, ISBN: 978-8872839515.