23.10.2026, Startseite

Ein Stück Seife als Marshallplan

Das Unternehmertreffen der Stadt war beim Mietwäsche-Service Schäfer zu Gast. Foto: Stadt Walldorf

Unternehmertreffen der Stadt beim Mietwäsche-Service Schäfer

Der 3. Oktober 2023 war ein Tag, „den bei uns so schnell niemand vergessen wird“. Das sagt Beate Schäfer, eine der drei Geschäftsführerinnen des Mietwäsche-Service Schäfer, als sie den rund 60 Gästen den Gastgeberbetrieb des jüngsten Unternehmertreffens der Stadt vorstellt. Ein Großbrand zerstörte damals die Halle und den Maschinenpark, „alles, was wir aufgebaut hatten, war innerhalb kürzester Zeit nicht mehr nutzbar“. Für ihre Schwestern Claudia Müller und Karla Schäfer sowie für sie selbst sei trotz des Unglücks die Frage: „Wie soll es weitergehen?“, schnell beantwortet gewesen: „Es ging um die Existenz des Unternehmens, um die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und um die Versorgung unserer Kunden.“

Das Unternehmen stellt Betrieben aus Hotellerie und Gastronomie Bett-, Tisch- und Küchenwäsche zur Verfügung, vermietet daneben auch Berufskleidung für Handwerk, Industrie, Medizin und Pflege. Das alles wird am Firmensitz in Walldorf nach der jeweiligen Verwendung gewaschen, getrocknet, gebügelt und gefaltet, ehe es wieder zurück an den Einsatzort geht: Der Mietwäsche-Service hat rund 700 Kunden in einem Umkreis von etwa hundert Kilometern, also zwischen Stuttgart und Frankfurt. „Nur drei Tage nach dem Brand konnten die Kunden wieder versorgt werden“, blickt Beate Schäfer zurück. Auch eine Übergangslösung mit einer leer stehenden Halle im Industriegebiet war schnell gefunden. Der Neubau der eigenen Wäscherei-Halle und die Sanierung des vom Feuer glücklicherweise weitgehend verschonten Bürogebäudes gingen allerdings nicht ganz so schnell über die Bühne: Es dauerte gut zweieinhalb Jahre, bis im April 2026 die Rückkehr gefeiert werden konnte.

Bewusst hatte man sich als Walldorfer Unternehmen für den Wiederaufbau am alten Standort in der Industriestraße 39b entschieden. „Das war ein unheimlich bewegender Moment“, sagt Beate Schäfer über den Einzug in die neuen Räume und freut sich vor allem über den „Beweis, dass wir es gemeinsam geschafft haben“ – Geschäftsführung, Belegschaft und Kunden. Das habe von allen „eine ordentliche Portion Mumm“ abverlangt. Deshalb ziert die Arbeitskleidung neuerdings auch die Aufschrift „Team MaxiMumm“. „Ein Unternehmen lebt von Menschen, die sich aufeinander verlassen können“, meint Beate Schäfer – gemeinsam habe man aus dem schweren Rückschlag die Kraft gezogen, den Betrieb neu aufzubauen. Ihr Dankeschön gilt der Stadt Walldorf, vor allem Bürgermeister Matthias Renschler, der Wirtschaftsförderung und dem Stadtbauamt, die „vom Abriss bis zum Wiederaufbau hinter uns standen“, eine Unterstützung, die bei Weitem nicht selbstverständlich sei.

Begonnen hat Beate Schäfer ihre Vorstellung des Unternehmens mit einem Blick in die Historie: 1931 habe Hermann Schäfer eine kleine Dampfwaschanstalt in der Heidelberger Straße gekauft. Als nach dem Zweiten Weltkrieg auch die amerikanischen Offiziere ihre Kleider bei ihm waschen lassen wollten, habe er vor dem Problem gestanden, dass er zwar noch seine Maschinen, aber keine Seife mehr hatte. Die Amerikaner hätten ihm ein sehr großes Stück gegeben, mehr als er für ihre Uniformen brauchte. Die Reste nutzte er für andere Aufträge: „Damit konnte er seinen Wäschedienst wieder anbieten“ spricht Beate Schäfer vom „Stück Seife als Marshallplan“ für den Betrieb, quasi die inoffizielle Variante zum historischen Wirtschaftsförderungsprogramm der USA zum Wiederaufbau Europas nach dem Krieg. Später führten die Brüder Hans und Horst Schäfer das Unternehmen, das sich nach dem Siegeszug der Hauswaschmaschine als Mietwäsche-Service neu erfunden habe. 1989 zog man an den heutigen Standort, „seit 1994 liegt die Verantwortung bei uns drei Schwestern“.

„Vielen Dank an Familie Schäfer, dass wir hier sein dürfen“, sagt Bürgermeister Matthias Renschler in seiner Begrüßung. Er wünscht allen Anwesenden viel Vergnügen und einen guten Austausch untereinander. Hanni Derr, die neue Leiterin des Fachbereichs Zentrale Verwaltung, nutzt die Gelegenheit, sich in dieser Runde vorzustellen. Und Wirtschaftsförderin Susanne Nisius bleibt neben organisatorischen Hinweisen die vornehme Aufgabe, das vom Küchenservice Feil angebotene Büfett für eröffnet zu erklären. Dass im Familienunternehmen die nächste Generation schon bereitsteht, beweist Moritz Schäfer, der die Führungen durch die eindrucksvolle Betriebshalle mit dem großen Maschinenpark übernimmt.