24.06.2026, Startseite

Eisengallustinte, Färberginster und vieles mehr

Die Kkiusch feierte im Färbergarten: (v.li.) Leiterin Elisabeth Kamps, Farbfinder Emil, Kunstpädagogin Riccarda Lukscha und Bürgermeister Matthias Renschler. Foto: Stadt Walldorf

Im Färbergarten der Kikusch läuft das Projekt Farbfinder

Als Großherzog Friedrich I. von Baden Walldorf am 2. September 1901 offiziell die Stadtrechte verlieh, hat er die Urkunde aller Wahrscheinlichkeit nach mit sogenannter Eisengallustinte unterschrieben. Dabei handelt es sich um eine traditionelle, extrem haltbare Tinte, die seit vielen Jahrhunderten für Urkunden und Kalligraphie verwendet wird. Sie ist tiefschwarz, absolut wasserfest und dokumentenecht. Genau diese historische Tinte haben die Kinder im Projekt Farbfinder im Färbergarten der Kinder- und Jugendkunstschule Kikusch hergestellt. „Dafür muss man Galläpfel von Eichenblättern sammeln“, erläutert Kikusch-Leiterin Elisabeth Kamps Bürgermeister Matthias Renschler, der zum Färbergartenfest zu Besuch gekommen ist. 

Der Färbergarten, in Nachbarschaft zum Waldkindergarten der Zipfelmützen im Gewann Hof gelegen, feiert mit dem Fest seinen zweiten Geburtstag. Er sei „ein gutes Beispiel, dass eine öffentliche Verwaltung schnell arbeiten kann“, sagt der Bürgermeister mit einem Schmunzeln. Denn die Stadt hatte der Kikusch nicht nur bei der Suche nach einer passenden Fläche unter die Arme gegriffen, sondern über das Stadtbauamt und den Bauhof auch tatkräftige Unterstützung bei der Umsetzung der Pläne beigesteuert. „Inzwischen wachsen hier viele Färberpflanzen“, freut sich Elisabeth Kamps über den Garten, der aus der einstigen „Dornenwildnis“ entstanden ist. „Und die Lage ist toll.“ Dafür dankt sie der Stadt und allen Beteiligten ausdrücklich.

Der Färbergarten steht nach ihren Worten vielen Gruppen offen, es gibt Kooperationen mit Wald- und Sambuga-Schule sowie dem benachbarten Waldkindergarten. Die Farbfinder, unterstützt von der Stiftung Kinderland Baden-Württemberg, treffen sich seit April wöchentlich für drei Stunden im Färbergarten, um in einem offenen Atelier Natur und Tiere zu erforschen, Pflanzen zu ernten und die unterschiedlichsten Farben herzustellen und auszuprobieren. Emil, acht Jahre alt, ist eins der 22 Kinder, die am Projekt teilnehmen. Er zeigt seinen „Pflanzenfächer“, der die unterschiedlichen Farben dokumentiert, und einige der damit gemalten Bilder. Der Färberginster sei seine Patenpflanze gewesen, um die er sich kümmern durfte und mit der er dann in strahlendem Gelb gemalt hat. „Das Blütenhämmern finde ich spannend“, sagt er und führt es zusammen mit anderen Kindern vor.

Auch sonst ist beim Fest für Abwechslung und Unterhaltung gesorgt. Die Kunstpädagoginnen Riccarda Luksza und Ingeborg Weidner zeigen die vielen Facetten des Färbergartens, Naturpädagoge Roland Schleihauf fertigt Seile aus Brennnesseln und die Eltern der Kinder haben Kuchen und andere Leckereien fürs große Büfett mitgebracht. Elisabeth Kamps macht schon mal neugierig auf die große Kikusch-Ausstellung, die ab 7. Oktober in der Alten Apotheke mit einem Schwerpunkt auf das Projekt Farbfinder zu sehen sein wird. „Und 2027 haben wir 40-jähriges Bestehen“, gibt es bei der Kikusch schon bald wieder einen Anlass zu feiern.