21.04.2026, Kultur & Freizeit

Grundwassersanierung lässt Fragen offen

Maßnahmen stehen auf dem Prüfstand

Der Gemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit der seit Jahrzehnten laufenden Grundwassersanierung beschäftigt. Hintergrund sind Verunreinigungen durch leichtflüchtige Chlorkohlenwasserstoffe (LCKW), die auf zwei ehemalige Industriestandorte zurückgehen, sich im Untergrund zu zwei sogenannten „Fahnen“ ausgebreitet haben und heute über rund 1,1 Kilometer Länge erstrecken. Erste Sanierungsmaßnahmen gab es bereits in den 1980er Jahren, die aufwendige Reinigung des Grundwassersystems läuft seit 2001. Seither sind die meisten Werte deutlich gesunken.

Ende 2024 war der Vertrag mit dem damit beauftragten Büro ausgelaufen, an dem verwaltungsintern aus verschiedenen Gründen Kritik aufgekommen war. Um die Wirksamkeit und Angemessenheit der Maßnahmen sowie die Vorgaben des Wasserrechtsamts zu überprüfen, hatte die Stadt im Anschluss ein unabhängiges Gutachterbüro für eine Verhältnismäßigkeitsprüfung eingeschaltet. Es empfiehlt im vorläufigen Bericht unter anderem, Sanierungsziele und Effizienz der bisherigen Maßnahmen grundlegend zu überprüfen. Da allerdings der Abschlussbericht der Gutachter noch nicht vorliegt, wurde jetzt beschlossen, das bisher mit der Sanierung betraute Büro fürs laufende Jahr übergangsweise erneut zu beauftragen. Diese Entscheidung für eine Auftragssumme von rund 83.000 Euro fiel bei sechs Enthaltungen der SPD-Fraktion und von Zusammen für Walldorf. Eine endgültige Bewertung der Maßnahmen wird im zweiten Halbjahr erwartet. Dann soll auch entschieden werden, ob die Sanierung reduziert, angepasst oder möglicherweise neu ausgerichtet wird.

Dr. Andrea Schröder-Ritzrau (SPD) begründete die Enthaltung ihrer Fraktion damit, man habe derzeit „keine valide Grundlage“ für einen Beschluss, da die Verhältnismäßigkeitsprüfung noch nicht abgeschlossen sei. Positiv sei, dass mit den Maßnahmen der vergangenen 25 Jahre die Belastung an vielen der Grundwassermessstellen auf das Sanierungsziel oder „Geringfügigkeitslevel“ reduziert worden sei. „Leider sind nicht alle Werte so weit gesunken“, bestehe laut dem beauftragten Büro weiter Handlungsbedarf. Mathias Pütz (CDU) monierte, dass entgegen der üblichen Gepflogenheiten die SPD die anderen Fraktionen nicht vorab darüber informiert hatte, dass es eine Stellungnahme zum Thema geben werde. Für Maximilian Himberger (Bündnis 90/Die Grünen) war wichtig, „dass das Grundwasser saniert wird“ und der Prozess transparent sei. Deshalb sei das zusätzliche Gutachten „gut“. Paula Glogowski (FDP) sah im Beschluss „eine Übergangslösung“, bis alle Grenzwerte überprüft seien.