11.08.2026, Startseite
Investitionen in die Zukunft
Innowerft-Geschäftsführer Dr. Thomas Lindner (re.) und Prokuristin Inga-Marit Nölle stellten im Gemeinderat den Jahresabschluss vor. Das Bild zeigt sie bei der Feier zum 15. Geburtstag der Innowerft gemeinsam mit Bürgermeister Matthias Renschler (2.v.re.) und Sebastian Behrendt (li.), der die SAP in der Gesellschafterversammlung vertritt. Foto: Stadt Walldorf
Gemeinderat: Jahresabschluss der Innowerft und erneute Kapitalzuführung
Der Gemeinderat hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit dem Jahresabschluss der Innowerft beschäftigt. Das Gremium beschloss einstimmig, den Bürgermeister als Vertreter der Stadt damit zu beauftragen, in der Gesellschafterversammlung den Abschluss mit einem Fehlbetrag von rund 660.000 Euro festzustellen und den Geschäftsführer für das Jahr 2025 zu entlasten. „Der Jahresabschluss ist vom Wirtschaftsprüfer geprüft“, hatte Kämmerer Boris Maier für die Verwaltung die Beschlussvorschläge formuliert.
Außerdem wurde bei einer Enthaltung (Wilfried Weisbrod, Bündnis 90/Die Grünen) entschieden, weitere 2,5 Millionen Euro in die Kapitalrücklage der Innowerft zuzuzahlen. Die SAP, wie die Stadt Gesellschafter mit 42,5 Prozent, wird dieselbe Summe einlegen. Das Land Baden-Württemberg (Gesellschafter mit 15 Prozent) beteiligt sich zwar – wie schon 2018 – nicht an der Zuzahlung. „Es hat die Innowerft jedoch seit 2018 über Programmförderungen des Wirtschaftsministeriums mit insgesamt circa einer Million Euro unterstützt“, so die Verwaltungsvorlage zur Sitzung.
Einig ist man sich im Gemeinderat grundsätzlich, dass der übliche Verlust der Innowerft, die vor Kurzem ihr 15-jähriges Bestehen gefeiert hat, ganz bewusst als Teil der städtischen Wirtschafts- und Start-up-Förderung in Kauf genommen wird. Dennoch war es Prokuristin Inga-Marit Nölle wichtig, dem Gremium die Unterschiede aufzuzeigen: So sei 2024 mit einem Verlust von nur 191.000 Euro „ein besonders erfolgreiches Geschäftsjahr“ gewesen, weil man mit dem Verkauf einer Beteiligung an einem Start-up „einen großen Exit gemacht“ habe. Den, und das hatten die Verantwortlichen schon damals betont, kann und wird es nicht jedes Jahr geben, weshalb als Vergleichsgröße für den aktuellen Abschluss eher der des Jahres 2023 mit einem Verlust von rund 680.000 Euro geeignet ist. „Jetzt war das Ergebnis 20.000 Euro besser“, sagte Inga-Marit Nölle. Den größten Anteil am Minus haben die Personalkosten, die laut der Prokuristin deshalb so hoch ausfallen, weil man alle Start-ups möglichst individuell berate. Im laufenden Jahr verfolge die Innowerft erneut das Ziel, „den Fehlbetrag so gering wie möglich zu halten“. Ein Baustein: „Im März haben wir bereits einen Exit in Höhe von 90.000 Euro gemacht.“
„Wir haben in den letzten acht Jahren gute Arbeit gemacht“, sagte Geschäftsführer Thomas Lindner. So umfasse das Beteiligungsportfolio inzwischen mehr als 20 Start-ups und werde auf knapp zwei Millionen Euro geschätzt. In den vergangenen Jahren konnten Beteiligungserlöse von rund einer Million Euro erzielt werden. Es wurde ein breites Netzwerk von inzwischen mehr als 250 aktiven Investoren aufgebaut und in den von der innoWerft begleiteten Start-ups seien mindestens 250 Arbeitsplätze entstanden. Lindner hatte einige Erfolgsgeschichten „verstetigter Start-ups“ mitgebracht, die nach seinen Worten auch regional agieren. Und er zeigte, wie zum Beispiel die Stadt selbst davon profitiert, indem sie die Software eines von der Innowerft geförderten Start-ups zur Digitalisierung und Automatisierung von Inventurprozessen einsetzt.
„Wir bewerten die Entwicklung sehr positiv“, sagte Katrin Siebold (CDU). Die Innowerft habe sich „als wichtiger Baustein der regionalen Innovationslandschaft etabliert“. Ihre Aufgabe sei es nicht, kurzfristige Gewinne zu erzielen, „sondern aussichtsreiche Gründungsvorhaben zu begleiten und den Wirtschaftsstandort nachhaltig zu stärken“, so Siebold. Die CDU unterstütze diese „zukunftsorientierte Ausrichtung“ ausdrücklich. „Die Innowerft hat sich hervorragend entwickelt“, meinte Christian Schick (SPD). Der Verkauf einer Beteiligung, wie 2024 geschehen, belege, „dass sich unser Engagement auszahlt“. Wichtig sei der SPD besonders der regionale Nutzen. Und hier liefere die Innowerft mit 250 aus den Start-ups entstandenen Arbeitsplätzen „einen messbaren Mehrwert für Walldorf und die Region“. Schicks Fazit: „Start-up-Förderung ist eine Investition, die sich lohnt.“
„Innovation braucht ein Umfeld, das sie unterstützt“, sagte Dagmar Criegee (FDP). Genau das biete die Innowerft. Davon profitiere auch die Stadt Walldorf, die bereits Produkte und Lösungen aus geförderten Start-ups einsetze. „Aus guten Ideen entsteht ein konkreter Mehrwert für unsere Kommune“, so Criegee. Deshalb befürworte ihre Fraktion auch die erneute Zuführung von 2,5 Millionen Euro: „Wer Innovation will, muss ihr den nötigen Raum geben. Das tun wir.“ Wilfried Weisbrod konnte für die Grünen zwar „im Kern zustimmen“, brachte jedoch auch „ein großes Aber“ an, mit dem er die erneute finanzielle Einlage hinterfragte. Bei der letzten Zuzahlung 2018 habe es geheißen, dass das Geld für zehn Jahre reichen solle. Und tatsächlich gebe es noch eine Kapitalreserve von 2,2 Millionen Euro. Viele der Start-ups seien zudem nicht aus der Region, sondern hätten ihren Sitz in Mannheim, Stuttgart oder Berlin. „Wir machen eine Förderung, die grundsätzlich toll ist“, sagte Weisbrod. Doch langfristig müsse man sich fragen, ob es die Aufgabe Walldorfs sei, das im ganzen Land zu tun. „Ich bin nicht dagegen, dass es weitergeht.“ Aber bei der neuerlichen Beteiligung werde er sich enthalten.
Mihriban Gönenç (Zusammen für Walldorf) bezeichnete die Innowerft als „wichtigen Baustein“ der Wirtschaftsförderung in Walldorf. Sie stärke den Standort, schaffe Arbeitsplätze und fördere Innovationen in der gesamten Region. „Die Erfolge sprechen für sich“, sagte sie. Die erneute städtische Einlage sei „eine erhebliche Zuzahlung aus öffentlichen Mitteln“, deshalb erwarte man, dass die Innowerft ihre erfolgreiche Arbeit fortsetze, und begrüße, dass auch die SAP einen gleich hohen Beitrag leiste.