01.06.2026, Kultur & Freizeit

Klangfarben voller Raffinesse und Virtuosität

Das Trio MelanJ zeigte sich als perfekt aufeinander eingespieltes Team. Foto: Helmut Pfeifer

Trio MelanJ begeisterte mit französisch geprägter Kammermusik

Sicher einer der Höhepunkte der diesjährigen Saison der Konzerte der Stadt Walldorf war das Gastspiel des Trio MelanJ in der Laurentiuskapelle. Der städtische Musikbeauftragte Dr. Timo Jouko Herrmann zeigte sich erfreut, dass das Programm „Klangfarben im Dialog“ viele Besucherinnen und Besucher von auswärts angelockt hatte. Das wunderbar miteinander agierende Trio, bestehend aus Meltem Özari-König (Flöte), Hyunji Lee (Klarinette) und Ganna Trofymchuk (Klavier), hatte einen erlesenen Konzertabend zusammengestellt, das stark von französischer Musik geprägt war. Der Name des Trios war, wie Herrmann erklärte, dabei Programm: MelanJ – sprich „Melange“ – bildet sich aus den Vornamen der Künstlerinnen; er ist gleichzeitig Sinnbild für ihre unterschiedliche Herkunft und ihre bunt zusammengestellten Programme.

Den Beginn machte das hörenswerte Concertino des Schweizers Ernest Bloch. Ein spieltechnisch anspruchsvolles, gleichsam unterhaltendes Werk, mit dem die Musikerinnen das Publikum sofort für sich einnahmen. Allein die Vielfalt der musikalischen Stilmittel ließ aufhorchen: Motorisches stand neben Impressionistischem, jazzige Akkorde neben barocken Harmoniefolgen. Alles wurde dabei zu einer wunderbaren Einheit verschmolzen und vom Trio MelanJ mustergültig interpretiert.

Die folgende „Grand Fantasia“ von Malcolm Arnold wirkte im Vergleich dazu fast etwas anachronistisch, zeigte sich das Werk formal und harmonisch doch noch ganz von der Tradition des 19. Jahrhunderts beeinflusst. Nach einer eröffnenden Variationsfolge reihten sich verschiedene stilisierte Tänze des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts aneinander. Den Protagonistinnen lieferte dieses Stück eine dankbare Vorlage, miteinander in einen unterhaltsamen Wettstreit zu treten.
Anschließend erklang mit Claude Debussys „Prélude à l’après-midi d’un faune“ eines der Schlüsselwerke des französischen Impressionismus. Die äußerst gelungene kammermusikalische Bearbeitung dieses Orchesterwerks erlaubte einen ganz neuen Blick auf die berühmte Komposition. Klanglich perfekt ausbalanciert legten die drei Künstlerinnen die innere Struktur des Werks frei.

Die virtuose „Fantasia concertante“ des zeitgenössischen Komponisten Michele Mangani beschloss den ersten Konzertteil. Das auf Themen aus Giuseppe Verdis „La Traviata“ basierende Werk stand ganz in der Tradition der besonders im 19. Jahrhundert beliebten Opernparaphrasen. Mit viel Brillanz und stupender Technik lieferte das Trio eine mitreißende Wiedergabe, die großen Applaus erntete.

Nach der Pause ermöglichte das Trio MelanJ dem Publikum eine Begegnung mit dem weitgehend unbekannten Komponisten Maurice Emmanuel. Seine Sonate für Flöte, Klarinette und Klavier wirkt wie ein Schwesterwerk zum anfangs gehörten Concertino von Bloch. Die Ecksätze werden von einem dichten Stimmengeflecht dominiert, in dem eine kinderliedartige Melodie für Orientierung und Kohärenz sorgt. Im melancholisch-düsteren zweiten Satz gefielen besonders die sonoren Klänge der Klarinette im tiefen Chalumeau-Register.

Hierauf folgte als echtes Bravourstück der Czardas des Zeitgenossen Jérôme Naulais. Flöte und Klarinette lieferten sich hier einen ebenso virtuosen wie effektvollen Wettstreit, während das Klavier für rhythmische Struktur und harmonische Stabilität sorgte.

Die hierauf folgende „Techno-Parade“ von Guillaume Connesson hat das Zeug zu einem Kultstück. Klangfarblich war diese zeitgenössische Komposition eine echte Entdeckungstour. Alle Instrumente werden hier aus ihrer Komfortzone herausgeholt und in Grenzlagen geführt. Der Klavierklang wurde etwa durch Abdämpfen der Saiten mit einem Blatt Papier oder mittels einer kleinen Bürste verfremdet, so dass etwa der Klangeindruck eines rhythmisch „geslappten“ E-Basses oder einer verzerrten E-Gitarre entstand. Das unkonventionelle Werk sorgte für große Begeisterung im Publikum.

Den Abschluss des Programms bildete Camille Saint-Saëns‘ berühmte „Tarantelle“. Der stets originelle Komponist baute dieses Stück über einem Ostinato-Motiv auf, um das herum sich die wirbelnden Tanzrhythmen immer neu gruppieren. Die Musikerinnen des Trio MelanJ zeigten sich hier noch einmal als perfekt aufeinander eingespieltes Team. Das Publikum dankte für diesen außergewöhnlichen Konzertabend mit langem und begeistertem Applaus und erklatschte sich noch eine Zugabe von den sympathischen Künstlerinnen.