17.10.2026, Startseite

Kleine Seitenhiebe und ein Volltreffer

Der erste Schlag sitzt: Mit dem Fassbieranstich eröffnet Bürgermeister Matthias Renschler die Walldorfer Straßenkerwe. Foto: Helmut Pfeifer

Humorvolle Eröffnung der Walldorfer Straßenkerwe mit Fassanstich und Badner Lied

Das sitzt. Gleich der erste Schlag trifft ins Schwarze, der Zapfhahn ist im Fass, das Freibier strömt, Bürgermeister Matthias Renschler strahlt. Volltreffer landet er vorher auch mit den kleinen Seitenhieben, die er an die Nachbarkommunen verteilt – sehr zur Erheiterung der zahlreichen Besucherinnen und Besucher, die sich zur Eröffnung der Straßenkerwe vor der Bühne an der Sparkasse eingefunden haben. Auch der leichte Nieselregen kann die Walldorfer nicht davon abhalten, den Startschuss für die Kerwe-Tage „live“ mitzuerleben. Als die Stadtkapelle das Badner Lied anstimmt, singen viele gut gelaunt mit.

Der erste Blick des Bürgermeisters gilt aber dem Himmel: nicht etwa wegen des Regens, sondern um mögliche fliegende Gastgeschenke rechtzeitig zu erspähen. Renschler greift die lustige Geschichte auf, dass kürzlich die Nachbarn aus Sandhausen über der Nußlocher Kerwe ein Flugzeug mit der Botschaft „Beste Kerwe? Sandhausen!“ hatten kreisen lassen. Eine Steilvorlage für den Walldorfer Rathauschef: „Andere verteilen Flyer. Die Sandhäuser nehmen das mit der fliegenden Werbung offenbar wörtlich.“ Und er amüsiert sich darüber, dass das Banner auch in Sandhausen gut zu lesen gewesen sein soll. „Da haben sie also Geld ausgegeben, um sich selbst zu erklären, wie toll sie sind. Das hätten sie auf dem eigenen Rathausplatz günstiger haben können.“

Dass sein Sandhäuser Amtskollege zwar bei der Nußlocher Kerwe-Eröffnung dabei war, aber nichts von der Aktion gewusst haben wollte, lässt Renschler ebenfalls nicht unkommentiert: „Als Bürgermeister kann ich Ihnen sagen: Das ist die hohe Kunst des Amtes – von nichts wissen, aber rechtzeitig zum Fototermin da sein! Im Rathaus nennt man das einen gut geführten Terminkalender.“ Die Selbstironie kommt bei den Zuhörern an und erntet Szenenapplaus.

Der Bürgermeister betont: Walldorf bleibe lieber am Boden und investiere in das, was bei allen ankommt: in gute Musik, gute Getränke und volle Teller“. Er schlägt den Bogen zum Jubiläumswochenende, mit dem im großen Rahmen „125 Jahre Stadtrechte“ gefeiert wurden, und erinnert daran, dass die ehemalige Einkaufsnacht inzwischen „Sundowner“ heißt und von Besuchern dank des Trubels als „Kerwe light“ bezeichnet wurde. Jetzt gebe es das Original, ohne Light und ohne neuen Namen: „Von einer ‚Walldorf Street-Curvy‘ lassen wir lieber die Finger“, sagt Renschler sehr zum Amüsement des Publikums.

Im ernsteren Teil der Eröffnungsrede begrüßt der Bürgermeister die Gäste aus den Partnerstädten Freeport/USA und Walldorf/Werra mit Teilortsbürgermeisterin Ute Pfeiffer; die französischen Freunde aus Saint-Max kündigt er für Sonntag an. Er dankt allen Beteiligten, die fürs gute Gelingen der Kerwe sorgen, für Sicherheit und fürs leibliche Wohl – von den Vereinen und Hilfsorganisationen bis hin zu den Mitarbeitern im Rathaus und Bauhof. „Leute treffen, miteinander schwätzen, die Auftritte unserer Vereine genießen, Musik hören, etwas Gutes essen und trinken – und gemeinsam eine schöne Zeit haben“, legt Matthias Renschler die Marschroute für die Kerwe-Tage fest. „Ich wünsche uns allen eine fröhliche, friedliche Kerwe, gute Begegnungen und viele schöne Stunden miteinander.“

Vor der offiziellen Eröffnung sind die Walldorfer Vereine, vertreten vor allem durch viele Kinder und Jugendliche, in einem kleinen Umzug vom Feuerwehrhaus über die Kerwemeile zur Bühne gezogen. Angeführt vom Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr (der dieses Mal Unterstützung von den Kameraden aus Reilingen hat), den Storchenküken der KG Astoria Störche und den Mitgliedern der Heimatfreunde, wie immer in historischen Gewändern. Mit dem Badner Lied, dem Fassanstich und dem Freibierausschank, um den sich der Bürgermeister und Rainer Scholl (Getränke Wipfler) kümmern, nimmt die Kerwe dann ihren Lauf. Ganz ohne Banner, aber mit klarer Ansage: „Gefeiert wird in Walldorf!“

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