13.08.2026, Startseite

Leise Interpretationen und große Gefühle

Hatte viele spannende Songs mit ins AQWA gebracht: Tara. Foto: Stadt Walldorf

Neben Tara spielt beim #summersound-Konzert die Sonnenfinsternis nur eine Nebenrolle

Die Sonnenfinsternis spielt letztlich nur eine Nebenrolle. „Wann geht’s denn los?“, fragt Tara und freut sich, dass ihr noch genügend ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums bleibt. Nur wenige der Zuhörerinnen und Zuhörer, die die Liegewiese zwischen Bouleplatz und Badesee bevölkern, haben überhaupt die notwendige Spezialbrille im Gepäck, um sich dem Himmelsspektakel zu widmen. So bleibt ihnen verborgen, dass sich schon kurz vor der zweiten Pause des #summersound-Konzerts der Mond verdunkelnd von unten rechts in die Sonnenscheibe schleicht. „Ride with me“ spielt Tara da gerade, einen ihrer eigenen Songs, der sich praktisch nahtlos ins Repertoire aus großen und kleinen Hits einfügt, das die mit Stimme und Gitarre ausgerüstete Walldorfer Musikerin mit ins AQWA gebracht hat.

„Ich freue mich, heute für euch Musik machen zu dürfen“, sagt sie früh am Abend, nachdem sie mit melodischem Pop („Royals“ von Lorde), dem folkig angehauchten „Riptide“ (Vance Joy) und dem immer noch sanften, aber etwas energischeren „Head over Feet“ (Alanis Morissette) die Stimmung des ausklingenden Sommerabends perfekt aufgegriffen hat, an dem ein angenehmer Wind die immer noch hohen Temperaturen erträglich werden lässt. Taras Publikum lässt es sich auf Badetüchern, Stranddecken und Campingstühlen gut gehen, hat sich am Kiosk mit Pommes und Chicken Nuggets eingedeckt oder von zu Hause den Nudelsalat und die gesunden Karotten zum Knabbern mitgebracht. Und auch die Getränke hat niemand vergessen, die Stimmung ist heiter bis fröhlich.

Die Sängerin, in der Region oft im Duo „Tara & Sten“ live zu erleben, gastiert heute solo. „Mein Papa ist im Urlaub, deshalb bin ich alleine da“, sagt sie, hat aber dennoch das eine oder andere Stück aus dem gemeinsamen Fundus dabei. Tom Pettys „Free Fallin‘“ mit seiner Mischung aus Nostalgie, Loslassen und Aufbruch sowie dem hymnischen Refrain ist dafür ein frühes Beispiel. Später „klaut“ Tara dann ihrem Vater einen der Songs, die sonst er singen darf: das Tom-Waits-Stück „Ol ‘55“, das ein wenig wehmütig von einer Autofahrt am frühen Morgen während des Sonnenaufgangs erzählt – die ersten Anzeichen der Sonnenfinsternis sind zu diesem Zeitpunkt aber noch gut eine Stunde entfernt.

„Autumn Leaves“, ein Jazzstandard, der auf ein französisches Chanson von 1945 zurückgeht („Les Feuilles mortes“), wurde über die Jahrzehnte von den unterschiedlichsten Künstlern interpretiert – von Nat King Cole bis Iggy Pop, von Edith Piaf bis Eric Clapton. Tara verrät, sie singe das Stück im Stil von Eva Cassidy (1963-1996), die damit erst posthum bekannt wurde. Mit bewusst zerbrechlicher Stimme und sparsamem Einsatz der Gitarre gelingt ihr eine leise, berührende Interpretation voller Wärme, Vergänglichkeit und Intensität. Nach so viel Melancholie und großen Gefühlen passt das vergleichsweise banal-harmlose, aber poppig-flotte „Breakfast at Tiffany’s“ (Deep Blue Something) im Anschluss prima als Stimmungsaufheller. Tanzbar und lässig kommt „Valerie“ (Amy Winehouse) daher, ein wenig gitarrenlastiger dann „Teenage Dirtbag“ (Wheatus).

Das Publikum mischt sich derweil schön durch, einige verharren das ganze Konzert über auf ihren Plätzen, andere kommen und gehen, lassen sich für ein paar Minuten von den Songs verzaubern, um danach wieder schwimmen oder auf den Heimweg zu gehen. Diejenigen, die bleiben, dürfen sich über allseits Bekanntes wie „This is the Life“ (Amy McDonald) oder das lautstark mitgesungene „Sweet Dreams“ (Eurythmics) freuen, über Ausflüge ins Französische mit „Dernière danse“ (Indila) oder ins Spanische mit „Chan Chan“, bekannt aus dem Film „Buena Vista Social Club“. Die stilistische Vielfalt bleibt groß: Mit Men at Work geht es rhythmisch und spaßig „Down under“, mit Tracy Chapman leise und eindringlich in den „Fast Car“, bei „Appletree“ (Erykah Badu) und „Jolene“ (Dolly Parton) wird es flotter.

Die Sonne verschwindet inzwischen hinter den Bäumen, bevor sie sich auch vor den Augen der Konzertbesucher verfinstern kann. Tara unterbricht „Dreams“ (Fleetwood Mac) aber nicht deshalb, sondern wegen eines kurzen Krampfs in der Hand. Mit dem luftigen „Price Tags“ (Jessie J) läutet sie das Finale ein und hat mit „Knockin‘ on Heaven’s Door“ (Bob Dylan) zum Abschluss Hymnisches parat. Die verdienten Zugaberufe für einen gelungenen und unterhaltsamen Auftritt belohnt sie mit ihrem „signature song“: Das traditionelle mexikanische Lied „La Llorana“ („Die weinende Frau“) beschwört noch einmal eine tief emotionale Atmosphäre herauf. Schön!

Info: Letztes #summersound-Konzert dieser Saison am Dienstag, 18. August, 18 bis circa 20 Uhr, mit „Miss Coco und ihr Richter“ im AQWA-Freibad (bei Regen unter dem Dach des Eingangsgebäudes).

(Armin Rößler)