14.10.2026, Startseite

Planung möglicher Wärmenetze schreitet voran

Stadt und Stadtwerke informierten jetzt im Arbeitskreis Klima über mögliche Wärmenetze. Foto: Stadt Walldorf

Stadt und Stadtwerke stellen Zwischenstand im Arbeitskreis Klima vor

Die kommunale Wärmeplanung, so Bürgermeister Matthias Renschler in seiner Begrüßung zum jüngsten Arbeitskreis Klima im Rathaus, sei „ein wichtiges Thema“. Für viele stelle sie allerdings noch „ein Buch mit sieben Siegeln“ dar. Damit sich diese Siegel nach und nach lösen, informierten die Stadt und die Stadtwerke Walldorf jetzt gemeinsam über den aktuellen Zwischenstand. Dabei gab es konkrete Informationen über drei (der insgesamt sechs) untersuchten sogenannten „Fokusgebiete“: zum bestehenden Wärmenetz am Schulzentrum, zu dem das Gebiet Tannen-/Fichtenweg hinzugenommen werden könnte, und zum Innenstadtbereich. Ziel der Überlegungen, die im Jahr 2022 angestoßen und seither konsequent verfolgt wurden, ist es, eine strategische und verlässliche Grundlage für eine klimaneutrale Wärmeversorgung bis zum Jahr 2040 zu schaffen.

„Das ist für uns von hoher Relevanz“, sagte Stadtwerke-Geschäftsführerin Isabelle John, auch wenn vieles noch „ein Stück weit von Unsicherheit geprägt“ sei. Christian Horny, Klimaschutzmanager der Stadt, erklärte, Walldorf habe die Wärmeplanung bewusst bereits erstellt, bevor dafür die gesetzliche Pflicht greift, um einen gewissen Vorlauf zu haben und vor „der großen Welle“ zu segeln. Nach derzeitigem Stand müsse man davon ausgehen, ab 2045 keine fossilen Energieträger mehr nutzen zu dürfen, und brauche Entscheidungen, wie man diese ersetzen könne. Dafür habe man die lokalen Potenziale untersucht. „Leider haben wir von allem relativ wenig“, sagte Horny mit Blick auf theoretisch nutzbare erneuerbare Energien aus Wasserkraft, Biomasse oder Wind. „Übrig blieben Erdwärme und Grundwasserwärme.“ Während Geothermie mit Tiefenbohrungen aus verschiedenen Gründen aktuell keine Option ist, setzt man zunächst auf die Nutzung von Grundwasserwärme.

Dass zunächst die Fokusgebiete am Schulzentrum und in der Innenstadt als Kandidaten für Wärmenetze an der Reihe sind, liegt laut Christian Horny zunächst einmal am Faktor Wirtschaftlichkeit. „Wünschenswert wäre natürlich ganz Walldorf“ – das werde sich aber nicht realisieren lassen, wenn es für Netzbetreiber und Kundschaft bezahlbar bleiben soll. So bezifferte Morris Hintz (Stadtwerke), der die Machbarkeitsstudien vorstellte, die nach Förderung verbleibende Investition für die Transformation am Schulzentrum auf rund zwei Millionen Euro beziehungsweise 3,7 Millionen, wenn auch der Bereich Tannen-/Fichtenweg versorgt wird. In diesem Fokusgebiet ist man nach seinen Worten bereits relativ weit mit den Überlegungen: Das schon bestehende Wärmenetz wird aktuell durch drei Blockheizkraftwerke betrieben, die ohnehin 2028 erneuert werden müssten. Den künftigen Wärmebedarf beziffern die Stadtwerke am Schulzentrum und AQWA auf etwa 3000 Megawattstunden (MWh) Wärme pro Jahr, mit dem zusätzlichen Wohngebiet wären es rund 4600 MWh.

Nach der Transformation („Dekarbonisierung“) will man laut Hintz in den beiden möglichen Varianten mit Grundwasser-Wärmepumpen (1000 oder 1500 Kilowatt), einem Zusatzkessel für Spitzenleistungen (1500 oder 2000 Kilowatt) sowie je einem Bestands- und einem zusätzlichen Speicher (je 100 Kubikmeter) arbeiten. Ein Vorteil: „Wir können die bestehende Heizzentrale nutzen.“ Benötigt werden zudem drei Förderbrunnen und ebenso drei Einleitbrunnen. Die Nutzung der Grundwasserwärme funktioniert nämlich als geschlossener Kreislauf: „Wir entnehmen das Grundwasser nicht dauerhaft, sondern führen es wieder zurück, nur gekühlt“, so Morris Hintz. Für das neben dem Ingenieurbüro IBS (Bietigheim-Bissingen) in die Studien involvierte Walldorfer Planungsbüro HydroTherm Consult bestätigte Geschäftsführer Kevin Lange auf Nachfrage aus dem Publikum, man untersuche „sehr genau“, ob das auch in Zeiten sinkender Grundwasserspiegel langfristig sicher funktioniere. Davon gehe man anhand vorliegender Grundwassermodelle aus. Auch für die Trinkwasserversorgung bestehe kein Risiko. Nächster Schritt ist nun laut Morris Hintz eine Probebohrung, die Aufschluss über Ergiebigkeit und Wasserqualität geben soll. „Im ersten Quartal 2027 wissen wir mehr“, sagte Isabelle John in ihrem Ausblick.

„Hier sind wir noch nicht so weit wie im Norden“, erklärte Hintz zum Stand im Wohngebiet in der Innenstadt – es gebe bislang kein Wärmenetz und auch keine Heizzentrale. Letztere könnte man am Rand der Sozialen Mitte errichten. Die zu versorgenden drei bislang ins Auge gefassten Teilgebiete („die sind nicht in Stein gemeißelt“) haben zusammen einen Wärmebedarf von mehr als 12.000 Megawattstunden pro Jahr. Dafür würde man laut Hintz fünf Förderbrunnen und vier bis fünf Einleitbrunnen benötigen. Die Stadtwerke untersuchten zudem die Möglichkeit einer Kühlung der Schulen und Betreuungseinrichtungen über die Wärmenetze und machten sich auch Gedanken über eine Synchronisierung der Arbeiten mit dem laufenden Dachständerrückbau. Zum Zeitplan sagte Hintz: Am Schulzentrum denke man an eine Realisierung etwa 2029/30, in der Innenstadt zwischen 2030 und 2035. Genauere Angaben seien noch schwierig, weil man auch von der Förderung des Bundes abhängig sei. „Wir haben noch keine Wärmepreise dabei. Dafür muss die Planung weiter konkretisiert werden“, sagte Isabelle John auf Nachfrage, zeigte sich aber zuversichtlich, „dass wir das wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll umsetzen können“.

Karla Lieberg, Leiterin des städtischen Fachdiensts Umwelt, machte am Ende noch einmal deutlich, dass alle Karten der kommenden Versorgungsgebiete noch vorläufig seien, man aktuell aber davon ausgehe, dass dort Wärmenetze möglich seien. Für Haushalte, die außerhalb liegen oder wegen notwendiger Heizungserneuerungen nicht länger warten können, empfahl sie als ersten Schritt, die Beratung der Stadt zu Wärmepumpen und Förderprogrammen in Anspruch zu nehmen.